Aufgabengebiete
Sexuelle Gesundheit und die Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten fordert jede Person auf individueller Ebene und die Gesellschaft auf kollektiver Ebene an verschiedenen neuralgischen Punkten heraus, nachzudenken, Stellung zu nehmen, ins Dunkle zu blicken und gewisse Aspekte des menschlichen Lebens unter dem Tisch hervorzuziehen. Dementsprechend kann Präventionsarbeit nicht im stillen Kämmerlein wirksam werden, sie muss sich auf verschiedene Säulen abstützen. Die Kernaufgaben unserer Fachstelle sind in den folgenden sechs Abschnitten umschrieben. Gleichzeitig stellen wir in jedem Aufgabengebiet klar, welche Rolle und Funktion wir jeweils im fachlichen Feld der Gesundheitsförderung einnehmen wollen. Bei der Eingrenzung der Aufgaben orientieren wir uns an zwei Kriterien, die erfüllt sein müssen, wenn die Facharbeit umgesetzt werden soll. Die Aktionen und Projekte müssen entweder multiplikatorisch angelegt oder die anvisierte Zielgruppe muss vulnerabel sein. Selbstverständlich gilt dies auch, wenn beide Kriterien zugleich erfüllt sind.
Beobachtung und Analyse Informations- und Öffentlichkeitsarbeit Kundenorientierte agogische Bildungsarbeit und Prävention Persönliche Prävention und Beratung Unterstützung von Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten Dokumentation und Informationsmaterial
Beobachtung und Analyse
Aufgabe:
Wirksame Präventionsarbeit muss die gesellschaftlichen Entwicklungen und den Wertewandel im Bereich der Sexualität wachsam und kritisch beobachten. Sie muss zu einem frühen Zeitpunkt feststellen, welche persönlichen Einstellungen und gesellschaftlichen Zonen (Szenen) in Bezug auf das Schutzverhalten kritisch werden könnten und wie darauf zu antworten ist. Diese fachliche Beobachtung der Gesamtsituation stützt sich auf Studien, wissenschaftliche Untersuchungen und epidemiologische Daten, aber auch auf persönliche Analysen. Wir setzen uns zum Ziel, die Gesamtsituation laufend zu analysieren und den präventiven Handlungsbedarf, der sich daraus ergibt, zu beurteilen. Dieser Prozess erfolgt in immer wiederkehrenden Zyklen, die im Qualitätsmanagement-System definiert sind. Wenn nötig, informieren wir die Öffentlichkeit und die Auftraggeber über beobachtete Lücken oder neue Problemfelder.
Position:
Für den Bereich „Sexuelle Gesundheit und sexuell übertragbare Krankheiten“ definieren wir uns als führende, regionale Fachstelle mit einem langjährigen und detaillierten Wissen darüber, wie sich dieses Feld gesellschaftlich wandelt und welche präventiven Massnahmen wirksame Antworten auf die festgestellten, unerwünschten Entwicklungen sind. Wir sehen unsere Funktion hier als fachlich aufmerksame Beobachterin.
Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
Aufgabe:
Von den sexuell übertragbaren Krankheiten streift speziell AIDS immer wieder Tabuzonen und zieht so persönliche und gesellschaftliche Projektionen auf sich. Damit die Ausgrenzung der Thematik und der davon betroffenen Menschen verhindert wird, bedarf es der öffentlichen Information. Ebenso müssen die Interessen der von der Krankheit direktbetroffenen Menschen öffentlich vertreten werden. Diese Zielsetzung wird bereits durch nationale Aktivitäten des Bundesamtes für Gesundheit und der AIDS-Hilfe Schweiz verfolgt. Die nationalen Informationskampagnen müssen jedoch durch regionale und kantonale Aktionen unterstützt und ergänzt werden, damit die Region vom Themenfeld verstärkt angesprochen wird. Mit Hilfe einer regional ausgerichteten Medienarbeit und der eigenen Zeitschrift DIALOG setzen wir uns zum Ziel, alle am Thema interessierten Personen und vor allem potentielle MultiplikatorInnen differenziert über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und dafür zu motivieren, eigene Präventionsaktivitäten in ihrem Berufsfeld zu entfalten.
Position:
Wir betrachten uns in diesem Arbeitsfeld als führende Informations- und Anlaufstelle für alle Fragen im Zusammenhang mit sexuell übertragbaren Krankheiten und sexueller Gesundheit. Bei fachmedizinischen Fragen arbeiten wir eng mit dem Fachbereich Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen zusammen.
Kundenorientierte agogische Bildungsarbeit und Prävention
Aufgabe:
Die Information der Gesamtbevölkerung durch die STOP-AIDS-Kampagne und die Medienarbeit der AIDS-Hilfe Schweiz bilden das allgemeine Informationsfundament unserer regionalen zielgruppenspezifischen, kundenorientierten Präventionsarbeit. Wir richten unsere Tätigkeit in der agogischen Bildungsarbeit speziell auf die sich verändernden Bedürfnisse der Prävention aus. So werden jeweils jene sozialen Gruppen bevorzugt, die nach aktuellem Wissensstand hinsichtlich sexuell übertragbarer Krankheiten als besonders gefährdet gelten. Auf der anderen Seite werden jene Bevölkerungsgruppen angesprochen, bei denen eine Vertiefung der Information und die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sexuelle Gesundheit“ besonders angezeigt sind. Um mit unseren beschränkten personellen Ressourcen eine möglichst breite Wirkung zu erzielen, arbeiten wir in dieser Kernaufgabe soweit als möglich mit MultiplikatorInnen zusammen. Dieser multiplikatorische Effekt kann mit Hilfe verschiedener Massnahmen erreicht werden: durch gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote, durch die Produktion von Präventions-Tools für die Verantwortlichen in der Bildungsarbeit, durch direkte Aktionen und Projekte in bestimmten sozialen Gruppen (Szenen) und durch gezielte Abgabe von Informations- und Unterrichtsmaterialien.
