Das HIV-Stigma ist in der Schweiz nach wie vor gross

28. Mai 2018

Das HIV-Stigma in der Schweiz ist nach wie vor gross. Dies zeigen internationale Studien sowie die Diskriminierungsmeldungen der Aids-Hilfe Schweiz: Demnach sind HIV-Positive in der Schweiz weiterhin von Ausgrenzung, Anders- und Ungleichbehandlung betroffen. Zum einen, weil die Bilder aus den Anfängen der Epidemie die Vorstellung von HIV und Aids bestimmen. Zum anderen, weil wichtiges Wissen zur medizinischen Aktualität fehlt.

Text-Kurator: Predrag Jurisic
Quelle: Aline Schulthess, Fachmitarbeiterin Aids-Hilfe Bern AHB
Bild: Steve Rhodes/flickr, CC BY-NC-ND 2.0 in Medicus Mundi Schweiz

 

 

Wer HIV-positiv ist und unter einer erfolgreichen HIV-Therapie steht, ist nicht mehr ansteckend. Selbst beim ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht. Auch können Schwangere, die HIV-positiv sind, ihr Kind nicht mit dem HI-Virus anstecken, sofern ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt (#undetectable). Allerdings ist dieses Wissen längst nicht in allen Fachkreisen angekommen, geschweige denn in der Allgemeinbevölkerung.

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Weitreichende Folgen wegen HIV-Stigma

Obwohl HIV und Aids heute behandelbar sind und zu einer chronischen Krankheit zählen, ist das HIV-Stigma weltweit präsent, was negative Folgen nach sich zieht: Wie Aline Schulthess in ihrem Beitrag verdeutlicht, sind diese negativen Folgen weitreichend:

  • unregelmässiges oder zu spätes Testen aus Angst vor Diskriminierung
  • Offenlegen des HIV-Status
  • reduzierter Therapieerfolg wegen mangelnder Therapietreue
  • Verschlechterung der psychischen und körperlichen Gesundheit
  • mangelndes Selbstwertgefühl (Selbststigma durch Scham- und Schuldgefühle)
  • soziale Zurückweisung

Daneben sind vulnerable Gruppen oft von Mehrfach-Diskriminierungen betroffen. Sei dies wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer Geschlechtsidentität bzw. ihres Geschlechts oder wegen ihrer Herkunft.

 

Verstärkte Aufklärungsarbeit zu HIV und Aids nötig

Aline Schulthess fordert in ihrem Fazit dringende Massnahmen: neben psychosozialer und juristischer Unterstützung besonders auch eine verstärkte Aufklärungsarbeit. Es brauche einen offenen gesellschaftlichen Diskurs über HIV, Sexualität und die damit verbundenen Werte und Normen.

Vorurteile lassen sich erst abbauen, wenn in allen Fachkreisen und auch in der Allgemeinbevölkerung das aktuelle medizinische Wissen über HIV und Aids verankert ist: Nämlich, dass HIV/Aids behandelbar und nicht mehr tödlich sind. Und dass HIV-positive Menschen eine normale Lebenserwartung haben und unter wirksamer Therapie nicht ansteckend sind.

Welche Formen der HIV-bedingten Stigmatisierung und Diskriminierung es gibt und zu welchen Resultaten Aline Schulthess in ihrer qualitativen Befragung kommt, erfahren Sie in ihrem Beitrag auf Medicus Mundi.