Jahresbericht

Beratungsstelle für die LGBTIQA+-Community

Lesbisch, schwul, bi, trans*, inter*, queer, asexuell …? Bei uns findest du Beratung und Informationen zu LGBTIQA+-Themen.

Wir hören dir zu und informieren dich. Wir beraten dich persönlich, vertraulich und respektvoll. Themen sind sexuelle Gesundheit und Leben in der Community.

Uns ist eine Haltung wichtig, die Vielfalt zeigt. Deshalb setzen wir uns ein für mehr Akzeptanz: am Arbeitsplatz, in Schulen, in Familien, in Kirchen. Wir wollen mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung in Gesellschaft und Politik. Und wir wollen deine Lebensqualität stärken – mit guter, ganzheitlicher Gesundheit.

Sexuelle Gesundheit

Beratung und Informationen für die LGBTIQA+-Community


LGBTIQA+: Beratung zum Coming-out

Du fragst dich, ob du lesbisch, bisexuell, schwul, asexuell, pansexuell oder queer bist? Hast du Fragen zu deiner Geschlechtsidentität? Oder möchtest du dich outen und weisst noch nicht, wie?

Auf unserer Fachstelle sind Menschen aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten willkommen. Dazu gehören auch queere, trans, gendervariante und gendernonkonforme Menschen sowie alle, die sich nicht oder nur teilweise mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Unser Team ist mit queer- und transfreundlichen Fachpersonen und Endokrinolog*innen vernetzt. Bei Bedarf vermitteln wir geeignete Fachstellen und Fachpersonen.

Darüber hinaus arbeiten wir mit anderen Fachstellen aus der Region zusammen – zum Beispiel in diesen Bereichen:

Wir beraten auch Angehörige, Freund*innen und andere Bezugspersonen, die einen Menschen beim Coming-out begleiten und unterstützen möchten.

Du erreichst uns wie folgt:

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir dir individuelle Alternativen an – nimm einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08. Gemeinsam finden wir eine für dich passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermittle in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu deiner Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur dein Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls du eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschst, darfst du uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.

Bei Diskriminierung sowie homo- und transfeindlicher Gewalt
In Fällen von Diskriminierungen sowie homo- und transfeindlicher Gewalt – unabhängig vom Kontext – wende dich an die LGBTIQ-Helpline: 0800 133 133hello@lgbtiq-helpline.ch.


Queeres Leben: Beratungsstellen, Events, Organisationen, Literatur und Filme

Hier findest du weitere Informationen zu «Safer Sex», «HIV-/STI-Testing» sowie «Sex und Drogen». Ausserdem haben wir Veranstaltungen, Organisationen und Möglichkeiten zur Vernetzung innerhalb der Community für dich zusammengestellt.

Allgemeine Informationen zu Safer Sex, HIV-/STI-Testing und Safer Drug Use

 

Sexuelle Gesundheit für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

 

Sexuelle Gesundheit für Lesben, Bisexuelle und Queers mit Vulva

 

Beratungsstellen und Informationen zu geschlechtlicher Vielfalt

  • Dawson, J. (2015). How tob e gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe. Frankfurt: Fischer.
  • Diverse Autor*innen (2020). QUEER SEX – whatever the fuck you want!
  • Downs, A. (2012). The Velvet Rage: Overcoming the Pain of Growing Up Gay in a Straight Man’s World (Englisch). USA, Little, Brown and Company.
  • Mildenberger, F. (2014). Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Pommerenke, S. (2008). Küsse in Pink. Das lesbische Coming-Out-Buch. Berlin: Krug & Schadenberg.
  • Rauchfleisch, U. (2012). Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos.
  • Thorens-Gaud, E. (2012). Lesbische und schwule Jugendliche. Ratschläge für Lehrpersonen. Hilfe für Eltern. Zug, Klett & Balmer.
  • Voss, H.J. (2013). Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster: Unrast.
  • Aimée & Jaguar (D, 2008)
  • Blau ist eine warme Farbe (La vie d’adèle) (F, 2013)
  • Call me by your name (USA, 2017)
  • Carol (USA, 2015)
  • Der Kreis (CH, 2014)
  • Die verborgene Welt (SA, 2008)
  • Freeheld (USA, 2015)
  • Jongens (NL, 2015)
  • Love, Simon (USA, 2018)
  • Milk (USA, 2008)
  • Mario (CH, 2018)
  • Prayers for Bobby (USA, 2008)
  • Pride (GB, 2014)
  • Women love Women (USA, 2000)

LGBTIQA+: Definition, Geschichte und Hilfe bei Diskriminierung

Die Vielfalt an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten ist grösser als generell angenommen. Diese Vielfalt wird mit Kürzeln wie «LGBT», «LGBTI» oder «LGBTIQA+» beschrieben.

LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Es geht also einerseits um die sexuelle Orientierung (LGB), anderseits um die Geschlechtsidentität (T).

Heute wird der Term häufig durch IQA+ erweitert, was für «inter», «queer» und «asexual» steht. Durch das Plus sind alle geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen inkludiert.

Bei Transgender und auch Intergeschlechtlichkeit handelt es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht um eine sexuelle Orientierung.

Trans und intergeschlechtliche Menschen können sowohl eine heterosexuelle als auch eine bi- oder homosexuelle Orientierung haben.

In jüngerer Zeit wird auch das aus dem englischen Sprachraum stammende «queer» (dt. «seltsam» oder «sonderbar») als positives Synonym für LGBTIQA+ verwendet.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Begriff «Drittes Geschlecht» als Sammelbegriff für Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er Jahre unterschied die Wissenschaft immer mehr zwischen Homosexualität und Transidentität. Der Begriff «Drittes Geschlecht» verschwand somit wieder.

Besonders seit Stonewall* verwenden progressivere Kreise die ursprünglich negativ gemeinten Begriffe gay oder schwul mit verstärktem Selbstbewusstsein.

*Stonewall, auch Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen genannt, waren gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und schwulen, lesbischen sowie trans Menschen in New York im Jahr 1969.

«Die Strategie ‹Gesundheit2020› des Bundesrates hält fest, dass grundsätzlich alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben und auf eine optimale Lebenserwartung haben sollen (EDI, 2013). Welche Menschen sind gemeint? Menschen sind im Verlauf ihrer Kindheit und Jugend durch Stigmatisierung ihrer Geschlechtsidentität beziehungsweise sexuellen Orientierung von gewissen Suchterkrankungen, Depressionen und Suizidversuchen deutlich mehr betroffen als gleichaltrige heterosexuelle cis Menschen.» (Gesundheitsförderung Schweiz, Faktenblatt 19).

Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen setzt sich deshalb dafür ein, geschlechtliche und sexuelle Minderheiten und die damit verbundene Vielfalt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Durch diese Sensibilisierung der Gesellschaft sollen Menschen aus der LGBTIQA+-Community mehr Akzeptanz erfahren.

Der Ausdruck «Diskriminierung» beziehungsweise «Diskriminieren» stammt vom lateinischen Verb «discriminare» ab und steht für «trennen», «Unterscheidungen treffen», «aussondern».

Soziale Diskriminierung umfasst die Benachteiligung von Menschen aufgrund gruppenspezifischer Merkmale wie:

  • ethnische und/oder nationale Herkunft
  • Hautfarbe und/oder Sprache
  • politische und/oder religiöse Überzeugungen
  • sexuelle Orientierung und/oder Geschlecht
  • Alter
  • Behinderung

Die Basis jeder sozialen Diskriminierung bildet das Konstruieren von Unterschieden: Eine gesellschaftliche Mehrheit definiert, wie ein Mensch zu sein hat und legt damit die gesellschaftliche Norm fest – zum Beispiel «weiss, männlich, heterosexuell, christlich etc.». Gruppen, die nicht den dominanten Normen entsprechen, werden somit diskriminiert.

Es wird unterschieden zwischen rechtlicher Diskriminierung (de jure) und tatsächlicher, alltäglicher Diskriminierung (de fakto). Die rechtliche Diskriminierung beschreibt die Ungleichbehandlung durch den Staat aufgrund von geltenden Gesetzen.

Abseits der Ungleichstellung vor dem Gesetz führen gesellschaftliche Zustände zur Stigmatisierung und Diskriminierung von LGBTIQA+-Menschen. Insbesondere diese im Alltag erlebte Diskriminierung kann emotional belastend sein. LGBTIQA+-Menschen sind dieser Situation nicht durch bestimmte Handlungen ausgesetzt, sondern bereits durch das blosse Bestehen ihrer Persönlichkeit.

