Jahresbericht

Titelbild zum Jahresbericht 2025 der AHSGA mit Bezug zum 40-Jahr-Jubiläum und dem langjährigen Engagement für Prävention und sexuelle Gesundheit.

Jahresbericht

16. April 2026

Der Jahresbericht 2025 der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen gibt Einblick in ein bewegtes Jahr mit Engagement für HIV- und STI-Prävention, sexuelle Gesundheit und Beratung. Im Zeichen von 40 Jahren Prävention und Aufklärung zeigt der Bericht zentrale Entwicklungen, Angebote und Meilensteine der Fachstelle.

 

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild: Aids-Hilfe Schweiz / RESIGN

Titelbild zum Jahresbericht 2025 der AHSGA mit Bezug zum 40-Jahr-Jubiläum und dem langjährigen Engagement für Prävention und sexuelle Gesundheit.

40 Jahre Engagement für Prävention, sexuelle Gesundheit und Unterstützung

 

Prävention, Aufklärung und eine offene Gesellschaft bleiben die zentralen Anliegen der Fachstelle – auch im Jubiläumsjahr 2025. Im Editorial blickt die Präsidentin der Aids-Hilfe St.Gallen-Appenzell (AHSGA) auf ein bewegtes Jahr zurück, das von personellen Veränderungen, neuen Aufgaben und wichtigen Erfolgen geprägt war.

Mit dem Wechsel in der Geschäftsleitung und der Neuausrichtung des Teams stand die Fachstelle vor anspruchsvollen organisatorischen Herausforderungen. Gleichzeitig konnte sie ihre Leistungen im Bereich sexuelle Gesundheit mit den Kantonen St.Gallen sowie Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden erneuern. Ein besonderer Erfolg ist zudem die neue Vereinbarung zur Schaffung niederschwelliger Treffangebote für LGBTIQA+-Jugendliche im Kanton St.Gallen.

Das 40-Jahr-Jubiläum der AHSGA und Fachstelle wurde am 15. November 2025 gefeiert und am Benefizanlass zum Welt-Aids-Tag mit einem musikalischen Höhepunkt verbunden: der Schweizer Erstaufführung von Elegies for Angels, Punks and Raging Queens. Der Anlass erinnerte an vier Jahrzehnte Engagement für Prävention, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit – und daran, dass Diskriminierung und Stigmatisierung weiterhin aktuell sind.

Die Botschaft des Editorials ist klar: Die Arbeit der Fachstelle bleibt wichtig, sichtbar und notwendig. Gerade weil Fachwissen im Bereich sexuelle Gesundheit rar ist und gesellschaftliche Akzeptanz nicht selbstverständlich bleibt, braucht es weiterhin starke Angebote und engagierte Fachpersonen.

Den ganzen Jahresbericht gibt es im PDF nachzulesen. Weitere Jahresberichte und Publikationen der Fachstelle finden Sie hier.

Frühlingskampagne Mai 2026

GRATIS HIV-SYPHILIS-TEST im Aktionsmonat Mai

2. April 2026

Im Kampagnenmonat Mai bieten wir kostenlose Tests auf HIV und Syphilis für Männer, die Sex mit Männern haben. Auch trans Personen, die Sex mit Männern haben, können vom Angebot profitieren. Liegt dein letzter Test schon länger zurück? Hast du dich noch nie testen lassen? Oder kennst du Personen, die sich testen lassen sollten? Sag es weiter und kommt zum Gratis-Test im Mai.

 

Text: Michael Harms
Beitragsbild: Aids-Hilfe Schweiz

Frühlingskampagne Mai 2026

 
Auch dieses Jahr setzen wir einen klaren Fokus auf Awareness und Testangebote für HIV und Syphilis. Lässt du dich regelmässig testen? Super! Aber wie sieht es mit deinem Flirt, Gspusi, deiner Bekanntschaft vom letzten Wochenende oder deinem besten Freund aus? Vielleicht hat sich diese Person noch nie testen lassen.
Im Kampagnenmonat Mai können sich Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), kostenlos auf HIV und Syphilis testen lassen. Auch trans Personen, die Sex mit Männern haben (TSM), können vom Angebot profitieren. Du hast zusätzlich die Möglichkeit, dich für CHF 75.- zusätzlich auf Chlamydien und Tripper testen zu lassen. Für MSM und TSM bis 25 Jahre übernehmen wir die Kosten. Sag’s weiter, denn sexuelle Gesundheit betrifft alle.
Das Test-Angebot führen wir in Kooperation mit der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz und der Aids-Hilfe Schweiz durch.

 

Hier kannst du dich testen lassen

Buche dir deinen Test-Termin direkt online bei der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz.
Du kannst auch die Sprechstunde ohne Voranmeldung nutzen: jeweils am Freitag, von 14:30 bis 16:00 Uhr

Zusätzliche Informationen zum HIV-/STI-Test findest du hier.
Die Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz befindet sich an der Rorschacherstrasse 95, St.Gallen. Haus 20, 2. Stock.

Weitere Teststellen in der Schweiz gibt’s in dieser Übersicht.

 

Preise

Das Angebot gilt für Männer, die Sex mit Männern haben, und trans Personen, die Sex mit Männern haben.

Test auf HIV-Syphilis: kostenlos

zusätzlicher Test auf Chlamydien und Tripper: CHF 75.-*.

*für MSM/TSM bis 25 Jahre übernehmen wir die Kosten.

 

Testing-Aktion in der Sauna

Am Freitag, 1. Mai 2026, gibt es das Testangebot vor Ort in der mann-o-mann Sauna. Von 18:00 bis 21:00 Uhr können Saunagäste von zusätzlichen 10 Franken Rabatt vom mann-o-mann auf den Aktionspreis für den Test auf Chlamydien und Tripper profitieren. Du kannst bar oder mit Karte bezahlen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Du kannst dich auch ohne Saunaeintritt testen lassen. Du bezahlst dann den regulären Aktionspreis von CHF 75.- (MSM/TSM bis 25 Jahre gratis). Melde dich dazu einfach beim Eingang.

 

Testingaktion mann-o-mann Mai 2026
 

Fragen?

Wenn du Fragen zur Testing-Aktion, zum Kampagnenmonat oder allgemein zu deiner sexuellen Gesundheit hast, kontaktiere  uns über einen dieser Kanäle: info@ahsga.ch | 071 223 68 08 | WhatsApp.

GRATIS HIV-SYPHILIS-TEST im Aktionsmonat Mai

31. März 2025

Im Kampagnenmonat Mai bieten wir kostenlose Tests auf HIV und Syphilis für Männer, die Sex mit Männern haben. Auch trans Personen, die Sex mit Männern haben, können vom Angebot profitieren. Liegt dein letzter Test über ein Jahr zurück? Oder hast du dich noch nie testen lassen? Nutze die Gelegenheit und komm zum Gratis-Test im Mai. 

 

Text: Adrian Knecht
Beitragsbild: Aids-Hilfe Schweiz

 
Um HIV zu bekämpfen, wurde im nationalen Programm des Bundesamts für Gesundheit ein starker Fokus gesetzt: es soll in der Schweiz keine neue HIV-Übertragung mehr geben im Jahr 2030. Deshalb setzen wir bei den Kampagnen 2025 einen klaren Fokus auf Awareness und Testangebote für HIV und Syphilis.
Im Kampagnenmonat Mai können sich Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), kostenlos auf HIV und Syphilis testen lassen. Auch trans Personen, die Sex mit Männern haben (TSM), können vom Angebot profitieren. Du hast zusätzlich die Möglichkeit, dich für CHF 75.- zusätzlich auf Chlamydien und Tripper testen zu lassen. Für jugendliche MSM und TSM (bis 25 Jahre) übernehmen wir die Kosten.
Das Test-Angebot führen wir in Kooperation mit der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz und der Aids-Hilfe Schweiz durch.

 

Hier kannst du dich testen lassen

Buche dir deinen Test-Termin direkt online bei der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz.

Die genaue Adresse sowie zusätzliche Informationen zum HIV-/STI-Test findest du hier.
Du kannst auch die Sprechstunde ohne Voranmeldung nutzen: Freitag, 14:30 bis 16:00 Uhr, Ambulatorium Infektiologie Rorschacherstrasse 95, St.Gallen. Haus 20 , 2. Stock.
Weitere Teststellen in der Schweiz gibt’s in dieser Übersicht.


Neue Preise

Das Angebot gilt für Männer, die Sex mit Männern haben und trans Personen, die Sex mit Männern haben.

Test auf HIV-Syphilis: kostenlos

zusätzlicher Test auf Chlamydien und Tripper: CHF 75.-*.

*für MSM/TSM bis 25 Jahre übernehmen wir die Kosten.

 

Testing-Aktion in der Sauna

Am Freitag, 2. Mai 2025, gibt es das Testangebot vor Ort in der mann-o-mann Sauna. Von 18:00 bis 21:00 Uhr können Saunagäste von zusätzlichen 10 Franken Rabatt vom mann-o-mann auf den Aktionspreis profitieren. Du kannst bar oder mit Karte zahlen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

 

 

Fragen?

Wenn du Fragen zur Testing-Aktion, zum Kampagnenmonat oder allgemein zu deiner sexuellen Gesundheit hast, kontaktiere  uns über einen dieser Kanäle: info@ahsga.ch | 071 223 68 08 | WhatsApp.

Melanie über Dating mit HIV.

Welt-Aids-Tag 2024: Ein Aufruf zur Solidarität und zum Wandel

1. Dezember 2024

Am 1. Dezember feiern wir bereits seit über 30 Jahren den Welt-Aids-Tag. Dieser Tag hebt die Rechte derjenigen hervor, die mit HIV leben, und fordert ein Miteinander, das frei von Vorurteilen und Diskriminierung ist. Zudem gedenken wir der Menschen, die an den Folgen von HIV und Aids verstorben sind.

Text: Aids-Hilfe Schweiz/Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA)
Beitragsbild: Kampagne zum Welt-Aids-Tag

 

Melanie über Dating mit HIV.

Im Video erzählt Melanie (31) über Dating mit HIV.

 

Heute ist es wieder so weit: Wir zelebrieren den Welt-Aids-Tag! Dieser Tag dient nicht nur als Rückblick auf die Herausforderungen der Vergangenheit, sondern inspiriert uns, aktiv an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

 

«Undetectable = Untransmittable» (U = U)

Die Botschaft hinter «Undetectable = Untransmittable» (U = U) ist klar: Menschen mit HIV, die eine erfolgreiche Therapie erhalten, können das Virus nicht an andere weitergeben. Das HI-Virus ist nicht mehr nachweisbar (= undetectable) und somit auch nicht mehr übertragbar (= untransmittable). Diese wichtige Erkenntnis trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und die Wahrnehmung von HIV zu verändern.

Das Leben mit HIV hat sich transformiert: Es bietet Raum für Chancen, Liebe und Lebensfreude. Lassen Sie uns alle dafür eintreten, dass diese Realität anerkannt wird!

Indem wir Geschichten und Erfahrungen von Menschen mit HIV teilen, veranschaulichen wir, wie vielfältig und positiv das Leben mit HIV gestaltet sein kann. Nutzen wir diesen Tag, um ein Zeichen gegen Vorurteile zu setzen und unsere Solidarität zu zeigen. Gemeinsam können wir eine Welt schaffen, in der jeder, der mit HIV lebt, ohne Angst und Diskriminierung existieren kann.

 

Kampagne zum Welt-Aids-Tag 2024

Zum Welt-Aids-Tag 2024 ruft die Aids-Hilfe Schweiz dazu auf, überholte Vorstellungen über HIV zu hinterfragen und Solidarität zu zeigen. Eine digitale Kampagne mit Kurzvideos von jungen Menschen mit HIV vermittelt persönliche Einblicke, um Wissen zu verbreiten und Ängste abzubauen.

Mehr zu den Videos unter diesem Link

 

HIV und Aids in Zahlen

 

In der Schweiz

In der Schweiz leben im Jahr 2022 etwa 17’500 Menschen mit HIV. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berichtete im gleichen Jahr von 371 neuen HIV-Diagnosen, was einem Anstieg von 14 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die meisten dieser Fälle betreffen Männer, die Sex mit Männern haben, während Ansteckungen bei trans und intergeschlechtlichen Individuen nicht ausreichend dokumentiert sind. Die Inzidenz und Ansteckungswege bleiben im Wesentlichen gleich – prävalent sind heterosexuelle Kontakte bei Frauen und ein geringer Einfluss durch injizierenden Drogenkonsum.

 

Weltweit

Weltweit leben im Jahr 2023 etwa 39,9 Millionen Menschen mit HIV. Zu den tragischen Statistiken gehören:

  • 1,3 Millionen Neuinfektionen, darunter etwa 44 % cisgeschlechtliche Frauen.
  • 630.000 Todesfälle aufgrund von Aids-bedingten Krankheiten – das entspricht einer Person pro Minute.
  • 30,7 Millionen Menschen haben Zugang zu antiretroviralen Therapien.

Seit Beginn der Epidemie haben sich insgesamt 88,4 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 42,3 Millionen Menschen sind an Aids-bedingten Krankheiten gestorben. Positiv zu vermerken ist, dass die Todesfälle seit ihrem Höchststand im Jahr 2004 um 69 % gesenkt wurden. Dennoch ist die Finanzierung des HIV-Kampfes zwischen 2020 und 2023 um 7,9 % gesunken.

Quellen:

Bundesamt für Gesundheit (BAG)

UNAIDS

WHO

 

Unterstützung bei Diskriminierung

Wenn Sie Zeuge von Diskriminierung werden oder selbst betroffen sind, melden Sie dies der Aids-Hilfe Schweiz. So können Sie dazu beitragen, ein Bewusstsein für die Belange von Menschen mit HIV zu schaffen. Hier geht’s zum Meldeformular.

 

Weitere Informationen zur diesjährigen Kampagne

 

Anonyme und regelmässige HIV-/STI-Tests in St.Gallen

 

Ein HIV-/STI-Test gibt Klarheit über den eigenen Gesundheitsstatus. Anonymes und regelmässiges Testen ist wichtig und soll unkompliziert zugänglich sein. Darum führt die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in Zusammenarbeit mit HOCH Health Ostschweiz Tests auf der Fachstelle durch. Alle Informationen und Termine dazu gibt es auf der Seite «Testen auf der Fachstelle».

Weitere Testmöglichkeiten bietet die infektiologische Sprechstunde für sexuell übertragbare Krankheiten (STI) von HOCH Health Ostschweiz: Hier geht’s zu den Terminen, Preisen und Anmeldemöglichkeiten.

