Anforderungen und Ziele
Unsere zentrale Zielsetzung begründet auch den Sinn unserer Arbeit. Sie besteht darin, Menschen zu befähigen, sexuelle Gesundheit möglichst souverän, verantwortungsvoll und selbst bestimmt leben zu können. Dies bedeutet gleichzeitig, gesundheitlich schädigendes oder psychologisch destabilisierendes Verhalten konsequent zu vermeiden. Zur Erreichung dieser zentralen Zielsetzung sind die folgenden Punkte massgebend:
Kenntnisse über die eigene Sexualität und eine offene, direkte Information
Anforderungen: Kenntnis über die eigene Sexualität kann sich nicht nur auf angelerntes Wissen abstützen. Es braucht auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Biografie. Das Erleben einer gesunden und für sich persönlich lustvollen Sexualität ist nicht einfach gegeben, sondern erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit den wesentlichen Beeinflussungsfaktoren in der sexuellen Sozialisation. Tabuisierungen und uneingestandene Bedürfnisse sind oft eine Quelle von riskantem Verhalten.
Ziele: Wir setzen uns in unserer fachlichen Arbeit zum Ziel, die Kenntnisse über Sexualität in einer offenen und toleranten Gesprächsatmosphäre zu vermitteln. Unsere Angebote sollen den KundInnen auch die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Biografie ermöglichen. Wir entwickeln und vermitteln entsprechende Arbeitsunterlagen (Tools), welche diesen Zielen dienlich sind.
Unsere preiswerte CD-Rom "beziehungs-weise" beschreibt in 12 Kapiteln die Themen Liebe, Erotik und Sexualität sehr umfassend. Ende September 2002 wird die CD-Rom erhältlich sein.
Respekt und Toleranz gegenüber den verschiedenen sexuellen Orientierungen
Anforderungen: Das Auftauchen von AIDS in den frühen Achtzigerjahren lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf der einen Seite wieder verstärkt auf die verschiedenen sexuell übertragbaren Krankheiten, auf der anderen Seite wirkte AIDS wie ein Signallicht und beleuchtete verschiedene ungelöste und tabuisierte Zonen im Bereich der Sexualität. AIDS fordert uns heraus, die bis anhin „schmutzigen Dinge“ auf den Tisch zu legen. Da sich die Krankheit anfänglich sehr stark in homosexuellen Kreisen ausbreitete, verstärkte sich die öffentliche Auseinandersetzung mit der Homosexualität und in der Folge mit anderen, weniger bekannten sexuellen Praktiken. Gesunde Sexualität bedeutet für alle das Akzeptieren der eigenen sexuellen Orientierung und der persönlichen sexuellen Vorlieben. Die Grenze dieses Freiraumes wird durch das Strafgesetzbuch abgesteckt.
Ziele: Wir setzen uns in unserer Facharbeit dafür ein, dass Toleranz und Gleichberechtigung gegenüber allen sexuellen Orientierungen zunehmen, solange sie die Menschenwürde respektieren. Wir stellen uns jeglichen fundamentalistischen und einseitigen, weltanschaulichen Positionen kritisch entgegen. Das Akzeptieren der eigenen sexuellen Orientierung und Vorlieben ist ein Faktor positiver Selbstbestätigung, der besonders wichtig ist. Nur auf dieser positiven Grundstimmung bekommt das konsequente Schutzverhalten eine tragfähige, psychologische Basis. Angst allein führt zu keiner nachhaltigen Motivation für sicheres Verhalten.
Detaillierte Informationen zu weiblicher und männlicher Homosexualität finden Sie in der Linkliste.
Kenntnisse über die sexuell übertragbaren Krankheiten
Anforderungen: Seit die Bedeutung und Verbreitung verschiedener sexuell übertragbarer Krankheiten gesamtschweizerisch und weltweit wieder zugenommen hat, sind Kenntnisse der verschiedenen Krankheiten lebenswichtig. Neben HIV/AIDS gibt es zahlreiche mehr oder weniger verbreitete Krankheiten.
Ziele: Wir setzen uns in der Facharbeit zum Ziel, fundierte Kenntnisse über diese Krankheiten zu vermitteln und gleichzeitig über die verschiedenen Schutzmöglichkeiten zu informieren. Auf die HIV-Infektion wird dabei ein spezielles Augenmerk gelegt, weil sie besonders schwerwiegend verläuft.
Konsequentes Schutzverhalten in Situationen, die riskant sind
Anforderungen: Erotik und Sexualität haben eine innere Verbindung zu Sterben und Tod. Dieses Feld ist deshalb mit einer seltsamen Ambivalenz besetzt. Diese Ambivalenz wird fachlich immer wieder mit dem Begriff „Angstlust“ umschrieben. Die Präventionsarbeit hat diesem Umstand Rechnung zu tragen, indem angesprochen und berücksichtigt wird, dass konsequentes Schutzverhalten in den so genannten „Momenten X“ manchmal schwierig durchzuhalten ist. Ein konsequentes Schutzverhalten ist in einem grundsätzlich irrational geprägten Erfahrungsfeld keine Selbstverständlichkeit, sondern eine grosse psychische Herausforderung.
Ziele: Wir setzen uns in der Facharbeit zum Ziel, die Auseinandersetzung mit den „Momenten X“ zu ermöglichen und die Schwierigkeiten und Hindernisse offen und direkt anzusprechen. „Im Minimum en Gummi drum“ (Polo Hofer) oder „Ohne Dings kein Bums“ sind zwar geniale Slogans, doch für einen nachhaltigen Schutz ist die persönliche Auseinandersetzung unerlässlich.
Solidarisches Denken und Handeln gegenüber Menschen, die von den Krankheiten betroffen sind
Anforderungen: Seit dem Auftauchen von AIDS hat sich hinsichtlich Diskriminierung von Menschen mit HIV und AIDS zwar vieles zum Guten verbessert, doch solidarisches Denken und Handeln ist sowohl im persönlichen Umfeld als auch in institutionellen Strukturen noch lange keine Selbstverständlichkeit.
Ziele: Wir setzen uns bei allen Tätigkeiten zum Ziel, das solidarische Denken und Handeln gegenüber Menschen mit STD’s zu fördern. Wir wenden uns gegen kollektive Schuldzuweisungen und das Konstruieren von „Sündenböcken“, auf welche die eigene persönliche Verantwortung abgeladen werden kann. Wir unterstützen die von den Krankheiten direkt betroffenen Menschen in Richtung Souveränität und Gleichberechtigung.