Erlebte Diskriminierung in Form von Ablehnung, Anfeindung, Mobbing, Bedrohung und Gewalt sind Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von LGBTIQA+-Menschen.

Diskriminierungen von LGBITQA+-Personen können unterschiedliche Folgen für die gesamte Gesundheit nach sich ziehen:

  • Verunsicherung und Ängste
  • Scham- und Minderwertigkeitsgefühle
  • Depressionen und Schlafstörungen
  • Erhöhung der Sucht- und Suizidgefahr

Massive körperliche Übergriffe wie eine Vergewaltigung oder eine schwerwiegende Prügelattacke können neben schweren körperlichen Verletzungen auch Traumata und Todesängste auslösen. Oftmals führt dies zu langjährigen Trauma-Behandlungen. Auch andauernde psychische Ausgrenzung und Gewalt über einen längeren Zeitraum können Angstzustände und Depressionen auslösen.

Bei einem körperlichen Übergriff ist es wichtig, Hilfe zu holen und Hilfe anzunehmen:

Weitere Anlaufstellen bei körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt findest du auf unserer Notfall-Seite.

Beratungsstelle für MSM, FSF & LGBTIQA+

Lesbisch, schwul, bi, trans*, inter*, queer, asexuell …? Bei uns findest du Beratung und Informationen zu LGBTIQA+-Themen.

Wir hören dir zu und informieren dich. Wir beraten dich persönlich, vertraulich und respektvoll. Themen sind sexuelle Gesundheit und Leben in der Community.

Uns ist eine Haltung wichtig, die Vielfalt zeigt. Deshalb setzen wir uns ein für mehr Akzeptanz: am Arbeitsplatz, in Schulen, in Familien, in Kirchen. Wir wollen mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung in Gesellschaft und Politik. Und wir wollen deine Lebensqualität stärken – mit guter, ganzheitlicher Gesundheit.

Infos und Beratung für Männer, die mit Männern Sex haben (MSM)

Infos und Beratung für Frauen, die mit Frauen Sex haben (FSF)

Infos und Beratung für die LGBTIQA+-Community


Beratung zum Coming-out und zur Männergesundheit

Menschen sind verschieden. Ihre Fragen auch – ob zu sexueller Gesundheit, persönlicher sexueller Orientierung oder zum Coming-out.

Was auch immer dich bewegt, wir beraten dich – unter anderem zu diesen Fragen:

  • HIV, Aids und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI): Worauf muss ich achten und wo kann ich mich testen lassen?
  • Wie stehe ich zu meiner sexuellen Orientierung und Identität? Was hilft mir, sie anzunehmen?
  • Erlebe ich Diskriminierungen? Was kann ich tun?
  • Würde mir in bestimmten Lebensphasen eine therapeutische oder rechtliche Unterstützung helfen? Wo bekomme ich sie?
  • Was brauche ich, um mich am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Familie outen zu können?
  • Wie gehe ich damit um, wenn mir ein Coming-out unmöglich erscheint?
  • Wo kann ich mich mit anderen LGBTIQA+-Menschen austauschen?

Unsere Erstberatungen sind kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.

Wenn es sinnvoll ist, beraten und informieren wir auch Angehörige. Wir unterstützen sie dabei, ein Umfeld zu schaffen, in dem sexuelle Vielfalt akzeptiert ist.

Darüber hinaus arbeiten wir mit anderen Fachstellen aus der Region zusammen – zum Beispiel in diesen Bereichen:

Frag uns – wir vermitteln dir gerne die passenden Kontakte.

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir dir individuelle Alternativen an – nimm einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08.
Gemeinsam finden wir eine für dich passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermittle in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu deiner Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur dein Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls du eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschst, darfst du uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.


In Fällen von homo- und transfeindlicher Gewalt – unabhängig vom Kontext – wende dich an die LGBTIQ-Helpline:
0800 133 133hello@lgbtiq-helpline.ch.

Weitere Informationen, Literatur und Links zur Homosexualität findest du in den nachfolgenden Abschnitten.