 

 

 

Dating-Apps: Wir sind da, wo du Fragen hast

10. September 2024

Vom Beratungstelefon zur Dating-App: Wir sind da anzutreffen, wo Fragen zur sexuellen Gesundheit aufkommen. Da sich Dating vermehrt in den virtuellen Raum verschoben hat, sind wir seit einiger Zeit auch auf den wichtigsten Apps der Community anzutreffen. 

Text: Adrian Knecht
Beitragsbild: Fachstelle für Aids- und Sexualfragen

Um möglichst niederschwellige Beratungen anbieten zu können, betreiben wir Profile auf den wichtigsten Dating-Apps der MSM-Community. Sprich uns an, wenn du Fragen zu HIV, STI, PrEP, Testing, Risikosituationen, usw. hast. Auch für psychosoziale Themen wie Coming-out oder Diskriminierung sind wir für dich da.

 

Deine Nachricht wird von einer Fachperson der Fachstelle gelesen und beantwortet. Bitte beachte, dass wir zu unseren Telefonzeiten antworten. Du brauchst etwas Geduld. Für Notfälle findest du Hilfe auf unserer Kontaktseite.

 

Unsere Profile findest du auf diversen Dating-Apps. Du erkennst sie jeweils an unserem Icon oder am aktuellen Kampagnen- oder Aktions-Sujet.

 

Grindr: @Fachstelle_S3X 
Romeo: @Fachstelle_AHSGA
Tinder: @Fachstelle

 

Selbstverständlich stehen für Beratungen zur sexuellen Gesundheit auch unsere anderen Kanäle zur Verfügung: info@ahsga.ch | 071 223 68 08 | WhatsApp.

Alles zum Safer Sex: Mach den Safer-Sex-Check!

Sex? Aber sicher –
mit dem Safer-Sex-Check!

30. Juli 2024

Neues zum Safer Sex: Die neue LOVE-LIFE-Kampagne «Ready!» betont den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen – mit dem Safer-Sex-Check. Dieser bietet persönliche, risikobasierte Schutz- und Testempfehlungen.

Text: Predrag Jurisic/LOVE-LIFE-Kampagne
Beitragsbild: LOVE-LIFE-Kampagne

 

 

Bis 2030 sollen in der Schweiz keine neuen Übertragungen von HIV sowie den Hepatitis B- und C-Viren mehr stattfinden. Auch sollen die Ansteckungen mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) sinken. So das Ziel der neuen LOVE-LIFE-Kampagne «Ready!», die am 26. April 2024 gestartet ist. Die Kampagne konzentriert sich auf persönliche, risikobasierte Schutz- und Testempfehlungen für die Bevölkerung. Dafür wurde ein Safer-Sex-Check entwickelt, der individuelle Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Die Schweiz verzeichnet eine lange und erfolgreiche Präventionsarbeit im Bereich von HI- sowie Hepatitis B- und C-Viren. Neben der Prävention – wie im Rahmen der LOVE-LIFE-Kampagnen – gab es auch bei der Behandlung bedeutende Fortschritte. Dank vermehrter Tests lassen sich auch andere sexuell übertragbare Infektionen häufiger erkennen und behandeln.

 

 

«Ready! Mach deinen Safer-Sex-Check»

Der Begriff «Safer Sex» bezog sich ursprünglich auf Präventionsmassnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit HIV, wobei das Kondom eine zentrale Rolle spielte. Heute umfasst «Safer Sex» auch den Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Die neue Kampagne setzt daher auf persönliche, risikobasierte Schutz- und Testempfehlungen – mit dem Safer-Sex-Check: Dieser besteht aus einer anonymen Umfrage, die nach dem Beantworten aller Fragen individuelle Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Deshalb auch die neue Hauptbotschaft der Kampagne: «Mach deinen Safer-Sex-Check!» Erst dann ist man «ready!» (bereit) für Sex. Das Kondom bleibt ein wichtiges Präventionsmittel, steht jedoch nicht mehr im Zentrum der Kampagne.

Unter lovelife.ch finden sich neben dem Check weitere vertiefende Informationen zu Themen wie Schutz, Risiken, Symptome, Tests sowie Informationen über HIV und andere STI. Nutzer*innen finden dort auch ein Verzeichnis von Beratungs- und Teststellen.

 

Eingebettet in das nationale Präventionsprogramm

Die neue LOVE-LIFE-Kampagne ist eine der Massnahmen zur Umsetzung des Nationalen Programms «Stopp HIV, Hepatitis B, Hepatitis C-Virus und sexuell übertragbare Infektionen (NAPS)», das der Bundesrat im November 2023 verabschiedet hat. Es zielt darauf ab, dass es bis 2030 zu keinen neuen Übertragungen von HIV sowie den Hepatitis B- und C-Viren mehr in der Schweiz kommt.

Zudem sollen die Infektionen anderer sexuell übertragbarer Krankheitserreger (insbesondere Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien) sinken, ebenso Krebs oder Genitalwarzen durch eine Ansteckung mit dem Humanen Papilloma Virus (HPV). Das Ziel ist die generelle Verbesserung der sexuellen Gesundheit der Bevölkerung. Wie eine neue repräsentative Umfrage zum Wissen über Safer Sex zeigt, bestehen nach wie vor Wissenslücken in der Bevölkerung.

 

Weiterführende Informationen als PDF zum Download

Medienmitteilung LOVE-LIFE-Kampagne

Faktenblatt

Safer-Sex-Bevölkerungsumfrage

 

Videos der neuen Kampagne für 2024

 

 

 

Anonyme und regelmässige HIV-/STI-Tests in St.Gallen

 

Ein HIV-/STI-Test gibt Klarheit über den eigenen Gesundheitsstatus. Anonymes und regelmässiges Testen ist wichtig und soll unkompliziert zugänglich sein. Darum führt die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in Zusammenarbeit mit HOCH Health Ostschweiz Tests auf der Fachstelle durch. Alle Informationen und Termine dazu gibt es auf der Seite «Testen auf der Fachstelle».

Weitere Testmöglichkeiten bietet die Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz.

 

 

 

HIV-Risiko? Die PEP kann helfen.

HIV-Risiko? Die PEP kann helfen.

25. April 2023

Hatten Sie ein HIV-Risiko infolge eines ungeschützten Anal- oder Vaginalverkehrs? Oder gab es eine Kondompanne? Falls ja, kann die PEP als Notfallbehandlung vor einer HIV-Infektion schützen, sofern sie innerhalb von 48 Stunden nach dem Risikokontakt erfolgt.

Text: Predrag Jurisic/Dr. Gay
Beitragsbild: Dr.Gay

HIV-Risiko? Die PEP kann helfen.

HIV-Risiko? Die PEP kann helfen. Sie muss allerdings innerhalb von 48 Stunden nach dem Risikokontakt erfolgen.

Die PEP ist eine Abkürzung für Post-Expositions-Prophylaxe und dient als Notfallbehandlung nach einem möglichen HIV-Risiko. Mit einer PEP lässt sich eine HIV-Ansteckung unmittelbar nach einer HIV-Risikosituation verhindern. Allerdings muss die Einnahme der 28 Tage dauernden Therapie innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Je früher, desto grösser ist die Chance, eine HIV-Ansteckung zu verhindern. Denn bereits sechs bis acht Stunden nach einer Risikosituation sinken die Erfolgschancen.

 

Wann besteht ein HIV-Risiko?

Zu HIV-Risiken zählen:

  • ungeschützter Anal- und Vaginalverkehr (auch nur kurzes «Dipping» bzw. Eintauchen)
  • geteilte Utensilien beim Drogenkonsum (z. B. Spritzen)
  • Geburt und Stillen

Kein HIV-Risiko besteht in diesen Fällen:

  • Händedruck, Umarmungen
  • Arbeiten und Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Anhusten, Anniesen
  • gemeinsames Benutzen von Geschirr, Besteck, Handtüchern, Bettwäsche, Zahnbürsten, Rasierklingen, Toiletten
  • Betreuen und Pflegen von HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Erste-Hilfe-Massnahmen, medizinische und kosmetische Behandlungen, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden: Dazu zählen Zahnbehandlungen, Maniküre, Pediküre, Haareschneiden, Barbierbesuche, Piercen und Tätowieren (fragen Sie hier nach dem Hygiene-Protokoll und Einwegnadeln, da beim Tätowieren ein Hepatitis-C-Risiko besteht).
  • Sauna-, Fitness- und Schwimmbadbesuche
  • Küssen, Streicheln und Oralsex
  • Insektenstiche
  • Schweiss, Speichel und Tränen
  • Wunde, Aphte im Mund
  • Kot, Urin (bei Kontakt mit Kot besteht ein Hepatitis-A-Risiko; dagegen können Sie sich impfen lassen)
  • herumliegende Spritzen (HI-Viren sind an der Luft nicht mehr infektiös; bislang ist weltweit noch nie eine Infektion über herumliegende Spritzen nachgewiesen worden)

Zum Oralsex erhalten wir in Beratungen häufig Fragen zum HIV-Risiko: Beim Lutschen oder Lecken des Penis, der Scheide oder des Afters gibt es praktisch kein HIV-Risiko, sogar wenn Sperma, Vaginalflüssigkeit oder Menstruationsblut in den Mund gelangen. Denn die Mundschleimhaut ist sehr stabil und bildet so eine natürliche Barriere gegen HI-Viren. Weltweit sind nur wenige Fälle beschrieben, in denen es auf diesem Weg zu einer HIV-Infektion kam.

 

Was tun im Falle eines HIV-Risikos?

Prüfen Sie, ob eine Notfallbehandlung mit der PEP angezeigt ist. Lesen Sie dazu das PEP-Schema des aktuellen PEP-Flyers durch. Mit dem PEP-Schema können Sie das eigene Risiko rasch und richtig einschätzen. Auch können Sie einen Online-Check durchführen, ob eine PEP für Sie infrage kommt. Sowohl der Flyer als auch der Online-Check ersetzen keine Beratung durch eine Fachperson. Im Einzelfall kann es trotzdem sinnvoll sein, die PEP zu machen oder darauf zu verzichten.

 

PEP-Schema: Brauche ich eine PEP?

Ob der Einsatz einer PEP angezeigt ist, zeigt diese Grafik. Allerdings ersetzt das PEP-Schema keine Beratung durch eine Fachperson. Im Zweifelsfall direkt zur Notfallaufnahme des nächsten Spitals fahren. Dort ist die PEP erhältlich.

 

Wo gibt’s die PEP?

Die PEP erhalten Sie in jedem Spital. Nach einer HIV-Risikosituation, wie im obigen PEP-Schema beschrieben, sollten Sie so schnell wie möglich die Notfallaufnahme des nächsten Spitals aufsuchen. Die zentrale Notfallaufnahme für die Region St.Gallen finden Sie bei HOCH Health Ostschweiz:

Kontakt
HOCH Health Ostschweiz
Zentrale Notfallaufnahme
Rorschacher Strasse 95
CH-9007 St.Gallen
Telefon +41 71 494 11 11

Die Notfallaufnahmen der Spitäler sind 24 Stunden erreichbar. Zögern Sie im Falle einer HIV-Risikosituation nicht, diese zu kontaktieren, auch wenn Sie im Ausland sind. Kontaktieren Sie dabei Ihre Krankenkasse wegen der Kostenübernahme und lassen Sie sich im Spital am besten von einer Fachperson der Infektiologie beraten.

 

Was kostet die PEP und wer zahlt?

Die Kosten für eine PEP übernehmen die Krankenkassen. Bedenken Sie aber, dass Sie die Franchise und den Selbstbehalt bezahlen müssen. Die Kosten für die PEP lassen sich reduzieren, indem Sie beispielsweise ein Generikum verlangen. Auch hier hilft das Beratungsgespräch mit der Fachperson der Notfallaufnahme.

 

PEP oder PrEP?

Sobald Sie die PEP abgeschlossen haben, empfehlen wir Ihnen ein Beratungsgespräch bei einer Fachstelle. So können Sie abklären, welche Schutzstrategien zu Ihrem Sexleben passen. Wenn Sie häufiger HIV-Risiken ausgesetzt sind, könnte die PrEP (= Prä-Expositions-Prophylaxe) für Sie infrage kommen. Die PrEP ist ein vorbeugendes Medikament, das vor dem sexuellen Kontakt eingenommen wird. Beim richtigen Einnahmeschema schützt die PrEP vor einer HIV-Infektion so zuverlässig wie ein Kondom. Für eine Beratung sowie weitere Informationen zur PrEP klicken Sie hier.

Der Unterschied zwischen PEP und PrEP ist ganz einfach: Die PEP ist ein Notfallmedikament, das nach einer HIV-Risikosituation innerhalb von 48 Stunden eingenommen werden muss. Die PrEP ist ein vorbeugendes Medikament, das vor dem Sex eingenommen wird. So sind Sie vor HIV geschützt. Allerdings schützt die PrEP nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (= STI). Hier ist der beste Schutz, wenn Sie sich regelmässig auf Chlamydien, Gonorrhö (= Tripper) und Syphilis testen lassen.

Eine anonyme HIV-/STI-Beratung sowie anonyme HIV-/STI-Tests können Sie in der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz in Anspruch nehmen.

40 Jahre HIV/Aids (Bild: pixabay)

Wir geben dieser Krankheit ein Gesicht

17. Mai 2022

Für die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen war Claudia zwanzig Jahre beim Projekt «Menschen mit HIV» im Einsatz. Dabei erzählte sie Schüler*innen aus ihrem Leben mit der Krankheit HIV/Aids. Zum Abschluss ihres Engagements liess sie die letzten zwanzig Jahre Revue passieren.

Interview: Predrag Jurisic
Beitragsbild: pixabay.com

 

40 Jahre HIV/Aids (Bild: pixabay)

40 Jahre HIV/Aids: Claudia (vollständiger Name der Redaktion bekannt) blickt zurück auf das Schulprojek «Menschen mit HIV» (Bild: pixabay.com).

 

Claudia, wie kamst du zum Projekt? 
Zunächst einmal suchte ich die Fachstelle auf, um mich mit HIV-Betroffenen regelmässig auszutauschen. Hier traf ich Menschen, die wie ich die gleichen Probleme hatten und unter dem Stigma der Aids-Epidemie litten. 1992 kam das Schulprojekt «Menschen mit HIV» auf und die Frage, ob ich ein Teil davon sein wollte.   

Die Projektidee fand ich von Anfang an gut: HIV-Betroffene besuchten im Rahmen der Sexualpädagogik Schulklassen. Dort erzählten sie aus ihrem Leben und gaben einen Einblick in den Umgang mit der Krankheit. Ich konnte mir aber überhaupt nicht vorstellen, dabei mitzuwirken. Doch der Gedanke liess mich nicht mehr los. Ich studierte zwei Jahre darum herum, ob ich das könnte oder überhaupt möchte, bis ich es schliesslich wagte. Als ich vor dem Klassenzimmer stand, wäre ich vor Nervosität lieber im Boden versunken, als dort hineinzugehen.  