Position:
Dieser Aufgabenbereich bildet das Hauptgebiet unserer Facharbeit. Wir setzen uns in diesem Arbeitsfeld besonders dafür ein, kunden- und praxisorientiert zu handeln. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Befähigung zum souveränen Handeln durch eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema „sexuelle Gesundheit“. Wir positionieren uns in diesem Fachgebiet als führende regionale Fachstelle für Fragen der sexuellen Gesundheit und Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten (Prävention).
Persönliche Prävention und Beratung
Aufgabe:
Die persönliche Prävention und Beratung richtet sich an all jene Personen, die sich vermeintlich oder tatsächlich in eine Risikosituation hinsichtlich sexuell übertragbarer Krankheiten begeben haben. Die individuelle Prävention und Beratung ist bedeutsam, weil in solchen Situationen das Problembewusstsein besonders wichtig ist, damit die Krankheiten nicht an andere Personen weitergegeben werden.
Position:
Wir definieren uns in diesem Aufgabenbereich als nicht-medizinische Kontakt- und Informationsstelle für alle Personen, die Fragen und Unsicherheiten im Zusammenhang mit sexueller Gesundheit und sexuell übertragbaren Krankheiten haben. Die Beratung geschieht normalerweise telefonisch und ist so auch anonym möglich.
Unterstützung von Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten
Aufgabe:
Ergänzend zur medizinischen Behandlung wirkt sich ein fachlich hochstehendes Angebot an psychosozialer Beratung und Begleitung positiv auf den gesundheitlichen Zustand der Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten – speziell auch bei einer HIV-Infektion – aus. Da wir als spezialisierte Fachstelle für die gesamte Region St. Gallen-Appenzell unmöglich eine genügend intensive und geografisch dezentrale Sozialberatung anbieten können, konzentrieren wir uns vor allem auf die Unterstützung und Beratung der dezentral tätigen Institutionen im Sozialbereich. Wir stützen uns hier auch auf die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden, wie sie im Leitbild Gesundheit des Kantons St. Gallen (siehe Anhang) umschrieben ist. Unser Konzept sieht dabei vor allem folgende Angebote vor:
Fachlicher Support der dezentral tätigen sozialen Organisationen auf Abruf
Aus- und Weiterbildung sowie periodische Information der Fachpersonen über die aktuelle Entwicklung im Bereich „Sexuelle Gesundheit und sexuell übertragbare Krankheiten“
Einbezug der von den Krankheiten direkt betroffenen Menschen in die Präventionsarbeit
Finanzielle Unterstützung durch die verbandseigenen Fonds auf nationaler und regionaler Ebene
Unterstützung von Selbsthilfebestrebungen
Persönliche und unbürokratische Beratung in jenen akuten Notsituationen, in denen Menschen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit innert vernünftiger Frist kein dezentrales Angebot finden, jedoch rasch gehandelt werden muss. Nach der befristeten Notberatung suchen wir rasch den Kontakt zu den regionalen und kommunalen Beratungsstellen, damit die Begleitung übergeben werden kann.
Position:
Wir betrachten uns in diesem Aufgabengebiet als niederschwellige, allgemeine Anlauf- und Kontaktstelle für alle Personen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit, damit diese Menschen möglichst rasch ein optimales psychosoziales Beratungsangebot nutzen können. Gleichzeitig setzen wir uns zum Ziel, das Wissen über die Bedingungen sexueller Gesundheit und die Kenntnisse über sexuell übertragbare Krankheiten in den sozialen Institutionen aktuell und qualitativ hoch zu halten.
Dokumentation und Informationsmaterial
Aufgabe:
Wir unterhalten und betreuen eine Dokumentationsstelle, die vor allem regionale Informationen und Daten sammelt. In dieses Aufgabengebiet gehört der Unterhalt einer kleinen Fachbibliothek mit Fachliteratur und Fachstudien, einer immer wieder aktualisierten Videothek sowie die Lagerbewirtschaftung und der Vertrieb von Präventionsunterlagen und Unterrichtsmaterialien in kleinen Mengen. Grosse Bestellungen von Material verweisen wir an die AIDS Info Docu in Bern oder an andere nationale Herausgeber von Informationsmaterial. Eine immer wieder aktualisierte Verwaltung und fachliche Übersicht der verschiedenen Informationsmaterialien und Broschüren ist in unserer Facharbeit sehr wichtig.
Position:
Wir sehen uns hier als führende Fach- und Auskunftsstelle für die aktuell erhältlichen Unterrichts- und Informationsmaterialien im Bereich sexueller Gesundheit und sexuell übertragbarer Krankheiten.
In unserer internen Videothek verfügen wir über rund 500 ausgewählte Videos zum Thema Liebe, Erotik, Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten. Diese können wir an Lehrkräfte gratis ausleihen. Wir berechnen Ihnen lediglich eine Kostenpauschale für Porto und Versand.