  • Dawson, J. (2015). How tob e gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe. Frankfurt: Fischer.
  • Diverse Autor*innen (2020). QUEER SEX – whatever the fuck you want!
  • Downs, A. (2012). The Velvet Rage: Overcoming the Pain of Growing Up Gay in a Straight Man’s World (Englisch). USA, Little, Brown and Company.
  • Mildenberger, F. (2014). Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Pommerenke, S. (2008). Küsse in Pink. Das lesbische Coming-Out-Buch. Berlin: Krug & Schadenberg.
  • Rauchfleisch, U. (2012). Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos.
  • Thorens-Gaud, E. (2012). Lesbische und schwule Jugendliche. Ratschläge für Lehrpersonen. Hilfe für Eltern. Zug, Klett & Balmer.
  • Voss, H.J. (2013). Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster: Unrast.
  • Aimée & Jaguar (D, 2008)
  • Blau ist eine warme Farbe (La vie d’adèle) (F, 2013)
  • Call me by your name (USA, 2017)
  • Carol (USA, 2015)
  • Der Kreis (CH, 2014)
  • Die verborgene Welt (SA, 2008)
  • Freeheld (USA, 2015)
  • Jongens (NL, 2015)
  • Love, Simon (USA, 2018)
  • Milk (USA, 2008)
  • Mario (CH, 2018)
  • Prayers for Bobby (USA, 2008)
  • Pride (GB, 2014)
  • Women love Women (USA, 2000)

Verbände und Vernetzungsmöglichkeiten

Auf diesen Beratungs- und Informationsseiten findest du weitere Informationen zu den Themen «Safer Sex», «HIV-/STI-Testing» sowie «Sex und Drogen». Auch Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb der Community haben wir dir hier aufgelistet.

 

Informationen zu Safer Sex und HIV-/STI-Testing

 

Informationen zu Safer Sex und Safer Drug Use

 

Verbände 

 

Beratung und Organisationen für Jugendliche

 

Veranstaltungen und Vernetzungsmöglichkeiten in der Ostschweiz

 


Beratung zum Coming-out und zur Frauengesundheit

In der Öffentlichkeit fehlt es oft an Informationen und Anlaufstellen zur sexuellen Gesundheit von Frauen, die Sex mit anderen Frauen haben (FSF). Unsere Fachstelle bietet dir hierzu Informationen, Beratungen und Vernetzungsmöglichkeiten an. Unsere Erstberatungen erfolgen kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.

Unter anderem beraten und informieren wir dich zu diesen Themen:

  • Sexuelle Orientierung und Identität: Wie stehe ich dazu? Was hilft mir, um sie anzunehmen?
  • Diskriminierungen und Gewalt: Wie kann ich mich davor schützen? Wo bekomme ich Hilfe?
  • Sexuelle Gesundheit: Weiss ich über Safer Sex zwischen Frauen genug Bescheid? Wie geht es mir mental?
  • Therapeutische oder rechtliche Unterstützung: Wo bekomme ich diese?
  • Coming-out: Wie kann ich mich am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Familie outen? Wie gehe ich damit um, wenn mir ein Coming-out unmöglich erscheint?
  • Community: Wo kann ich mich mit anderen LGBTIQA+-Menschen austauschen?

Wenn es sinnvoll ist, beraten und informieren wir auch Angehörige. Wir unterstützen sie dabei, ein Umfeld zu schaffen, in dem sexuelle Vielfalt akzeptiert ist.

Überdies arbeiten wir mit anderen Fachstellen aus der Region zusammen – zum Beispiel in diesen Bereichen:

Frag uns – wir vermitteln dir gerne die passenden Kontakte.

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir dir individuelle Alternativen an – nimm einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08.
Gemeinsam finden wir eine für dich passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermittle in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu deiner Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur dein Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls du eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschst, darfst du uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.

In Fällen von homo- und transfeindlicher Gewalt – unabhängig vom Kontext – wende dich an die LGBTIQ-Helpline:
0800 133 133hello@lgbtiq-helpline.ch.

Weitere Informationen, Literatur und Links zur Homosexualität findest du in den nachfolgenden Abschnitten.