Legte sich die Nervosität irgendwann?
Nein, sie legte sich eigentlich nie. Ich war bis zum letzten Einsatz immer nervös im Vorfeld. Ich denke, das muss auch so sein. Denn dann gibt man sich auch Mühe, es gut zu machen. Ich sagte immer: ‹Wenn ich einmal an den Punkt komme, an dem ich meine Geschichte nur noch gleichgültig runterleiere, ist es Zeit, aufzuhören.› Soweit kam es aber nie. Und das Interesse der Schüler*innen und die vielen positiven Rückmeldungen bestärkten mich in meinem Tun. 

Was bewirkten die Einsätze bei dir?
Vor den Einsätzen hatte ich für Abstand gesorgt, indem ich mich von der Drogenszene abwandte. Erst dieser Abstand ermöglichte es mir, über meine HIV-Diagnose und meine Erlebnisse in der offenen Drogenszene zu reden. Alle Gefühle, die ich all die Jahre verdrängt hatte, kamen beim Erzählen wieder hoch. Aber ich merkte mit der Zeit, dass das sehr heilsam für mich war. Zudem konnte ich junge Menschen – unsere zukünftige Gesellschaft – davor warnen, dasselbe Schicksal zu erleben. So konnte ich dem Staat auch etwas dafür zurückgeben, dass ich IV bekam. Etwas Besseres gab es für mich in meiner Situation gar nicht. 

Wie hat sich das Projekt entwickelt, seit du dabei bist?
Zu Beginn waren bis zu zehn Personen beim Projekt dabei. Danach wurden es immer weniger. Einige starben, einige hatten keine Lust mehr oder wandten sich anderen Dingen zu. Beim Projekt im Einsatz waren hauptsächlich Leute, die aus dem Drogenmilieu oder aus der Schwulenszene stammten. Es gab nur eine Mutter mit HIV-Diagnose, die über ihr Leben mit HIV in Beruf und Familie sprechen konnte. Ansonsten war die Angst zu gross, sich als HIV-positiver Mensch zu outen. Die Stigmatisierung und Ausgrenzung im Berufs- und Privatleben waren allgegenwärtig. Das war einerseits schade, weil HIV und Aids nicht nur in der Drogen- und der Schwulenszene präsent waren. Andererseits war es auch nachvollziehbar, weil die sozialen Konsequenzen enorm waren. 

Warum waren HIV-Betroffene derart stigmatisiert?
HIV bzw. Aids galten damals als eine «Randgruppenkrankheit», die nur Leute betraf, die ein nach damaligen gesellschaftlichen Massstäben «schlechtes» Leben führten. Und deshalb hatten sie es ja irgendwie verdient – das war damals die Haltung: Wer HIV/Aids hatte, war selbst schuld. Bis sich Hausfrauen, Familienväter und die ersten Kinder infizierten. Da musste die Gesellschaft nochmals über die Bücher. Deswegen war es wichtig, möglichst viele Menschen möglichst früh zu informieren, um solche Vorurteile abzubauen. Es ging bei unseren Einsätzen folglich nicht um die Schuldfrage, sondern darum, die Krankheit in den Griff zu bekommen. 

Wie hat dich diese Arbeit geprägt, was konntest du für dich gewinnen?
Dank dieser Arbeit konnte ich meine Vergangenheit aufarbeiten und meinen Platz im Leben und der Gesellschaft neu definieren. Ich stehe zu allem, was geschehen ist, und verurteile nichts und niemanden. Ich bin auch dankbar, dass der Staat viel Gutes in der Drogenpolitik bewirkt hat: Es gibt heute keine offene Drogenszene mehr, die Prävention dank sauberer Spritzen und Drogenabgabestellen funktioniert.  

Soviel Leid diese Krankheit über uns alle brachte, so hat sie mir doch auch die Augen für das Leben geöffnet und mir klargemacht, dass man viel mehr im «Jetzt» leben muss. Jeden Moment, in dem es einem gut geht, sollte man bewusst geniessen und dafür dankbar sein. Und es war Dr. Pietro Vernazza, der einmal zu uns sagte, er fände unser Wirken an den Schulen deshalb so toll, weil wir dieser Krankheit ein Gesicht geben. 

In den 90er Jahren war die Diagnose ganz klar ein Todesurteil, das war jedem bewusst. Es gab Zeiten, da starb jede Woche jemand aus meinem damaligen Umfeld. Es war lediglich eine Frage der Zeit. Deshalb nutzte ich jeden Moment und konnte mit meiner Arbeit viel Gutes tun. 

 

Prof. Dr. med. Pietro Vernazza ist ehemaliger Chefarzt der Infektio- logie am Kantonsspital St.Gallen. Er hat jahrzehntelang zu HIV und Aids geforscht und sich für bessere Bedingungen in der Behandlung, aber auch in der Akzeptanz von HIV-positiven Menschen eingesetzt. Mehr zu seiner Arbeit und zu möglichen Heilungschancen in Zukunft in seinem Interview zum Welt-Aids-Tag 2020. Bild: Kantonsspital St.Gallen.

Prof. Dr. med. Pietro Vernazza ist ehemaliger Chefarzt der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz. Er hat jahrzehntelang zu HIV und Aids geforscht und sich für bessere Bedingungen in der Behandlung, aber auch in der Akzeptanz von HIV-positiven Menschen eingesetzt. Mehr zu seiner Arbeit und zu möglichen Heilungschancen in Zukunft in seinem Interview zum Welt-Aids-Tag 2020. Bild: Christoph Ruckstuhl, NZZ.

 

Welche Momente sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Was mir in den Schulklassen immer wieder begegnet ist, ist Bewunderung. Bewunderung dafür, dass ich mich traue, über alles offen zu reden. In der heutigen Gesellschaft wird so viel gelogen. Selten setzt sich jemand einfach mal hin und redet so, wie es wirklich ist. Lügen ist heute Normalität. Und das erschüttert mich! Darum war es für mich auch wichtig, dass mal jemand kommt und die Wahrheit erzählt, auch wenn sie nicht immer schön ist. 

Woran liegt das? 
Die Menschen wollen gut dastehen und ihr Gesicht nicht verlieren oder haben Angst davor, was andere von ihnen denken. Du darfst nicht immer nur darauf achten, was andere von dir denken. Wenn es dir schlecht geht, hilft dir keiner von denen. Darum solltest du auf dich, dein Bauchgefühl und dein Herz hören, nicht auf die anderen! 

Was konntest du mit deiner Lebens- und Krankheitsgeschichte den Schüler*innen mit auf den Weg geben?
Ich zeigte ihnen auf, wie wertvoll das Leben ist. Ich sagte ihnen jeweils: «Ihr müsst nicht erst fast sterben, bis ihr den Wert eures Lebens erkennt.» Als Teenagerin wäre ich froh gewesen, wenn jemand in meine Klasse gekommen wäre und uns von seinen*ihren Erfahrungen berichtet hätte. Vielleicht hätte ich einen anderen Weg eingeschlagen als den der Drogenabhängigen. Damals war der Film «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» aktuell, und dieser Film hat mich sehr beeinflusst. Ich dachte damals «so will ich auch leben». Es faszinierte mich irgendwie. Bis ich selbst soweit war und die Faszination sich längst in eine schwere Abhängigkeit verwandelt hatte. 

Was hat dich beim Anschauen dieses Films so in den Bann gezogen?
Ich war damals ein Teenager. Gerade in dieser Zeit sind Jugendliche oft sehr dünnhäutig und vulnerabel – sprich anfällig für Einflüsse von aussen. Und da damals unsere Familie auseinanderfiel und mein Bruder und ich mit der schwierigen Situation völlig alleingelassen wurden, war ich sehr enttäuscht: über die Familie, aber auch über die ganze Gesellschaft. Ich fühlte mich total im Stich gelassen und fiel in ein bodenloses Loch. Da kamen mir die Drogen wie eine Rettung vor. Rückblickend betrachtet sind Drogen für mich ganz klar ein Liebesersatz. Sie gaben mir – jedenfalls kurzzeitig – die Wärme, die mir fehlte. Aber die Wärme und Liebe der Eltern kannst du nicht durch Drogen ersetzen. Zudem entwickelte ich sehr selbstzerstörerische Züge.  

Und genau darum ging es mir bei meiner Arbeit mit den Schüler*innen: Ich wollte ihnen aufzeigen, dass wir alle mal Situationen erleben, in denen wir vulnerabel und dünnhäutig sind. Und wenn wir dann falsche Entscheidungen treffen, anstatt uns Hilfe zu holen, geraten wir in einen Strudel, der einen schnell weit nach unten ziehen kann. 

Wie hat sich deine Arbeit im Laufe der Jahre verändert?
Heute ist die Hauptdroge das Handy, nicht mehr das Heroin. Wenn ich die Schüler*innen bei meinen Einsätzen beobachte, wie sie nach Schulschluss drauf losrennen, finde ich es bedenklich. Dies wird in Zukunft ebenfalls Folgen für die psychische Gesundheit haben. Darum wird auch die Medienkompetenz für die Jungen immer wichtiger. Was sich in Bezug auf die Drogenprävention geändert hat, ist, dass die Drogen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind: Die Menschen konsumieren mehr privat statt öffentlich. Wir sehen den Konsum nicht mehr, aber er findet dennoch statt. Hier gilt es, eine Art «Safer Drugs Prävention» zu betreiben, um die gravierenden Folgen von Drogen zu minimieren.

Die da wären?
Zum Beispiel erlebe ich, dass junge Leute heute viel mehr Alkohol trinken als damals, als ich weit und breit die Einzige war, die so jung schon so viel trank. Auch Medien haben öfters darüber berichtet. Heute ist das normal geworden, was ich sehr bedenklich finde. Heroin und andere Drogen werden privater konsumiert, aber der Alkoholkonsum ist in der ganzen Gesellschaft präsent: in jedem Restaurant, in der Öffentlichkeit oder in den Läden, in denen Alkohol erhältlich ist. 

Die «Junkie-Kultur», die ich erfahren habe, gibt es so nicht mehr. Auch erlebe ich, dass die meisten neben Alkohol auch Medikamente konsumieren. Und die, die noch Heroin konsumieren, holen es bei der staatlichen Abgabestelle. Da stimmt wenigstens die Qualität, die auf der Strasse sehr viel schlechter geworden ist.  

Ich stelle fest, dass sich die ganze Gesellschaft seit den 90er Jahren sehr verändert hat – auch durch all das Digitale wie Handys und Computer. Aber auch darin, was Respekt, Anstand und Mitgefühl betrifft. Die meisten sind sehr egoistisch geworden. Alles ist so oberflächlich. Und ich spüre richtig, wie es darunter immer schlimmer wird, wie die Leute viel schneller aggressiv und gewaltbereit sind. 

Was hat sich in Bezug auf HIV und Aids verändert?
HIV und Aids sind als Thema von der Bildfläche verschwunden. Ein Grund dafür liegt auch in der besseren medizinischen Behandlung: Heute ist HIV/Aids eine chronische Erkrankung. Die Medizin geht von einer normalen Lebenserwartung aus. Aber wirklich wissen tut das keiner. Es ist meines Wissens nach noch niemand dank Medikamenten 80 Jahre alt geworden, der Aids hatte. Deshalb finde ich, sollten wir als Gesellschaft eine solche Aussage mit Vorsicht geniessen. Zudem meinen viele, Aids sei heute heilbar. Dabei ist die Krankheit nach wie vor tödlich. Sie ist lediglich behandelbar geworden. Ich selbst merke, wie die Krankheit und die Medikamente ihren Tribut fordern. Die Zellen im Körper altern mit HIV und den Medikamenten schneller, als wenn jemand gesund ist und keine HIV-Medikamente zu sich nimmt. 

 

2020 starben weltweit 680‘000 Menschen an Aids. 2010 waren es noch 1,3 Millionen. Parallel infizierten sich weltweit 1,5 Millionen Menschen mit HIV, im Vergleich zu 2010 ein Rückgang von 31 Prozent. Weltweit leben heute etwa 38 Millionen Menschen mit HIV, 73 Prozent von ihnen erhalten Medikamente, 27 Prozent nicht. Das südliche Afrika ist am stärksten betroffen. Auch in Osteuropa und Zentralasien haben dieInfektionen in den letzten Jahren stark zugenommen.

Quelle: Aids-Hilfe Schweiz, Welt-Aids-Tag.de

 

Was gibt es in der HIV-Prävention noch zu tun?
Weltweit natürlich noch viel, besonders in Afrika oder auch in Russland. In der Schweiz funktioniert die Prävention gut. Was ich mir für die Ostschweiz mehr wünsche, ist eine engere Betreuung von HIV-Betroffenen: In Bern/Biel arbeiten beispielsweise die Gassenleute bei der spezifischen Prävention von vulnerablen Gruppen mit. Auch ist die Betreuung im Kleinen stärker: In der Ostschweiz gibt es zwar Anlaufstellen, allerdings bleiben viele Betroffene häufig auf sich alleine gestellt. Eine persönliche Ansprache wäre gut.  

Wie liessen sich HIV-Betroffene in der Ostschweiz persönlicher ansprechen?
Das ist schwierig zu sagen: In unserer Region habe ich immer noch das Gefühl, dass sich die Leute nicht trauen, über ihren HIV-Status zu reden. Sie wollen ihren Status für sich behalten – aus Angst vor Anfeindungen und Mobbing. Deshalb sprechen sie nur mit ihren Ärtz*innen darüber. Es gibt auch heute noch HIV-Betroffene, die es nicht einmal ihrer*ihrem Partner*in sagen.  

Stichwort Stigmatisierung und Diskriminierung: Wo siehst du für HIV-Betroffene im Alltag Hürden bzw. Verbesserungspotenzial?
Ich hatte mal ein negatives Erlebnis in einer Zahnarztpraxis in Ungarn: Kaum hatte ich auf dem Eintrittsformular meinen HIV-Status bekanntgegeben, wurde ich total stehengelassen. Alle anderen im Warteraum kamen an die Reihe, nur ich nicht. Als ich daraufhin den Zahnarzt ansprach, bekam ich zunächst eine faule Ausrede und danach die Aussage, es wäre ihm lieber, mich nicht zu behandeln. Und falls doch, sollte ich irgendeine Erklärung vor der Behandlung unterschreiben, was ich dann nicht tat.  

Zurück im Hotel, das für diese Zahnarztbehandlung mitgebucht war, merkte ich schnell: Meine Aussage beim Zahnarzt hatte ganz schnell die Runde gemacht – und das sowohl bei den Praxis- als auch bei den Hotelangestellten. Sie behandelten mich von einem Moment auf den anderen nur noch mit Verachtung, was mich sehr irritierte. Den Fall meldete ich schliesslich der Aids-Hilfe Schweiz. Denn auch in der Schweiz passieren gerade im medizinischen Bereich solche Diskriminierungen, weil das medizinische Personal zu wenig über die Krankheit und die Behandlung Bescheid weiss. 

 

«Die Gesellschaft braucht dringend ein Update bezüglich HIV/Aids», meint Caroline Suter, stellvertretende Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz. Ihre Aussage bezieht sich auf die nach wie vor andauernde Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV in verschiedenen Alltagssituationen. Mehr dazu im Interview. Bild: Marlyn Manser.

«Die Gesellschaft braucht dringend ein Update bezüglich HIV/Aids», meint Caroline Suter, stellvertretende Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz. Ihre Aussage bezieht sich auf die nach wie vor andauernde Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV in verschiedenen Alltagssituationen. Mehr dazu im Interview. Bild: Marlyn Manser.

 

Wie lassen sich solche Vorfälle verhindern?
Die Menschen tragen die Welt im Hosensack: Sie können sich über alles informieren oder eben auch nicht. Anstatt sieben Stunden TikTok zu schauen, wäre ein Gespräch mit queeren Menschen oder HIV-Positiven hilfreich. So liessen sich Vorurteile, Klischees und Halb- oder Nichtwissen beseitigen. 

Begegnest du solchen Vorurteilen oder Klischees auch heute noch?
Ja. Die Leute tun sehr tolerant und offen. Ich sage ausser den Schüler*innen niemandem, dass ich im letzten Stadium aidskrank bin. Die, die es wissen müssen, wissen es schon lange. Sobald ich von HIV rede, merke ich, wie die Menschen langsam und möglichst unauffällig von mir Abstand nehmen. Mit wenigen Ausnahmen. Und das sind meist selbst Betroffene. Hier braucht es mehr Wissen darüber, was HIV und Aids heutzutage bedeuten. 

Eine andere Situation erlebte ich bei der Wohnungssuche: Zwar gab sich die Person bei der Wohnungsbesichtigung offen und tolerant, als ich HIV als IV-Grund angab. ‹Es wäre überhaupt kein Problem.› Danach kam eine Absage, weil ein Verwandter die Wohnung bekommen sollte, von dem vorher aber nie die Rede war. 

Das Schulprojekt «Menschen mit HIV» geht zu Ende: Welche Gefühle und Gedanken begleiten dich dabei?
Zum einen sind es sehr freudige Gefühle: Das Projekt war für mich eine sehr tolle und wertvolle Sache. Ich habe etwas bewegt und den jungen Leuten etwas mitgegeben. Auch werde ich die Gefühle nie vergessen, die einzelne Schulklassen mit mir geteilt haben: Als sie beim Erzählen meiner Lebensgeschichte mitgefiebert, mitgeheult und mitgelacht haben. Die letzten zwanzig Jahre waren eine heilsame Zeit für mich. Ich fand mein Plätzchen und lernte die andere Claudia kennen: die Claudia, die überlebt und positiv eingestellte Leute kennengelernt hat.   

Zum anderen aber begleiten mich auch sehr traurige Gefühle: Ich finde es schade, dass dieses wertvolle und wichtige Projekt mit mir zu Ende geht. Viele Schüler*innen fanden, meine Präventionsarbeit sollte in den Lehrplan aufgenommen werden. Aber ich bin dankbar, dass ich noch die Chance und die Kraft bekam, diese Arbeit zu machen. Ich habe sie immer sehr gern getan und gab immer alles. Meine Devise war und ist: Was du tust, das tue richtig. Und ich spürte, dass ich das Richtige tat. Das war, ist und wird immer ein schönes Gefühl bleiben.
 

Wie hast du während der letzten zwanzig Jahre die Entwicklung der Fachstelle erlebt?
Die Fachstelle hat sich extrem verändert: In den 90er Jahren stand die Aids-Hilfe im Vordergrund. Es ging um unmittelbare Hilfe für Leute mit Aids sowie die HIV-Prävention. Später kamen weitere Angebote hinzu wie die Sexualpädagogik oder das COMOUT-Projekt mit Lebensgeschichten aus der queeren Community. Heute geht es mehr um sexuelle Gesundheit bzw. Gesundheit im Ganzen. Dieser ganzheitliche Ansatz ist viel umfassender als die Präventionsarbeit in den Anfangsjahren. Es ist eine Art von Lebensschulung. Und mehr solcher Lebensschulungen statt nur Algebra und anderer Fächer wären für die Gesellschaft von morgen sehr hilfreich. 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

YPrEP für junge MSM: Die PrEP schützt vor einer HIV-Ansteckung. Das Projekt YPrEP unterstützt dich bei der Finanzierung. Kontaktiere uns für mehr Infos.

YPrEP – Schutz für junge Männer

25. November 2025

Bist du ein junger Mann im Alter zwischen 16 und 25 Jahren? Hast du Sex mit verschiedenen Männern? Und verfügst du nicht über genug Geld, um eine PrEP zu bezahlen? Oder laufen deine Krankenkassenrechnungen über deine Eltern oder Dritte, die nicht über eine allfällige PrEP-Behandlung informiert werden sollen?

Deine Gesundheit ist uns ein Anliegen. Zusammen mit der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz bieten wir mit dem Projekt «YPrEP» Unterstützung bei der Finanzierung. 

Text: Michael Harms
Beitragsbild: Aids-Hilfe Schweiz

PrEP Einnahmeschema 2025

Die PrEP (= Prä-Expositions-Prophylaxe) ist eine wirksame Möglichkeit, sich beim Analverkehr vor HIV zu schützen. Die HIV-PrEP ist ein ärztlich verordnetes Medikament. Korrekt eingenommen schützt sie mindestens so zuverlässig wie ein Kondom. Hier erfährst du mehr zur PrEP als Safer Sex.

 

Dein Weg zur PrEP

Der Zugang zur HIV-PrEP ist nicht ganz günstig, obwohl die Kosten seit Juli 2024 von den Krankenkassen übernommen werden. Bei einer hohen Franchise und dem Selbstbehalt können die Beträge für Beratung, Verlaufskontrollen und die Medikamente dennoch beträchtlich sein.

Für junge Menschen, die sich in einer Ausbildung befinden, kein regelmässiges Einkommen haben oder sich eine tiefe Franchise mit hohen Krankenkassenprämien nicht leisten können, kann eine PrEP-Behandlung zu teuer sein. Vielleicht willst du dich aber auch nicht deinen Erziehungsberechtigten erklären müssen, wenn sie die Krankenkassenabrechnung zu einer PrEP-Behandlung erhalten. Wir wollen nicht, dass du deswegen auf einen passenden Schutz verzichten musst.

 

Wir beraten dich zur PrEP

Wie geht das mit der HIV-PrEP? Ist das der passende Schutz für dich? Wie läuft die Finanzierung? Kannst du am Programm teilnehmen? Welche Beratung und Begleitung darfst du von uns erwarten? Wir erklären es dir gerne bei einem Beratungsgespräch.

Michael ist Projektleiter für Prävention im Bereich MSM (Männer, die Sex mit Männern haben). Nimm mit ihm Kontakt auf, um mehr über das Projekt «YPrEP» zu erfahren: michael.harms@ahsga.ch oder 071 223 68 08. Oder einfach per WhatsApp.

Du kannst auch Patrick Schmid, Oberarzt an der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz, kontaktieren: infektiologie@h-och.ch oder 071 494 10 28.

Glossar zu Geschlechtskrankheiten (STI)

Glossar zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI)

Neben dem HI-Virus gibt es eine ganze Reihe von sexuell übertragbaren Infektionen, vor denen Sie sich schützen sollten. Diese heissen abgekürzt STI für «Sexual Transmittable Infections» (auf Deutsch: sexuell übertragbare Infektionen). Die meisten STI sind gut behandelbar, wenn sie erkannt werden.

Die drei häufigsten STI – Syphilis, Tripper und Chlamydien – lassen sich kaum verhindern, wenn man Sex hat. Denn sie übertragen sich sehr leicht, vor allem auch beim Oralsex oder manchmal auch beim Küssen. Selbst Kondome schützen nicht ausreichend. Die STI verlaufen häufig ohne Symptome. Ein Mensch kann also zu Beginn nicht spüren oder merken, ob er eine Infektion hat. Allerdings kann er sie bereits weitergeben.

Deshalb lohnt es sich, sich regelmässig zu testen und mögliche Infektionen rasch zu behandeln. So tragen Sie zu Ihrer eigenen Gesundheit Sorge und verhindern eine (unwissentliche) Weiterverbreitung.

Hier finden Sie Informationen zu den wichtigsten STI:

  • Chlamydien: heilbar, oft tritt eine Spontanheilung ein; Inkubationszeit: 1 bis 3 Wochen
  • Gonorrhö (Tripper): heilbar; Inkubationszeit: 2 bis 8 Tage
  • Syphilis (Lues): heilbar, sofern frühzeitig erkannt; Inkubationszeit: 2 bis 3 Wochen, in seltenen Fällen bis zu 3 Monate
  • Hepatitis A: imfpbar; heilt von alleine aus (= lebenslängliche Immunität nach einer Infektion); Inkubationszeit: 2 bis 7 Wochen
  • Hepatitis B: impfbar; nicht heilbar, aber behandelbar; Inkubationszeit: 1 bis 6 Monate
  • Hepatitis C: nicht impfbar, aber heilbar; Inkubationszeit: 2 Wochen bis 6 Monate
  • Herpes genitalis: nicht heilbar, aber behandelbar; Inkubationszeit: 3 bis 7 Tage
  • Humanes Papillomavirus (HPV; Folgen: Feigwarzen, Gebärmutterhalskrebs): nicht heilbar, aber impf- und behandelbar; Inkubationszeit (= bis Genitalwarzen entstehen): 2 Wochen bis 3 Monate, in seltenen Fällen bis zu 8 Monate

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt Jugendlichen und jungen Erwachsenen die HPV-Impfung.

 

Weitere Informationen zu Safer Sex und HIV-/STI-Testing

 

Weitere Informationen zu Sex und Drogen

 

Safer Sex bei weiteren Praktiken

Sexualpraktiken wie Berühren und Küssen, Lecken, Blasen oder Masturbieren gehören auch zum Safer Sex. Ebenso wie das Rimming (Anuslecken), Natursekt (Urinspiele) oder Scat (Kot). Wer also keinen eindringenden Anal- oder Vaginalverkehr praktiziert, hat Safer Sex und ist damit vor HIV geschützt.

Wichtig zu wissen: Die anderen STI lassen sich trotz Safer-Sex-Praktiken übertragen. Darum gilt es, sich regelmässig zu testen. Die Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz führt dazu eine eigene HIV-/STI-Sprechstunde, die Sie auch anonym aufsuchen können.

 

Wo ausserdem Vorsicht geboten ist

 

Sextoys/BDSM-Instrumente

Bei der gemeinsamen Benützung von Sextoys können HIV und STI übertragen werden. Ein Kondom kann hierbei schützen. Ausserdem ist es wichtig, die Sextoys nach dem Benutzen zu desinfizieren und nicht nur mit Seife abzuwaschen. Das gilt auch für BDSM-Instrumente.

Es gibt viele verschiedene BDSM-Spielarten

BDSM steht für «Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism», zu Deutsch: Fessel- und Disziplinierungsspiele, Lustgewinn durch Dominanz oder Unterwerfung bzw. durch Sadismus und Masochismus. Neben den Safer-Sex-Regeln sind hier noch andere Gefahren zu beachten: Atem- und Durchblutungsprobleme (bei Fesselspielen) oder Verletzungen, Quetschungen oder Verbrennungen. Darum sind klare Absprachen und das Akzeptieren von Grenzen bzw. des «Stopps» der Spielgefährt*innen elementar.

Fisten/Fisting

Beim Fisten werden die Hand bzw. Faust oder der ganze Unterarm in den Anus oder in die Vagina eingeführt. Als HIV-/STI-Schutz helfen jeweils saubere Handschuhe je Fist-Vorgang bzw. je Sexualpartner*in. Folgt anschliessend Anal- oder Vaginalsex, so schützen nur Kondome aus Polyurethan vor HIV, da beim Fisten häufig fetthaltige Gleitmittel zum Einsatz kommen. Sind bei mehreren Sexualpartner*innen auch Sextoys im Spiel, gilt es, diese nach dem Gebrauch gründlich abzuwaschen und zu desinfizieren, ehe sie eine andere Person verwendet. Besser noch: Jede Person hat eigene Sextoys. Das gilt auch für Gleitmittel: Jede Person sollte ein eigenes dabeihaben, da sonst ein hohes Risiko bezüglich einer Infektion mit Hepatitis C besteht. Denn das Hepatitis C-Virus ist besonders überlebensfähig. Das Rimming nach dem Fisten birgt ebenfalls ein hohes Risiko für eine STI-Übertragung.

Chemsex

Chemsex meint den Konsum von Drogen beim Sex. Jeder Drogenkonsum ist mit Risiken verbunden. Darum ist es wichtig zu wissen, welche Substanzen wie wirken, sich gegenseitig verstärken oder im Mischkonsum gar lebensgefährlich sind. Ausserdem ist der Erwerb, Besitz, Konsum oder Handel mit Drogen in den meisten Fällen strafbar. Auf know-drugs.ch finden Sie mehr Informationen zu Substanzen sowie aktuelle Warnungen zu bestimmten Produkten. In einigen Schweizer Städten können Sie Ihre Substanzen auch auf deren Inhalte testen lassen (Drug Checking).

Wenn Sie Drogen beim Sex konsumieren, achten Sie auf die folgenden Empfehlungen:

  • Substanzwirkungen im Kontext zum eigenen Wohlbefinden kennen: z. B. nicht konsumieren, wenn Sie sich körperlich oder psychisch nicht wohlfühlen.
  • Denken Sie an die eigenen Medikamente: z. B. PrEP nicht vergessen, Timer stellen.
  • Essen und trinken Sie genügend. Legen Sie Pausen für Erholungen ein.
  • Benutzen Sie beim Sniffen ein eigenes Röhrchen und eine eigene Unterlage.
  • Verwenden Sie beim Slammen (= intravenöse Injektion von Drogen) ein eigenes Spritzenbesteck.
  • Lassen Sie bei einem Bad Trip nie jemanden alleine, sondern bringen Sie diese Person an die frische Luft, reden Sie ihr gut zu, lassen Sie sie Wasser trinken und etwas Zuckerhaltiges essen.
  • Bei Verdacht auf eine Überdosis wählen Sie den Notruf (144). Eine Überdosis kann diese Symptome aufzeigen: Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Orientierungslosigkeit, komatöser Zustand, Herzrasen, Hitzewallungen, Paranoia oder blaue Lippen/Fingerspitzen.