  • Dawson, J. (2015). How tob e gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe. Frankfurt: Fischer.
  • Diverse Autor*innen (2020). QUEER SEX – whatever the fuck you want!
  • Downs, A. (2012). The Velvet Rage: Overcoming the Pain of Growing Up Gay in a Straight Man’s World (Englisch). USA, Little, Brown and Company.
  • Mildenberger, F. (2014). Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Pommerenke, S. (2008). Küsse in Pink. Das lesbische Coming-Out-Buch. Berlin: Krug & Schadenberg.
  • Rauchfleisch, U. (2012). Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos.
  • Thorens-Gaud, E. (2012). Lesbische und schwule Jugendliche. Ratschläge für Lehrpersonen. Hilfe für Eltern. Zug, Klett & Balmer.
  • Voss, H.J. (2013). Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster: Unrast.
  • Aimée & Jaguar (D, 2008)
  • Blau ist eine warme Farbe (La vie d’adèle) (F, 2013)
  • Call me by your name (USA, 2017)
  • Carol (USA, 2015)
  • Der Kreis (CH, 2014)
  • Die verborgene Welt (SA, 2008)
  • Freeheld (USA, 2015)
  • Jongens (NL, 2015)
  • Love, Simon (USA, 2018)
  • Milk (USA, 2008)
  • Mario (CH, 2018)
  • Prayers for Bobby (USA, 2008)
  • Pride (GB, 2014)
  • Women love Women (USA, 2000)

Verbände und Vernetzungsmöglichkeiten

Hier findest du weiterführende Seiten zur sexuellen Gesundheit sowie zu Vernetzungsmöglichkeiten von Frauen, die Frauen lieben.

 

Informationen zur sexuellen Gesundheit von Frauen, die mit Frauen Sex haben (FSF)

 

Informationen zu Safer Drug Use

 

Verbände und Vernetzungsmöglichkeiten

 

Beratung und Organisationen für Jugendliche

 

Veranstaltungen und Vernetzungsmöglichkeiten in der Ostschweiz


LGBTIQA+: Beratung zur sexuellen Orientierung, zur Geschlechtsidentität und zum Coming-out

Du fragst dich, ob du lesbisch, bisexuell, schwul, asexuell, pansexuell oder queer bist? Oder hast du Fragen zur Transidentität? Oder möchtest du dich gerne outen, weisst aber noch nicht ganz, wie?

Auf der Fachstelle sind Menschen aller sexueller Orientierungen sowie Geschlechtervarianten herzlich willkommen – egal, ob gendervariante, gendernonkonforme, queere oder trans Menschen. Wir meinen alle Menschen, die sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht ganz oder nur teilweise identifizieren können.

Unser Team ist vernetzt mit kompetenten, queer- und transfreundlichen psychologisch-therapeutischen Begleitungen und Endokrinolog*innen. Die Fachstelle triagiert und leitet Personen an die gewünschten Fachstellen und/oder Fachpersonen weiter.

Auch beraten wir Menschen, die in ihrem Umfeld betroffene Personen kennen und im Coming-out-Prozess unterstützen möchten.

Du erreichst uns wie folgt:

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir dir individuelle Alternativen an – nimm einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08.
Gemeinsam finden wir eine für dich passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermittle in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu deiner Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur dein Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls du eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschst, darfst du uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.

In Fällen von homo- und transfeindlicher Gewalt wende dich an die LGBTIQ-Helpline:
0800 133 133 | hello@lgbtiq-helpline.ch.

Weitere Informationen und Beratung unter Checkpoint und Transgender Network Switzerland sowie in der Broschüre Trans.


LGBTIQA+: Definition

Die Vielfalt an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten ist grösser als generell angenommen. Diese Vielfalt wird mit Kürzeln wie «LGBT», «LGBTI» oder «LGBTIQA+» beschrieben.

Was ist LGBT?

LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Es geht also einerseits um die sexuelle Orientierung (LGB), anderseits um die Geschlechtsidentität (T). Heute wird der Term häufig durch IQA+ erweitert, was für «inter», «queer» und «asexual» steht. Durch das Plus sind alle geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen inkludiert.

Sexuelle Orientierung vs. Geschlechtsidentität

Bei Transgender und auch Intersexualität handelt es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht um eine sexuelle Orientierung. Trans Menschen können sowohl eine heterosexuelle als auch eine bi- oder homosexuelle Orientierung haben. In jüngerer Zeit wird auch das aus dem englischen Sprachraum stammende «queer» (dt. «seltsam» oder «sonderbar») als positives Synonym für LGBTIQA+ verwendet.

Ein Blick in die LGBT-Geschichte

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Begriff «Drittes Geschlecht» als Sammelbegriff für Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er Jahre unterschied die Wissenschaft immer mehr zwischen Homosexualität und Transidentität. Der Begriff «Drittes Geschlecht» verschwand somit wieder. Besonders seit Stonewall* verwenden progressivere Kreise die ursprünglich negativ gemeinten Begriffe gay oder schwul mit verstärktem Selbstbewusstsein.