Weitere Informationen zu Chemsex finden Sie hier.

PEP: die medizinische Notfallbehandlung

Die PEP steht für die Post-Expositions-Prophylaxe und ist eine medizinische Notfallbehandlung, um eine HIV-Ansteckung nach einer Risikosituation zu verhindern.

Die PEP muss spätestens 48 Stunden nach einer Risikosituation erfolgen. Je früher, desto grösser ist die Chance, eine HIV-Ansteckung zu verhindern. Denn bereits sechs bis acht Stunden nach einer Risikosituation sinken die Erfolgschancen. Wenden Sie sich dafür an die Notfallaufnahme beim nächsten Spital. Die Kliniken verfügen über die richtigen Medikamente und können Ihre PEP-Therapie sofort einleiten, auch in der Nacht.

Falls möglich gehen Sie gleich mit der Person, mit der das HIV-Risiko passiert ist, ins Spital. Dann lässt sich gemeinsam mit den Fachpersonen das HIV-Risiko abwägen. Ist die PEP ärztlich verschrieben, so übernehmen die Krankenkassen die Kosten der PEP. Im Ausland lohnt es sich, die Kostengutsprache bei der eigenen Krankenkasse vorgängig zu ermitteln.

 

Wann besteht ein HIV-Risiko?

Zu HIV-Risiken zählen:

  • ungeschützter Anal- und Vaginalverkehr (auch nur kurzes «Dipping» bzw. Eintauchen)
  • geteilte Utensilien beim Drogenkonsum (z. B. Spritzen)
  • Geburt und Stillen

Kein HIV-Risiko besteht in diesen Fällen:

  • Händedruck, Umarmungen
  • Arbeiten und Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Anhusten, Anniesen
  • gemeinsames Benutzen von Geschirr, Besteck, Handtüchern, Bettwäsche, Zahnbürsten, Rasierklingen, Toiletten
  • Betreuen und Pflegen von HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Erste-Hilfe-Massnahmen, medizinische und kosmetische Behandlungen, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden: Dazu zählen Zahnbehandlungen, Maniküre, Pediküre, Haareschneiden, Barbierbesuche, Piercen und Tätowieren (fragen Sie hier nach dem Hygiene-Protokoll und Einwegnadeln, da beim Tätowieren ein Hepatitis-C-Risiko besteht).
  • Sauna-, Fitness- und Schwimmbadbesuche
  • Küssen, Streicheln und Oralsex
  • Insektenstiche
  • Schweiss, Speichel und Tränen
  • Wunde, Aphte im Mund
  • Kot, Urin (bei Kontakt mit Kot besteht ein Hepatitis-A-Risiko; dagegen können Sie sich impfen lassen)
  • herumliegende Spritzen (HI-Viren sind an der Luft nicht mehr infektiös; bislang ist weltweit noch nie eine Infektion über herumliegende Spritzen nachgewiesen worden)

Zum Oralsex erhalten wir in Beratungen häufig Fragen zum HIV-Risiko: Beim Lutschen oder Lecken des Penis, der Scheide oder des Afters gibt es praktisch kein HIV-Risiko, sogar wenn Sperma, Vaginalflüssigkeit oder Menstruationsblut in den Mund gelangen. Denn die Mundschleimhaut ist sehr stabil und bildet so eine natürliche Barriere gegen HI-Viren. Weltweit sind nur wenige Fälle beschrieben, in denen es auf diesem Weg zu einer HIV-Infektion kam.

Hatten Sie eine Risikosituation? Wenden Sie sich dafür an die Zentrale Notfallaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen (Nummer 071 494 11 11).

Lesen Sie ausserdem mehr über die PEP in unserem Blogbeitrag «HIV-Risiko? Die PEP kann helfen.». Oder machen Sie hier den PEP-Online-Check. Wichtig dabei: Sowohl der Blogbeitrag als auch der Online-Check ersetzen keine Beratung durch eine Fachperson. Im Einzelfall kann es trotzdem sinnvoll sein, die PEP zu machen oder darauf zu verzichten.

Safer Sex mit Kondomen: So geht's richtig

Safer Sex mit Kondomen: So geht’s richtig

Beim Analsex, Vaginalsex sowie bei Sextoys schützen Kondome vor HIV. Wichtig: Beachten Sie die Kondomgrösse und das Ablaufdatum. Benutzen Sie keine alten, bereits benutzten oder porösen Kondome. Achten Sie dabei auf kondomverträgliche Gleitmittel, die das Kondom nicht beschädigen oder durchlässig machen.

Ausserdem: Verwenden Sie das Kondom richtig:

  • Öffnen: Kondomverpackung an der Einreisskerbe vorsichtig öffnen (= ohne Zähne bzw. ohne scharfe Gegenstände) und das Kondom herausnehmen
  • Aufsetzen: mit der einen Hand die Penisvorhaut ganz zurückziehen, mit der anderen das Reservoir des Kondoms mit Daumen und Zeigefinger festhalten (= keine Luft mehr drin) und auf die Eichel setzen
  • Abrollen: Kondom nun bis zum Schaft abrollen (falls das nicht mühelos geht, ist das Kondom zu eng oder zu weit)
  • Gleitmittel: zur besseren Gleitfähigkeit das Kondom grosszügig mit einem wasserlöslichen oder silikonbasierten Gleitmittel (keine fetthaltigen Mittel wie Öle, Cremes, Vaseline etc.) einschmieren
  • Geschlechtsverkehr: zwischendurch kontrollieren, ob das Kondom gut sitzt und mit Gleitmittel nachschmieren
  • Abnehmen: nach dem Geschlechtsverkehr Kondom am Schaft festhalten, Penis rausziehen und das gebrauchte Kondom im Abfall und nicht in der Toilette entsorgen

Ein Kondom ist der günstigste Schutz vor HIV. Richtig verwendet schützt es zuverlässig vor einer HIV-Infektion. Bitte bedenken Sie: Das Kondom schützt nicht zuverlässig gegen andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Syphilis, Chlamydien, Tripper, Hepatitis A/B oder HPV. Hier erreichen Sie den besten Schutz durch regelmässiges Testen und gezieltes Impfen.

Allerdings können oder wollen nicht alle ein Kondom benutzen – zum Beispiel wegen Erektionsproblemen, Alkohol, Drogen oder Liebe. Deshalb gibt es noch andere Schutzmöglichkeiten wie die PrEP. Sollten Sie das Kondom vergessen oder sollte das Kondom reissen, gibt es die ärztliche Notfallbehandlung mit der PEP (= Postexpositionsprophylaxe). Diese muss innert 48 Stunden nach dem Risikokontakt erfolgen.

Mehr zur PEP lesen Sie hier.

Safer Sex in einer Partnerschaft

Für Paare in einer festen Beziehung sind die Kommunikation und Transparenz über das eigene sexuelle Verhalten der erste Schritt zum Safer Sex: Vertrauen ist gut, Reden ist besser – egal, ob beim monogamen Partnerschaftsmodell oder bei einer offenen Beziehung. Über Sexualität zu sprechen ist für viele Menschen eine Herausforderung. Deshalb liegt es in der Verantwortung von jeder Person, die Thematik immer wieder aufzunehmen. Gerade bei Paaren – ob monogam oder offen lebend – kommt es nicht zuletzt zu einer unwissentlichen HIV-Ansteckung, weil es an offener Kommunikation fehlt.

 

HIV-Status von beiden kennen

Bevor Sie Sex ohne Kondom oder ohne PrEP haben, müssen Sie den HIV-Status Ihrer besseren Hälfte kennen. Dazu ist es wichtig, während mindestens sechs Wochen kein HIV-Risiko einzugehen und sich danach gemeinsam testen zu lassen – auch auf die anderen STI.

Danach gilt es, auszuhandeln, wie die Partnerschaft gestaltet sein soll: sexuelle Exklusivität bzw. Treue (= Monogamie) oder offene Partnerschaft. Ebenso gilt es, die Safer-Sex-Regeln festzulegen – besonders in einer offenen Partnerschaft bzw. im Falle eines Seitensprungs in einer monogamen Beziehung.

Für Frauen, die Sex mit Frauen haben (FSF), empfehlen wir die Broschüre «Safer Sex zwischen Frauen» zu lesen.

 

Ob monogam oder offen – Hauptsache ehrlich

Monogamie schützt vor Ansteckungen nicht: Selbst in einer liebevollen und langjährigen Partnerschaft, in der sich beide Personen die sexuelle Treue geschworen haben, können Ausrutscher passieren. Sollte es dabei zu einem Risiko gekommen sein: Seien Sie ehrlich zu Ihrer Partnerin bzw. zu Ihrem Partner. Denn damit schützen Sie sie*ihn vor einer möglichen HIV-Infektion.

Ferner empfiehlt es sich, einen STI-Test zu machen: Bei einem positiven Ergebnis gilt es, seine*n Partner*in zu informieren, damit er*sie sich ebenfalls testen und behandeln lassen kann. Auch bei Paaren in einer offenen Beziehung sind eine ehrliche Kommunikation sowie regelmässige HIV- und STI-Tests wichtig. So lassen sich allfällige Infektionen früh erkennen und behandeln. Die Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz bietet hierzu eine STI-Sprechstunde an.

 

Jemand ist HIV-positiv, jemand HIV-negativ: Was nun?

Sofern die betroffene Person unter einer wirksamen HIV-Therapie ist, braucht es keinen zusätzlichen HIV-Schutz wie das Kondom oder die PrEP. Dies gilt auch, wenn beide Personen in einer Partnerschaft HIV-positiv und in Behandlung sind. Ein STI-Test sollte hingegen trotzdem gemacht werden, um Infektionen mit anderen Geschlechtskrankheiten auszuschliessen.

 

Neue Safer-Sex-Regeln

Seit der Aids-Epidemie in den 1980er Jahren gab es mehrere medizinische Durchbrüche in der Behandlung von HIV und Aids, ebenso in der Prophylaxe. Verschwunden sind die Ansteckungsrisiken aber nicht. Nach heutigem Wissensstand sind HIV und Aids behandelbar, jedoch nicht heilbar. Darum sind drei Dinge nach wie vor wichtig: die Risiken kennen, sich eigenverantwortlich schützen und wissen, was bei einer Risikosituation zu tun ist.

 

Neue Safer-Sex-Regeln

Dank medizinischer Fortschritte haben sich auch die Safer-Sex-Regeln weiterentwickelt, die über die Benützung von Kondomen hinausgehen. Diese Safer-Sex-Regeln helfen Ihnen, sich vor HIV zu schützen:

 

Kondome bei Analsex, Vaginalsex und Sextoys

Die Kondome müssen intakt sein. Das heisst, sie dürfen nicht alt, abgelaufen, benutzt oder porös sein. Zudem müssen Sie Kondome richtig anwenden, um einen zuverlässigen Schutz zu erreichen.

Mehr zum Schutz mit Kondomen

 

PrEP (= Prä-Expositions-Prophylaxe) als zuverlässiger Schutz vor HIV

Die PrEP ist ein vorbeugendes Medikament, das HIV-negative Personen zum Schutz vor HIV einnehmen. Die PrEP schützt wie das Kondom vor HIV. Allerdings muss die Einnahme unter ärztlicher Kontrolle und nach einem festgelegten Schema erfolgen. Achtung: Nehmen Sie keine PrEP ohne ärztliche Begleitung.

Mehr zur PrEP

 

TasP bzw. #undetectable

Beide Begriffe meinen den Schutz vor HIV dank wirksamer HIV-Therapie. TasP ist die Abkürzung für «treatment as prevention», auf Deutsch: Therapie als Prävention. Der Begriff «undetectable» bedeutet, dass die Virenlast von HIV-Betroffenen unter der Nachweisgrenze liegt. Das heisst, es lassen sich keine HI-Viren nachweisen (= undetectable). HIV-positive Menschen unter der Nachweisgrenze sind somit nicht mehr ansteckbar, auch nicht beim Sex ohne Kondom.

Mehr zum Schutz durch Therapie

 

Wann besteht ein HIV-Risiko?

Zu HIV-Risiken zählen:

  • ungeschützter Anal- und Vaginalverkehr (auch nur kurzes «Dipping» bzw. Eintauchen)
  • geteilte Utensilien beim Drogenkonsum (z. B. Spritzen)
  • Geburt und Stillen

Kein HIV-Risiko besteht in diesen Fällen:

  • Händedruck, Umarmungen
  • Arbeiten und Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Anhusten, Anniesen
  • gemeinsames Benutzen von Geschirr, Besteck, Handtüchern, Bettwäsche, Zahnbürsten, Rasierklingen, Toiletten
  • Betreuen und Pflegen von HIV-positiven Menschen bzw. Menschen mit Aids
  • Erste-Hilfe-Massnahmen, medizinische und kosmetische Behandlungen, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden: Dazu zählen Zahnbehandlungen, Maniküre, Pediküre, Haareschneiden, Barbierbesuche, Piercen und Tätowieren (fragen Sie hier nach dem Hygiene-Protokoll und Einwegnadeln, da beim Tätowieren ein Hepatitis-C-Risiko besteht).
  • Sauna-, Fitness- und Schwimmbadbesuche
  • Küssen, Streicheln und Oralsex
  • Insektenstiche
  • Schweiss, Speichel und Tränen
  • Wunde, Aphte im Mund
  • Kot, Urin (bei Kontakt mit Kot besteht ein Hepatitis-A-Risiko; dagegen können Sie sich impfen lassen)
  • herumliegende Spritzen (HI-Viren sind an der Luft nicht mehr infektiös; bislang ist weltweit noch nie eine Infektion über herumliegende Spritzen nachgewiesen worden)

Zum Oralsex erhalten wir in Beratungen häufig Fragen zum HIV-Risiko: Beim Lutschen oder Lecken des Penis, der Scheide oder des Afters gibt es praktisch kein HIV-Risiko, sogar wenn Sperma, Vaginalflüssigkeit oder Menstruationsblut in den Mund gelangen. Denn die Mundschleimhaut ist sehr stabil und bildet so eine natürliche Barriere gegen HI-Viren. Weltweit sind nur wenige Fälle beschrieben, in denen es auf diesem Weg zu einer HIV-Infektion kam.

 

Safer Sex schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI)

Wichtig zu wissen: Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Chlamydien, Genitalherpes, Syphilis oder Gonorrhö (Tripper) lassen sich trotz Safer-Sex-Regeln übertragen. Denn Kondome schützen nur ausreichend bei Anal- und Vaginalsex vor HIV und anderen STI.

Bei anderen Praktiken sieht die Situation anders aus: Bei Oralsex, Petting, Fingern oder Küssen sind STI-Infektionen möglich. Ausschlaggebend ist dabei der Kontakt mit den Schleimhäuten. Den besten Schutz gegen HIV und STI bieten nur regelmässige Tests und gezielte Impfungen wie gegen Hepatitis A und Hepatitis B oder HPV (= humane Papillomaviren).

Welcher Schutz für Sie am besten geeignet ist, erfahren Sie im Safer-Sex-Check auf lovelife.ch. 

 

Wie häufig soll ich mich testen lassen?

Regelmässige HIV-/STI-Tests sind in diesen Situationen empfohlen: beim Partnerwechsel, beim Beginn einer neuen Beziehung oder bei sexuellen Risikosituationen. So lassen sich allfällige Infektionen früh erkennen und behandeln, aber auch Ansteckungsketten unterbrechen.

Darum empfehlen wir: Je häufiger jemand seine Partner*innen wechselt, umso häufiger sollte er*sie sich auf HIV und STI testen. Und das unabhängig von Symptomen. Dabei gibt es eine Faustregel zur Orientierung:

  • Wer Sex hat: alle zwölf Monate.
  • Wer Sex mit etwa zehn Personen pro Jahr hat: alle sechs Monate.
  • Wer Sex mit mehr als zwanzig Personen pro Jahr hat: alle drei Monate.
  • Wer die PrEP nimmt: alle drei Monate im Rahmen der PrEP-Untersuchung.
  • Wer HIV-positiv ist: im Rahmen der ärztlichen Routinekontrolle.

Zusätzlich sollten Sie sich auf Hepatitis C testen lassen, wenn Sie:

  • HIV-positiv sind: im Rahmen der ärztlichen Routinekontrolle, mindestens einmal pro Jahr.
  • die PrEP nehmen: im Rahmen der PrEP-Untersuchung, mindestens einmal pro Jahr.
  • Sex haben, wo Blut im Spiel ist (Fisting): mindestens einmal pro Jahr.
  • Drogen sniffen oder spritzen: ebenfalls einmal pro Jahr.

Wann, wie und wo Sie sich testen bzw. impfen lassen können, erfahren Sie hier.

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie sind nicht ansteckend.

Welt-Aids-Tag: Stopp Diskriminierung

1. Dezember 2020

Der 1. Dezember findet seit 1988 als Welt-Aids-Tag statt. Das Ziel des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) ist es, Solidarität mit HIV-Betroffenen zu zeigen. Als Fachstelle für Aids- und Sexualfragen beleuchten wir dieses Jahr das Thema HIV/Aids aus drei Perspektiven: persönlich, rechtlich und medizinisch.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild: Aids-Hilfe Schweiz

HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie sind nicht ansteckend.

Obwohl HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie nicht ansteckend sind, erleben sie Diskriminierungen im Alltag.

 

HIV-Betroffene sehen sich auch 2020 mit Diskriminierungen konfrontiert: Sei dies im Liebesleben, im Alltag oder beim Gang zur Zahnarztpraxis. Und das, obschon HIV-positive Menschen unter einer wirksamen HIV-Therapie nicht mehr ansteckend sind. In der Schweiz sind das immerhin 95 % aller HIV-positiven Personen. Doch nur 10 % der Bevölkerung wissen das. Es wird Zeit für ein HIV-Update.

 

HIV ist längst kein Todesurteil mehr. Trotzdem erleben HIV-Betroffene auch 2020 Diskriminierungen.

HIV ist längst kein Todesurteil mehr. Trotzdem sind HIV-Betroffene auch 2020 Diskriminierungen ausgesetzt. Bild: pixabay.com.

 

Die entschärfte Bombe

Er sei eine entschärfte Bombe, erzählt Riccardo (36) aus Winterthur. Dank seiner HIV-Therapie ist er nicht mehr ansteckend – auch beim Sex ohne Kondom. Trotzdem stösst er auf Dating-Portalen auf Ängste und Vorbehalte: Männer, denen er von seinem HIV-Status erzählt, suchen das Weite.

Dies ist einer der Gründe, warum uns Riccardo nur in anonymisierter Form über sein Leben mit HIV berichtet. Dennoch will er aufklären und zeigen, dass ein Leben mit HIV heute völlig normal abläuft: Das einzige, was sich bei ihm im Alltag geändert hat, ist die Medikamenteneinnahme. Ansonsten fühlt er sich fit wie vor seiner HIV-Infektion.

Warum es noch Diskriminierungen gibt und wie seine Freunde auf seine HIV-Infektion reagiert haben, gibt’s im Porträt nachzulesen: «Ich bin entschärft.»

 

«HIV/Aids: Die Bevölkerung braucht dringend ein Update.» Caroline Suter, stellvertretende Geschäftsleiterin und Leiterin der Rechtsberatung bei der Aids-Hilfe Schweiz. Bild: Marilyn Manser.

 

Die Gesellschaft braucht dringend ein HIV-Update

Sobald HIV und Aids als Schlagworte auftauchen, haben viele Menschen noch immer die dramatischen Bilder der 80er Jahre im Kopf: abgemagerte Körper, Lungenentzündungen, Hautkrebs. Darum braucht die Gesellschaft dringend in HIV-Update, wie Caroline Suter im Interview erklärt: Sie ist bei der Aids-Hilfe Schweiz stellvertretende Geschäftsleiterin und Leiterin der Rechtsberatung und berät HIV-Betroffene in Diskriminierungsfällen.

Jährlich erhält die Aids-Hilfe Schweiz hundert solcher Diskriminierungsmeldungen. Die Dunkelziffer liege jedoch um ein Zehnfaches höher. Erschreckend dabei: Die meisten Diskriminierungsmeldungen erfolgen im Gesundheitswesen. Da gibt es Zahnarztpraxen, die HIV-Betroffenen nur Randtermine geben, weil sie angeblich eine besondere Desinfektion der eingesetzten Instrumente vornehmen müssen. Oder auch Physiotherapie- und Allgemeinpraxen, die eine Behandlung abbrechen, sobald sie vom HIV-Status einer betroffenen Person erfahren.

Welche weiteren Diskriminierungen HIV-positive Menschen erleben, erzählt Caroline Suter im Interview: «HIV/Aids: Die Bevölkerung braucht dringend ein Update.»

 

Prof. Dr. med. Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital St.Gallen (KSSG). Bild: KSSG.

Prof. Dr. med. Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene bei HOCH Health Ostschweiz (ehemals Kantonsspital St.Gallen (KSSG). Bild: KSSG.

 

Ist HIV in naher Zukunft heilbar?

Ja, wenn es um die Einschätzung von Pietro Vernazza geht: Der Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene bei HOCH Health Ostschweiz ist überzeugt, dass eine Heilung von HIV in näherer Zukunft möglich sein wird. Es gebe einen Therapieansatz mit körpereigenen T-Zellen, der in Tierversuchen bereits erfolgreich getestet worden ist.

Im Interview beschreibt er zudem, wie sich die HIV-Prävention seit den Anfängen entwickelt hat, aber nicht nur: Er nimmt zu den aktuellen HIV-Infektionen Stellung sowie zur PrEP – der Präexpositionsprophylaxe. Das ist ein HIV-Medikament, das HIV-negative Personen einnehmen, um sich prophylaktisch gegen HIV zu schützen. Die tägliche PrEP-Pille bietet denselben zuverlässigen Schutz vor HIV wie ein Kondom und zählt seit wenigen Jahren ebenfalls zum Safer Sex – nebst der HIV-Therapie (TasP).

Ob es die Schweiz schafft, die HIV-Infektionen bis 2030 auf null zu senken und wie die HIV-Prävention global aussieht, zeigt Pietro Vernazza im Interview auf: «Ist eine Heilung von HIV/Aids in näherer Zukunft möglich?»

 

Medien: News, Medienmitteilungen, Anfragen

Arbeiten Sie in den Medien? Oder möchten Sie sich über unsere Arbeit in der Öffentlichkeit informieren? Auf unserer Medienseite finden Sie dazu interne und externe Publikationen sowie Mitteilungen.


Aktuelle Medienmitteilungen der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen

Ob HIV-/STI-Testaktionen, Podiumsdiskussionen oder Open-Air-Teilnahmen – hier informieren wir Sie laufend über unsere Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit.

Aids‑Hilfe St.Gallen‑Appenzell feiert 40 Jahre engagierte Aufklärungs- und Präventionsarbeit
PDF zur Medienmitteilung (11.11.2025)

Wenn eine Safer-Sex-Fee aufklärt
PDF zur Medienmitteilung (19.02.2025)

Neue Impulse für die Aids-Hilfe St.Gallen-Appenzell (AHSGA): Ein Gespräch mit der neuen Präsidentin Andrea Schöb
PDF zur Medienmitteilung (19.02.2025)

Reden über HIV – auch am Theater St.Gallen
PDF zur Medienmitteilung (15.05.2024)

Living Library: Eintauchen in queere Lebenswelten mit anschliessender Vielfalt-Party
PDF zur Medienmitteilung (16.11.2022)

Living Library: Lernen Sie Menschen aus der LGBTIQA+ Community kennen
PDF zur Medienmitteilung (01.11.2021)

Transgender Day of Visibility (TDoV): Tag der Sichtbarkeit von trans Menschen 2021
PDF zur Medienmitteilung (29.03.2021)

Living Library: LGBTIQA+ Begegnung im Zeichen des Regenbogens
PDF zur Medienmitteilung (21.09.2020)

Anti-Rassismus-Strafnorm: Ein Ja stärkt die Schweizer Demokratie
PDF zur Medienmitteilung (04.02.2020)

 


News-Blog zur sexuellen Gesundheit und zur sexuellen Bildung

Wir veröffentlichen regelmässig Beiträge in unserem News-Blog. Unter anderem berichten wir über diese Themen und Anlässe:

  • Kampagnen zur HIV-/STI-Prävention
  • Anlässe zur HIV-/STI-Prävention, z. B. in Form von Open-Air-Teilnahmen, Podiumsdiskussionen oder Tagungen
  • Schulprojekte
  • Interviews mit Expert*innen zu den Themen HIV, Aids und STI
  • Persönliche Geschichten von Betroffenen
  • Öffentlichkeitsarbeit, die die LGBTIQA+ Community stärkt
  • Fachbeiträge zu relevanten Themen aus der sexuellen Gesundheit und sexuellen Bildung
Für weitere Auskünfte nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Telefonzeiten

Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

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Medienberichte über die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen

Hier finden Sie sämtliche Artikel, Interviews und Beiträge, die Medien über die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen publiziert haben.

Aids-Hilfe St. Gallen-Appenzell feiert Jubiläum mit Benefizabend
mannschaft.com (17.11.2025)

40 Jahre engagierte Aufklärungs- und Präventionsarbeit
toggenburg24.ch (13.11.2025)

Aids-Hilfe St.Gallen-Appenzell feiert 40 Jahre Aufklärungs- und Präventionsarbeit
stgallen24.ch (13.11.2025)

Abstimmen über gratis STI-Tests: Sexuelle Gesundheit kostet
Saiten (13.11.2025)

Abstimmung Stadt St.Gallen zur Initiative «Sex? Aber safe!»
SRF Schweiz aktuell (10.11.2025)

St.Galler Stadtrat lehnt die Initiative «Sex? Aber safe!» der Jungen Grünen ab
St.Galler Tagblatt (10.11.2025)

Stadtrat gegen Initiative «Sex? Aber safe!»
Gossauer Nachrichten (17.04.2025)

Stadtrat will keine Gratistests
St.Galler Tagblatt (16.04.2025)

Veranstaltung zum Transgender Day of Visibility
Saiten (31.03.2025)

«Woher weiss der Penis, in welches Loch er muss?» – Aufklärung im Schulzimmer
Saiten (10.02.2025)

Queere Menschen haben nach wie vor eine deutlich höhere Suizidrate als die Durchschnittsbevölkerung – der Thurgauer Adrian Knecht setzt auf mehr Aufklärung an Schulen
Thurgauer Zeitung (27.08.2024)

Junge Grüne St.Gallen wollen Gratis-Tests für Geschlechtskrankheiten – Expertin ordnet ein
FM1 Today (20.08.2024)

Pink Cross-Präsident Adrian Knecht nach Ralf Schumachers Coming-out: «Im Sport herrscht ein toxisches Männlichkeitsbild»
Schweizer Illustrierte (27.07.2024)

Digitale Lernplattform sexuelle Bildung nach Unterrichtskonzept Flipped Classroom (Vorprojekt)
Hochschule Luzern (HSLU) (01.07.2024)

Musical Rent – HIV war damals lebensbedrohlich
Queer Lake (23.05.2024)

Reden über HIV – auch am Theater St.Gallen
Die Ostschweiz (15.05.2024)

Pride Month 2023: Rückblick – Restrospective
prisma (28.01.2024)

Die Community macht Schule – Lehrplan Q in Aktion
MANNSCHAFT (21.01.2024)

Im Kampf gegen Chlamydien und Syphilis: St.Galler Regierung lehnt Gratistests für sexuell übertragbare Krankheiten ab
Tagblatt (08.11.2023)

Kennenlernen im Zeitraffer: Queeres Speedfriending im St.Gallen Libre
MANNSCHAFT (08.11.2023)

St. Gallen: Keine Gratis STI-Tests für Junge
Queer Lake (02.11.2023)

Inklusion ist, wenn es die «Bubble» nicht mehr braucht
Saiten (31.10.2023)

Podiumdiskussion für ein inklusives St.Gallen
Pride Month (30.10.2023)

St. Galler Regierung gegen Gratis-Test für Tripper & Co
toggenburg24.ch (29.10.2023)

Andreas Oberholzer über die Erfolgsgeschichte des Pride Month an der HSG
Universität St.Gallen (HSG) (17.10.2023)

Queeres Speedfriending
Pink Cross (04.10.2023)
St.Gallen-Bodensee Tourismus (04.10.2023)

Eintauchen in die queere Geschichte der Stadt
St.Galler Tagblatt (12.07.2023)

«Ideologisch», «moralisierend», «bevormundend»: Der Genderstern als böser Feind im Kreuzlinger Gemeinderat
Thurgauer Zeitung (12.05.2023)

«Gemeinsam unterwegs» – ein Elternbildungsmodul zum Umgang mit Vielfalt in Geschlechtsidentität
Kanton St.Gallen (30.03.2023)

Erste Pride Parade in St.Gallen – Mitveranstalter Andi Giger: «Ich möchte gefahrlos zum Bahnhof spazieren können – ohne oder mit Freund»
St.Galler Tagblatt (11.03.2023)

Geschlechterklischees überwinden
Pfarrei Forum (28.11.2022)

Diskussion um LGBTI-Label: Das sagen Betroffene und Verbände
St.Galler Tagblatt (25.11.2022)