*Stonewall, auch Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen genannt, war eine Serie von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizeikräften, Homosexuellen und trans Menschen in New York im Jahr 1969.

Geschlechtliche und sexuelle Minderheiten in der Gesundheitsförderung und Prävention

«Die Strategie ‚Gesundheit2020‘ des Bundesrates hält fest, dass grundsätzlich alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben und auf eine optimale Lebenserwartung haben sollen (EDI, 2013). Welche Menschen sind gemeint? Menschen sind im Verlauf ihrer Kindheit und Jugend durch Stigmatisierung ihrer Geschlechtsidentität bzw. sexuellen Orientierung von gewissen Suchterkrankungen, Depressionen und Suizidversuchen deutlich mehr betroffen als gleichaltrige heterosexuelle Cis-Menschen.» (Gesundheitsförderung Schweiz, Faktenblatt 19). Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen setzt sich deshalb dafür ein, geschlechtliche und sexuelle Minderheiten und die damit verbundene Vielfalt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Durch diese Sensibilisierung der Gesellschaft sollen Menschen aus der LGBTIQA+ Community mehr Akzeptanz erfahren.

Wurdest oder wirst du wegen deiner sexuellen Orientierung oder sexuellen Geschlechtsidentität diskriminiert? Unsere Partnerorganisationen verfügen über eine rechtliche Beratungsstelle, die du kontaktieren kannst:

Bei Diskriminierung zu Intergeschlechtlichkeit empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit InterAction, dem Schweizer Verein für intergeschlechtliche Menschen.


Was ist Diskriminierung?

Der Ausdruck «Diskriminierung» beziehungsweise «Diskriminieren» stammt vom lateinischen Verb «discriminare» ab und steht für «trennen», «Unterscheidungen treffen», «aussondern». Soziale Diskriminierung umfasst die Benachteiligung von Menschen aufgrund gruppenspezifischer Merkmale wie:

  • ethnische und/oder nationale Herkunft
  • Hautfarbe und/oder Sprache
  • politische und/oder religiöse Überzeugungen
  • sexuelle Orientierung und/oder Geschlecht
  • Alter
  • Behinderung

Die Basis jeder sozialen Diskriminierung bildet das Konstruieren von Unterschieden: Eine gesellschaftliche Mehrheit definiert, wie ein Mensch zu sein hat und legt damit die gesellschaftliche Norm fest – zum Beispiel «weiss, männlich, heterosexuell, christlich etc.». Gruppen, die nicht den dominanten Normen entsprechen, werden somit diskriminiert.  

Rechtliche und alltägliche Diskriminierung

Es wird unterschieden zwischen rechtlicher Diskriminierung (de jure) und tatsächlicher, alltäglicher Diskriminierung (de fakto). Die rechtliche Diskriminierung beschreibt die Ungleichbehandlung durch den Staat aufgrund von geltenden Gesetzen.

Abseits der Ungleichstellung vor dem Gesetz führen gesellschaftliche Zustände zur Stigmatisierung und Diskriminierung von LGBTIQA+-Menschen. Insbesondere diese im Alltag erlebte Diskriminierung kann emotional belastend sein. LGBTIQA+-Menschen sind dieser Situation nicht durch bestimmte Handlungen ausgesetzt, sondern bereits durch das blosse Bestehen ihrer Persönlichkeit. Erlebte Diskriminierung in Form von Ablehnung, Anfeindung, Mobbing, Bedrohung und Gewalt sind Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von LGBTIQA+-Menschen.

Was kann eine Diskriminierung auslösen?

Diskriminierungen von LGBITQA+ Personen können unterschiedliche Folgen für die gesamte Gesundheit nach sich ziehen:

  • Verunsicherung und Ängste
  • Scham- und Minderwertigkeitsgefühle
  • Depressionen und Schlafstörungen
  • Erhöhung der Sucht- und Suizidgefahr

Massive körperliche Übergriffe wie eine Vergewaltigung oder eine schwerwiegende Prügelattacke können neben schweren körperlichen Verletzungen auch Traumata und Todesängste auslösen. Oftmals führt dies zu langjährigen Trauma-Behandlungen. Auch andauernde psychische Ausgrenzung und Gewalt über einen längeren Zeitraum können Angstzustände und Depressionen auslösen.

Was kann ich bei Diskriminierung tun?

Bei einem körperlichen Übergriff ist es wichtig, Hilfe zu holen und Hilfe anzunehmen:


Interessenvertretungen und Vernetzungsmöglichkeiten für die LGBTIQA+-Community

Weitere Informationen, Beratungs- sowie Vernetzungsmöglichkeiten in der LGBTIQA+-Community findest du hier:

  • Dawson, J. (2015). How tob e gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe. Frankfurt: Fischer.
  • Diverse Autor*innen (2020). QUEER SEX – whatever the fuck you want!
  • Downs, A. (2012). The Velvet Rage: Overcoming the Pain of Growing Up Gay in a Straight Man’s World (Englisch). USA, Little, Brown and Company.
  • Mildenberger, F. (2014). Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Pommerenke, S. (2008). Küsse in Pink. Das lesbische Coming-Out-Buch. Berlin: Krug & Schadenberg.
  • Rauchfleisch, U. (2012). Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos.
  • Thorens-Gaud, E. (2012). Lesbische und schwule Jugendliche. Ratschläge für Lehrpersonen. Hilfe für Eltern. Zug, Klett & Balmer.
  • Voss, H.J. (2013). Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster: Unrast.
  • Aimée & Jaguar (D, 2008)
  • Blau ist eine warme Farbe (La vie d’adèle) (F, 2013)
  • Call me by your name (USA, 2017)
  • Carol (USA, 2015)
  • Der Kreis (CH, 2014)
  • Die verborgene Welt (SA, 2008)
  • Freeheld (USA, 2015)
  • Jongens (NL, 2015)
  • Love, Simon (USA, 2018)
  • Milk (USA, 2008)
  • Mario (CH, 2018)
  • Prayers for Bobby (USA, 2008)
  • Pride (GB, 2014)
  • Women love Women (USA, 2000)

Homosexualität in der Gesellschaft: Scheintoleranz und Ausgrenzung

Coming-out-Beratung: offenes Ohr für Männer, die Männer lieben.

29. Mai 2017

Jürg Bläuer ist MSM-Verantwortlicher der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen und hat ein offenes Ohr für Männer, die heimlich Männer lieben. Im Interview erzählt er über das Leid der Männer, den Schmerz der Frauen und eine immer noch konservative Gesellschaft.

Interview: Susanne Holz
Beitragsbild: pixabay.com

Homosexualität in der Gesellschaft: Scheintoleranz und Ausgrenzung

Homosexualität in der Gesellschaft: Nach wie vor leiden bi- und homosexuelle Männer unter Scheintoleranz und Ausgrenzung.

Jürg Bläuer ist als MSM-Verantwortlicher (MSM = Männer, die auf Männer stehen) angestellt von drei kantonalen Fachstellen im Bereich sexuelle Gesundheit – dies in St.Gallen (50 %), Luzern (10 %) und Schwyz (10 %). In St.Gallen leitet der frühere Theologe, Gymnasiallehrer und Kulturschaffende auch das Schulprojekt «Comout». Jürg Bläuer berät im Themenbereich Homo- und Bisexualität.

Jürg Bläuer, wie sieht Ihre Arbeit als MSM-Verantwortlicher aus?
Ich berate betroffene Männer, Jugendliche, aber auch Lehrpersonen, die ja immer wieder mit betroffenen Jugendlichen zu tun haben. Ich informiere Schulen genauso wie Sozialarbeitende oder Psychologen. Was ich noch gerne erklären möchte: MSM ist eigentlich ein epidemiologischer Begriff, der ganz wertneutral «Männer, die Sex mit Männern haben» meint. Er umfasst also geoutete Homosexuelle genauso wie Bisexuelle und solche, die sich nicht als schwul bezeichnen und trotzdem Sex mit Männern haben. Wird der Begriff hauptsächlich für nicht geoutete Männer verwendet, ist das im Prinzip falsch. Es ist bezeichnend, dass es kein Wort für Männer gibt, die nicht offen homosexuell sind – etwas Unsichtbares wird nicht benannt.