Braucht die Stadt St.Gallen ein LGBTI-Label? Das sagen Betroffene und Verbände
Luzerner Zeitung (25.11.2022)

SEX DAYS: DAY 2 ORGASMS & STIS
Square HSG St.Gallen (04.10.2022)

«Chemsex – mehr als Sex unter Drogen»: Ein unerforschtes Phänomen im Gesundheitswesen
Swiss Medical Forum (22.06.2022)

Männlichkeit matters
Saiten (17.06.2022)

LGBTQIA+-Community: «Schulen müssen Aufklärungsarbeit leisten»
FM1 Today (15.06.2022)

Mächtig ohnmächtige Männer
MANNSCHAFT (15.06.2022)

Das musst du über den Pride Month wissen.
FM1 Today (03.06.2022)

Kern als Ratsschreiber gewählt
stgallen24.ch (06.05.2022)

Pink Cross Co-Präsident aus dem Thurgau​
Kreuzlinger Nachrichten (04.04.2022)

Fragen zur sexuellen Orientierung? Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen gibt anonym Auskunft.
St.Galler Tagblatt (24.03.2022)

«Von einem Idealzustand sind wir noch weit entfernt»
Die Ostschweiz (28.02.2022)

Frische Energie für die Zukunft
Pink Cross (24.02.2022)

«Ein grosser Schritt in die richtige Richtung»: Kanton St.Gallen will Beratungsnetz für queere Jugendliche ausbauen
St.Galler Tagblatt (28.01.2022)

St.Gallen möchte mehr Schutz für nicht heterosexuelle Menschen
Radio Liechtenstein (26.01.2022)

Kanton will LGBTIQ*-Beratung ausbauen
Saiten (26.01.2022)

Schikanen für queere Community beseitigen: Zwei Politisierende aus der Region setzen sich ein
Werdenberger und Obertoggenburger (19.01.2022)

Tabus brechen: Queers erzählen von Liebe, Outing und Hass
TVO (07.11.2021)

Living Library in St.Gallen
Queer Lake (07.11.2021)

«Für viele war es die erste Begegnung mit einem Bisexuellen»
Die Ostschweiz (05.11.2021)

Begegnungen mit queeren Menschen
stgallen24 (04.11.2021)

Klischees hinterfragen und Vorurteile abbauen: Queere Personen laden am Sonntag zum Tischgespräch ein
St.Galler Tagblatt Live-Ticker (04.11.2021, 16:05)

Living Library: Begegnungen mit queeren Menschen
Kanton St.Gallen (04.11.2021)

The winner takes it all! 25hours feiert “Ehe für alle” mit B.U.T.C.H.E.S. & F.A.G.S.
25hours Hotels Zürich (17.09.2021)

Eine Zeltstadt für Respekt und Frieden in St. Gallen
SRF (16.09.2021)

«Meine Mutter hatte das Gefühl, eine Tochter zu verlieren»: Ein 21-jähriger Transmann erzählt von seinem Coming-out und seiner Transition.
St.Galler Tagblatt (08.09.2021)

Eine filmische Begegnung mit trans Jugendlichen
Die Ostschweiz (02.09.2021)

Filmische Begegnung mit Transjugendlichen
stgallen24.ch (02.09.2021)

«Wir müssen unbedingt mehr Junge an die Urne bringen»
Saiten (27.01.2021)

Ein soziales pornografisches Netzwerk
Gastbeitrag in den Swiss Aids News (SAN: S. 16–18) (09.08.2021)

Homophobie: Wer hilft bei Hate Crimes?
rheintal24 (10.06.2021)

Hass gegen Schwule: Wer hilft bei Hate Crimes?
stgallen24 (10.06.2021)

Queere Stimme für den Thurgau – wer macht mit?
Queer Lake (20.05.2021)

Referendum eingereicht: Ehe für Alle kommt an die Urne
TVO (12.04.2021)

Kinderzimmer in Rosa und Hellblau? DAS ist Gender-Gaga!
MANNSCHAFT (10.04.2021)

Coming-out im Neckertal – eine Zeitreise
DISPLAY (01.04.2021)

Wenn das Aussen nicht mit dem Innen übereinstimmt
hallowil.ch (31.03.2021)

Gemeinsam für mehr Trans-Sichtbarkeit
stgallen24 (31.03.2021)

Gemeinsam für mehr Trans-Sichtbarkeit
linth24.ch (31.03.2021)

Trans Menschen zeigen sich
Queer-Lake.net (31.03.2021)

Am Mittwoch sollen Probleme von Transgender-Menschen sichtbar gemacht werden: Aufruf für mehr Toleranz und Akzeptanz
Grenchner Tagblatt (29.03.2021)

Vatikan: Kein Segen für homosexuelle Paare
TVO (16.03.2021)

Liebe dich wie deinen Nächsten – Selbstbefriedigung ist gesund!
MANNSCHAFT (26.02.2021)

«In der Coronakrise könnte die Arbeit rund um Aids zusammenbrechen»
FM 1 Today (01.12.2020)

HIV im Jahr 2020: Die Bevölkerung braucht dringend ein Update
MANNSCHAFT (01.12.2020)

«Living Library»: Regenbogenvielfalt in St.Gallen
MANNSCHAFT (10.10.2020)

HIV-Tests und Gespräche mit queeren Menschen
FM 1 Today (06.10.2020)

«Jeden Sonntag musste ich mich zurückverwandeln»
MANNSCHAFT (03.10.2020)

Die LGBTIQ Community hat viel erreicht, aber auch noch viel vor
MANNSCHAFT (21.09.2020)

Vertraut anders. Ein Porträt über eine polyamouröse Regenbogenfamilie aus der Ostschweiz:
MANNSCHAFT (13.07.2020)

Interview-Reihe zum Coming-out mit «Die Ostschweiz»:
Joel Müller (30.06.2020)

Predrag Jurisic (13.07.2020)

Pascal Rotach (19.07.2020)

Fritz Rufer (22.07.2020)

Coming-out: Es braucht mehr Vorbilder wie Curdin Orlik
MANNSCHAFT (13.03.2020)

So sieht der Sexualunterricht von heute aus
stgallen24.ch (04.03.2020)

«Let’s Talk About Sex» – Sexualaufklärung und Gleichstellung
Kanton St.Gallen (02.03.2020)

Aufklärung und Gleichstellung
linth24.ch (02.03.2020)

«Ein Ja am 9. Februar stärkt die Aufklärung an Schulen»
MANNSCHAFT (31.01.2020)

 

Aids-Hilfe St.Gallen / Appenzell sucht einen MSM-Mitarbeiter (80%)
Queer Lake (15.08.2019)

«Die Schweiz hinkt bei Transmenschen hinterher»
Radio FM1 (15.07.2019)

Otherside – die andere Seite der Queers
kanti live (29.03.2019)

HIV-Selbsttest aus der Apotheke – Fachleute mahnen: «Bezüger sollten mit dem Ergebnis nicht alleine gelassen werden»
St.Galler Tagblatt (22.02.2019)

«Frau Meier? In Ihrer Krankenakte steht aber Herr Meier!»
Swiss Aids News SAN (Juli 2018, S. 6–9)

AIDS: Was taugt der HIV-Test für zu Hause?
Der Beobachter (28.06.2018)

«Es ist wichtig, über Pornos zu reden»
FM1 Today (17.01.2018)

Akzeptanz von Homosexuellen – mehr Schein als Sein?
MANNSCHAFT (18.12.2017)

«Ich hatte lange Zeit Angst, dass mich die Frauen von der Bettkante stossen»
Saiten (30.11.2017)

Belastung statt Betreuung
VSAO Journal Nr. 4 (August 2017)

«Schwul sein ist keine Qualifikation»
Südostschweiz (27.05.2017)

Ein kritischer Rückblick auf die Podiumsdiskussion «Vielfalt im Alter» in St.Gallen
hab queer bern (21.05.2017)

Führungswechsel bei der Aidshilfe
Limmattaler Zeitung (13.05.2017)
Appenzeller Zeitung (13.05.2017)
Grenchner Tagblatt (13.05.2023)

Aids-Hilfe St.Gallen mit neuer Führung
Südostschweiz (12.05.2017)

«Natürlichkeit – das ist das A und O»
MANNSCHAFT (02.04.2017)

Sprechstunde Gendervarianz in St.Gallen
Queer Lake (14.03.2017)

OSTSCHWEIZ: Wenn man anders liebt
St.Galler Tagblatt (22.02.2017)

Ein kritischer Rückblick auf die Podiumsdiskussion «Vielfalt im Alter» in St.Gallen
hab queer bern (21.01.2017)

Vielfalt im Alter: wenig Wissen vorhanden
Queer Lake (16.01.2017)

Schwul und lesbisch: doch nicht so cool?
Queer Lake (20.12.2016)

Impressionen der 2. Aids Charity, St. Gallen
Queer Lake (02.12.2016)

Aids und HIV-Positiv auch in Liechtenstein ein Thema
Radio Liechtenstein (01.12.2016)

«Vergessen ist ansteckend»
Saiten (29.11.2016)

Bi üs im Thurgau gits das nöd …
Queer Lake (23.11.2016)

«Ich möchte als eine der unendlich vielen Varianten von Frausein akzeptiert werden»
Franziska Schutzbach/LOS-INFO 3/2016 (23.11.2016)

«Die Schweiz hinkt bei Transmenschen hinterher» (dreiteilige Serie «Gott und d Wält» zu Trans- und Intermenschen zum Nachhören)
Radio FM1 (22.11.2016)

1. Dezember: Aids-Charity in St.Gallen
Queer Lake (21.11.2016)

Bei Sack&Pack sich testen lassen
Queer Lake (04.11.2016)

«Sich testen lassen bringt’s»
Queer Lake (25.10.2016)

Auf zum gratis Syphilis-Test
Queer Lake (28.09.2016)

LGBTI und HIV+/aidskranke Menschen in Alters- und Pflegestrukturen
hab queer bern (24.09.2016)

Lesben, Schwule und Transsexuelle auf der Flucht
Saiten (19.09.2016)

«Wir wollen alle Gruppen erreichen – egal, ob lesbisch, schwul, bi oder trans»
Saiten (02.09.2016)

Queer Refugees – Auch rund um den Bodensee!
Queer Lake (31.08.2016)

Anonyme HIV-Tests im Mann-o-Mann
Queer Lake (24.08.2016)

«I just started to change my mind»
Queer Lake (09.08.2016)

Sex ohne Gummi? Geht das nun?
Queer Lake (03.08.2016)

Der Weg für Trans-Personen ist steinig
Queer Lake (19.07.2016)

Internalisierte Homophobie
Queer Lake (04.07.2106)

Beherzter Aufklärer und kritischer Antreiber
Zuger Zeitung (28.06.2016)
St.Galler Tagblatt (28.06.2016)
BZ Basler Zeitung (28.06.2016)

Kinder kriegen – klar doch!
magazin.hiv (17.06.2016)

«Kennt ihr euren Testosteronspiegel?»
Network Schweiz (01.06.2016)

IDAHOT EVENTS 2016: SWITZERLAND
may17.org (17.05.2016)

Gründe für Transphobie in der lesbischen Community
LOS Info Nr. 3 (Mai 2016)

Queering Psychotherapie: Geschlechtervarianz, Geschlechtsidentität und die Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit
Arbeit erschienen in Psychotherapie-Wissenschaft Band 6 / Heft 2 (26.01.2016)
Ganzes Heft 2 hier als Download

 

Keine Erfassung antischwuler Gewalt
St.Galler Nachrichten (09.07.2015)

Der Wert der Vielfalt auch in der Sexualität
St.Galler Nachrichten (28.06.2015)

Der Wert der Vielfalt auch in der Sexualität
Herisauer Nachrichten (28.06.2015)

«Ein Präventionshaus für die Ostschweiz»
SRF (17.03.2015)

Sexualpädagogischer Leerplan
Saiten (27.01.2015)

 

Rastplatz-Sex bleibt gefährlich
Südostschweiz (19.06.2014)

Voll im Saft
Bistum St.Gallen (28.03.2014)

Im Einsatz für sexuelle Gesundheit
St.Galler Nachrichten (10.10.2013)

Schläpfer übergibt Amt an Baeriswyl
St.Galler Tagblatt (09.03.2013)
Nidwaldner Zeitung (09.03.2023)

 

«Aids nicht banalisieren»
Luzerner Zeitung (02.12.2012)

Detektivisch gegen HIV
Limmattaler Zeitung (27.10.2012)

«Rastlos-Mobil» gegen HIV
St.Galler Tagblatt (26.10.2012)

Zum Feierabendbier ein HIV-Test
Thurgauer Zeitung (18.10.2012)

Zweiter St. Galler Kreuzweg
Bistum St.Gallen (03.08.2012)

«Vorsichtiger als Heterosexuelle»
St.Galler Tagblatt (29.02.2012)

Sexualität im Leben der Kinder
Teufener Post (01.02.2012)

Aids
WOZ – Die Wochenzeitung (01.12.2011)

«Im Minimum en Gummi drum»
St.Galler Tagblatt (25.11.2011)

Lernen, wie Sexualität funktioniert
St.Galler Tagblatt (11.07.2011)

Schüler sprechen ungehemmt über Sex, Liebe und Aids
Südostschweiz (19.05.2011)

Wissenswertes zu Liebe und Erotik
St.Galler Tagblatt (08.02.2011)

Solidaritäts-Tisch für Aidskranke
St.Galler Tagblatt (15.11.2010)

Theater um Sex und Aids
St.Galler Tagblatt (24.08.2010)

Theater als Prävention
Appenzeller Zeitung (24.08.2010)

«Aids ist immer noch tödlich»
St.Galler Tagblatt (12.07.2010)

HIV und Aids auch am Kathi ein Thema
St.Galler Tagblatt (17.05.2010)

Sicher im Verkehr
St.Galler Tagblatt (07.05.2010)

SchutzFaktor6
St.Galler Tagblatt (07.05.2010)

Gabriela Jaegge
NZZ (02.12.2007)

Welt-Aids-Tag 2007 :«Work Place Policy» für Menschen mit HIV
RAOnline (01.11.2007)

Sauna, Sex and Piercing – und die «innocent bystander»
infekt.ch Blog (25.03.2007)

Aids-Präventionskampagne wird international
persoenlich.com (02.05.2006)

Mit Kondomdose und Selbstbewusstsein: Aids-Hilfen wenden sich an «Frauen unterwegs»
PRESSEPORTAL (21.10.2003)


Offizielle Bilder, Logos und Videos

Unsere Präventionsarbeit in Bildern finden Sie in unserem Bildarchiv. Alle unsere Videos befinden sich auf unserem YouTube-Kanal.