Was unterscheidet denn eigentlich einen bisexuellen Mann von jenem, der mit einer Frau zusammen ist, aber heimlich Sex mit Männern hat?
Nicht so viel, würde ich sagen. Beides ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Unter den sogenannten MSM gibt es sowohl Bisexuelle als auch Homosexuelle, die geheiratet haben, um der Konvention zu folgen. So oder so, die Betroffenen leiden, weil sie ein Tabu leben.

Wie viele Männer haben Sex mit anderen Männern?
Wir gehen von 5 bis 10 Prozent der männlichen sexuell aktiven Bevölkerung aus. Regelmässig aktive MSM gibt es in der Schweiz wohl 80’000.

Welche Probleme und Sorgen haben diese Männer?
Sie leiden generell unter der Stigmatisierung der Homosexualität in der Gesellschaft, unter Scheintoleranz und Ausgrenzung – immer noch, hier und weltweit. Verheiratete MSM leiden zusätzlich unter der belasteten Ehesituation, dem zusätzlichen Tabu … Homosexuelle sind zudem eine sehr heterogene Gruppe. Teilweise werden mit Frauen verheiratete MSM auch unter anderen Homosexuellen ausgegrenzt oder grenzen sich selber aus: Sie trauen sich nicht an Treffs. Diese Männer haben es schwer im Vergleich zu anderen Homosexuellen, weil sie nur ihre sexuellen Wünsche befriedigen, sonst aber isoliert sind. In meiner Beratung teilen die meisten MSM die gleichen Sorgen: Sie leben auf dem Land mit wenig Möglichkeit zur Offenheit.

Wie schwer fällt es den Männern, Beratung in Anspruch zu nehmen?
Speziell für verheiratete MSM gilt: Ist das Eis einmal gebrochen, schätzen sie den Kontakt zu mir als Fachperson, da sie sonst häufig nur auf Sexualität basierte Kontakte haben. Ich bin dann einer der Ersten, der sie akzeptiert, wie sie sind. Sie können Druck ablassen, ihre Situation schildern, sich angenommen fühlen. Die Beratung ist ein Baustein in einem Gefüge kleiner Schritte. Sie ist auch wichtig, weil sie dazu führen kann, sich auf Krankheiten testen zu lassen und medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, was bei geouteten Homosexuellen zum guten Ton gehört. Führen MSM ein geheimes Sexualleben, entfällt die Prävention oft. Hier sind auch die Hausärzte gefordert, ein offenes Ohr zu haben.

An wen können sich die betroffenen Partnerinnen wenden, für die ja auch eine Welt zusammenbricht?
Auch betroffene Partnerinnen können sich an die Fachstellen für sexuelle Gesundheit wenden. An die Paar- oder Eheberatung – hier verfüge ich über gute Kontakte zu Fachpersonen. Dann gibt es eine Organisation namens Hetera, die wohl gerade einen Dienstagsklub zum Thema «Frauen von schwulen Männern» plant. Einzelne Frauen wissen seit Beginn der Beziehung von der Homosexualität ihres Partners, andere schauen weg und leiden still. Manche arrangieren sich, andere haben keine Ahnung von der Neigung ihres Mannes. Für alle betroffenen Frauen ist es eine grosse Herausforderung.

Worin sehen Sie die Lösung für diese Männer, Frauen, Paare?
Es braucht eine Begleitung durch Ehe- und Familienberatungen, psychologische Unterstützung aller Beteiligten, Klärung der sexuellen Orientierung. Es braucht die Enttabuisierung des Themas. Nur wenn die Gesellschaft tolerant ist und die Menschen ehrlich zu sich selber sind, gehen junge homosexuelle Männer und Frauen keine Ehe mehr ein in der Annahme, «schon noch auf die richtige Bahn zu kommen», oder beugen sich nicht mehr dem religiösem Druck, um den Schein zu wahren. Junge Menschen müssen sich mit ihrer sexuellen Orientierung beschäftigen können. Sie haben nach wie vor Angst, sich zu outen. Unsere Gesellschaft ist immer noch konservativ – das wurde mir bei der Leitung des Schulprojekts «Comout» bewusst. Es ist noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Akzeptanz von Homosexualität.

Wie finden Betroffene zu Ihnen?
Oft übers Internet, teils erhalte ich telefonische Anfragen via Homepage.

Dieses Interview erschien in der Ostschweiz am Sonntag, 28. Mai 2017, und in der Zentralschweiz am Sonntag, 26. März 2017.

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