Falls Sie weitere Bilder, Videos oder Logos der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in Ihren Medienbeiträgen verwenden möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf: info@ahsga.ch / 071 223 68 08.

Für weitere Auskünfte nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Telefonzeiten

Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
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geschlossen

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Medienkontakt für Anfragen und Auskünfte

Adrian Knecht

Adrian Knecht

Geschäftsleitung

adrian.knecht@ahsga.ch

Beratung für Sexworker*innen

Sexwork: Beratung und Infos zu HIV, STI und Safer Sex

Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen informiert und berät mit ihrer Partnerorganisation MariaMagdalena:

  • Menschen, die im Sexgewerbe arbeiten
  • Menschen, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen
  • Menschen, die Erotik- und Sexlokale betreiben

Wir sprechen über HIV und sexuell übertragbare Infektionen (STI), Test- und Schutzstrategien sowie Safer Sex.

Angebote und Infos zur sexuellen Gesundheit


Beratung für Männer, die als Male Sexworker arbeiten

Bietest du als Mann sexuelle Dienstleistungen für Männer an – regelmässig oder gelegentlich? Dann ist es wichtig, deine sexuelle Gesundheit zu schützen und die Safer-Sex-Regeln zu kennen.

Wir beraten dich kostenlos und diskret zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI), Tests, Impfungen sowie zu gesundheitlichen Fragen rund um Sexwork.

Zur Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Folge uns auch auf Instagram. Dort informieren wir regelmässig über HIV-/STI-Testaktionen in der Region. Weitere Informationen zu Sexwork in der Schweiz findest du bei MariaMagdalena.

  • Lass dich regelmässig auf HIV und STI testen – mindestens einmal pro Jahr, bei häufig wechselnden Partnern mindestens zweimal. 
  • Lass dich gegen Hepatitis A und B sowie HPV impfen. Die HPV-Impfung wird für Personen unter 27 Jahren von der Krankenkasse übernommen, Hepatitis B unabhängig vom Alter (jeweils abzüglich Franchise und Selbstbehalt). Hepatitis A zahlst du selbst; bei Kombiimpfungen wird der Hepatitis-B-Anteil übernommen. 
  • Suche bei Jucken, Brennen, Ausschlag, Bläschen oder anderen Veränderungen frühzeitig ärztliche Hilfe. 
  • Verzichte bei einer STI bis zur Ausheilung auf Sex und informiere deine Sexualpartner, damit sie sich testen und behandeln lassen können.

 

Nutze die regelmässigen HIV-/STI-Testangebote unserer Fachstelle. Ausserhalb unserer Testangebote bietet dir die anonyme Sprechstunde für sexuell übertragbare Krankheiten (STI) von HOCH Health Ostschweiz Tests und Beratungen an.


Maria Magdalena: Beratung für Personen im Sexgewerbe

Arbeitest du im Sexgewerbe und hast Fragen zur sexuellen Gesundheit? Oder hast du Fragen zu Sozialversicherungen, Krankenkasse, Steuern oder Saloneröffnung? Maria Magdalena bietet dir dazu anonyme und kostenlose Beratungen und Informationen.

Maria Magdalena …

  • setzt sich zum Ziel, die Gesundheit und Lebensqualität der Personen im Sexgewerbe zu optimieren. Und zwar durch die Förderung der Sozialkompetenz und den Zugang zu Angeboten im Gesundheits- und Sozialbereich sowie im Rechtssystem.  
  • führt Prävention und Gesundheitsförderung in den Angeboten des Sexgewerbes im Kanton St.Gallen mittels der aufsuchenden Sozialarbeit durch. 
  • vermittelt Informationen über HIV/Aids und weitere sexuell übertragbare Infektionen. 
  • ist Mitglied der Aids-Hilfe Schweiz und verantwortlich für die Umsetzung des nationalen Präventionsangebotes «Aidsprävention im Sexgewerbe » (APiS) im Kanton St.Gallen. 
  • unterstützt Einzelpersonen und Gruppen im Sexgewerbe durch Information, Beratung und Begleitung. 
  • bietet in der Beratung Informationen zum Gesundheits-, Sozial- und Rechtssystem in der Schweiz und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. Dabei werden die spezifischen Gegebenheiten des Sexgewerbes und insbesondere die migrationsspezifischen Aspekte berücksichtigt. Die Beratung und Begleitung von Personen im Sexgewerbe und/oder deren Umfeld ist als ein komplexer, integrativer und interdisziplinärer Prozess mit systemischem Verständnis und sozialarbeiterischen Handlungskompetenzen zu verstehen. 

Die Angebote sind anonym und kostenlos; die Mitarbeitenden stehen unter der beruflichen Schweigepflicht.

Quelle: Maria Magdalena

Kontakt

Maria Magdalena
Beratungsangebot für Personen im Sexgewerbe
Friedaustrasse 1
9000 St. Gallen

mariamagdalena.sg.ch
+41 058 229 21 67
info.mariamagdalena@sg.ch

Maria Magdalena in verschiedenen Sprachen

Möchtest du dich regelmässig und anonym auf HIV und STI testen lassen? Dann wende dich an die anonyme Sprechstunde bei der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz.


Beratung für Personen, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen

 

Nimmst du sexuelle Dienstleistungen in Anspruch? Dann lohnt es sich, deine sexuelle Gesundheit im Blick zu behalten. So kannst du dich und andere vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen. 

  • Handle respektvoll und fair gegenüber Sexarbeitenden. 

 

Ein HIV-Risiko besteht bei: 

  • ungeschütztem Anal- und Vaginalverkehr 
  • gemeinsam benutztem Drogenkonsummaterial 
  • Gemeinsame Benutzung von Sextoys ohne Kondom 

Kein HIV-Risiko besteht durch: 

  • Küssen  
  • Oralsex 
  • Gegenseitiges Befriedigen mit der Hand oder mit Fingern 
  • Schweiss, Speichel oder Tränen 

Kondome schützen zuverlässig vor HIV, jedoch nicht vor allen anderen STI wie Syphilis (Lues), Chlamydien oder Tripper (Gonorrhö). Diese können auch beim Küssen, Fingern oder Oralsex übertragen werden. 

Maria Magdalena unterstützt Menschen, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Das Angebot hilft dabei, HIV und STI vorzubeugen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexarbeit zu fördern. 

Die Beratung kann unter anderem helfen bei: 

  • Fragen zu Safer Sex sowie HIV und STI 
  • emotionalen Belastungen oder Konflikten 
  • finanziellen Problemen durch häufige Besuche 
  • regelmässigem oder zwanghaftem Konsum sexueller Dienstleistungen 

 

Kontakt

Maria Magdalena
Beratungsangebot für Personen, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen
Friedaustrasse 1
9000 St. Gallen

mariamagdalena.sg.ch
+41 058 229 21 67
info.mariamagdalena@sg.ch

 

Möchtest du dich regelmässig und anonym auf HIV und STI testen lassen? Dann wende dich an die anonyme Sprechstunde bei der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz.


Beratung und Information für Betreiber*innen von Erotik- und Sexlokalen

Wenn du ein Erotik- oder Sexlokal betreibst, kannst du einen grossen Beitrag an die Gesundheit von Sexarbeiter*innen sowie deren Kundschaft leisten.

Maria Magdalena unterstützt dich gerne mit:

  • Beratung und Informationen vor Ort
  • Vermittlung weiterer Fachstellen bei gesundheitlichen, rechtlichen oder sozialen Fragen

 

Kontakt

Maria Magdalena
Beratungsangebot für Personen im Sexgewerbe
Friedaustrasse 1
9000 St. Gallen

mariamagdalena.sg.ch
+41 058 229 21 67
info.mariamagdalena@sg.ch

HIV/STI, Sexualität und Rechte: Infos und Beratung für Migrant*innen

Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen informiert und berät Menschen mit MigrationshintergrundWir sprechen über HIV/STI, Sexualität, Beziehungen, Schwangerschaft und Gesetze zu Sexualität und Pornografie in der Schweiz. 

Angebote und Infos für Migrant*innen

 

Hier findest du verständliche Informationen zu deinem Körper, zu deiner Sexualität und zu deiner sexuellen Gesundheit. Zudem erfährst du mehr über Familienplanung und Schwangerschaft, Beziehungen sowie Rechte und Gesetze. 

Für weitere Informationen empfehlen wir die Plattform «Zanzu». Sie bietet leicht verständliche Inhalte in mehreren Sprachen – mit Bildern sowie Texten zum Lesen und Anhören. 

Ebenfalls hilfreich ist die Broschüre «Klipp und klar» der Stadt Zürich. Sie erklärt das Thema sexuelle Gesundheit in leichter Sprache und richtet sich an Menschen ab 16 Jahren. 

 


Gesundheits-TISCHE für Migrant*innen

Gesundheits-TISCHE ist ein Angebot der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen mit moderierten Gesprächsrunden zur sexuellen Gesundheit. Es richtet sich an Frauen und Männer aus Ländern wie Eritrea, Somalia und Ukraine. 

Gesundheits-TISCHE ist ein Präventions- und Gesundheitsförderungsprogramm in verschiedenen Sprachen. Es basiert auf dem bewährten Programm «Femmes-Tische» und wird seit vielen Jahren in der Schweiz und weiteren Ländern erfolgreich umgesetzt.

In kleinen Gesprächsgruppen sprechen die Teilnehmenden über Themen wie:  

  • HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) 
  • sexuelle Gesundheit 
  • Homosexualität 
  • Diskriminierung  
  • weibliche Genitalverstümmelung

Die Treffen finden in einem geschützten Rahmen statt – privat oder in einer Institution. Geschulte Moderator*innen leiten die Gespräche. Gemeinsam tauschen sich die Teilnehmenden über Gesundheit, Familie und das Leben in der Schweiz aus. 

Bist du interessiert? Dann ruf uns an oder schreib uns: 071 223 68 08 | info@ahsga.ch

Weitere Treffpunkte und Angebote der Caritas Schweiz 


Schutz vor HIV und STI

Bei ungeschütztem Anal- oder Vaginalsex lassen sich HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) übertragen. Welche Schutzmöglichkeiten es gibt und wo du dich testen lassen kannst, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Vor HIV schützt du dich am besten mit einem Kondom beim Anal- oder Vaginalsex. Verwende auch ein Kondom, wenn du Sexspielzeuge (Sextoys) mit anderen Personen teilst. 

Kondome senken zudem das Risiko, sich beim Anal- oder Vaginalsex mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) anzustecken. Einen vollständigen Schutz bieten sie jedoch nicht. Denn einige STI können auch auf anderen Wegen übertragen werden: 

  • beim Oralsex 
  • beim Küssen 
  • durch direkten Hautkontakt, zum Beispiel mit Herpesbläschen, Geschwüren bei Syphilis, Genitalwarzen oder Hautveränderungen bei Mpox

Gegen einige STI gibt es Impfungen, die wir dir empfehlen:

  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • HPV (Humane Papillomaviren)

Die HPV-Impfung wird für Personen unter 27 Jahren von der Krankenkasse übernommen, Hepatitis B unabhängig vom Alter (jeweils abzüglich Franchise und Selbstbehalt). Hepatitis A zahlst du selbst; bei Kombiimpfungen wird der Hepatitis-B-Anteil übernommen. 

Möchtest du dich auf HIV oder andere STI testen lassen? Oder möchtest du dich beraten oder impfen lassen? 

Gemeinsam mit der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz bieten wir dir eine unkomplizierte Anlaufstelle. Du kannst dich anonym testen lassen und direkt einen Termin vereinbaren. 

Sprechstunde für sexuell übertragbare Krankheiten (STI) von HOCH Health Ostschweiz: 

Kantonsspital St.Gallen, Haus 20, 2. Stock
Tel +41 71 494 10 28
E-Mail infektiologie@h-och.ch  

Montag bis Freitag
8–12 und 14–17 Uhr
Online Termin vereinbaren

Offene Sprechstunde ohne Termin:
Freitag, 14:30–16:00 Uhr 

Folgende Tests stehen zur Verfügung – einzeln oder als kombinierter HIV-/STI-Test: 

  • HIV-Test (Blutprobe) 
  • Syphilis-Test (Blutprobe) 
  • Chlamydien-Test (Abstrich im Mund-, Genital- und/oder Analbereich) 
  • Tripper-Test (Abstrich im Mund-, Genital- und/oder Analbereich) 

Körper und Körperhygiene

Jeder Körper ist einzigartig. Dein Körper gehört nur dir. Wie du gut und achtsam mit deinem Körper umgehst, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Frauen unterscheiden sich zum Beispiel in ihrer Grösse, ihrer Körperform, ihrem Gewicht oder ihrer Hautfarbe. Auch Brüste, Vulva sowie die Körper- und Schambehaarung sehen bei jeder Frau anders aus. 

Manche Frauen rasieren ihren Intimbereich, andere nicht. Beides ist normal und hat keinen Einfluss auf die Körperhygiene. Ob du dich rasierst, entscheidest du selbst. 

Hier findest du weitere Informationen zum Körper der Frau: 

Männer unterscheiden sich in ihrer Grösse, ihrer Körperform, ihrem Gewicht oder ihrer Hautfarbe. Penis sowie Körper- und Schambehaarung sehen bei jedem Mann anders aus. 

Manche Männer rasieren ihren Körper oder den Intimbereich, andere nicht. Beides ist normal und hat keinen Einfluss auf die Körperhygiene. Ob du dich rasierst, entscheidest du selbst. 

Hier findest du weitere Informationen zum Körper des Mannes: 


Sexualität und ihre vielfältigen Formen

Sex bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Sexualität ist vielfältig und persönlich. Sie kann Freude, Nähe, Vertrauen und Intimität schenken. Viele Menschen geniessen dabei Berührungen, Gefühle und gemeinsame Erlebnisse. 

Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen Sex. Zum Beispiel, um: 

  • sexuelle Lust zu erleben – allein oder mit einer anderen Person 
  • Liebe und Nähe auszudrücken 
  • sich zu entspannen 
  • sich einen Kinderwunsch zu erfüllen 

So vielfältig die Gründe sind, aus denen Menschen Sex haben, so vielfältig sind auch die Formen von Sexualität. Dazu gehören zum Beispiel: 

  • Selbstbefriedigung = Sex mit sich selbst 
  • Küssen und Streicheln 
  • Oralsex 
  • Vaginal- oder Analsex 
  • Sex zwischen Menschen, egal welches Geschlecht sie haben 
  • weitere Sexualpraktiken 

Wichtig ist: Sex soll immer freiwillig sein. Alle beteiligten Personen müssen damit einverstanden sein. Lass dich nicht zu Sex drängen. Entscheide selbst, was sich für dich richtig anfühlt. Respektiere auch die Grenzen anderer Menschen. 

Ebenso wichtig sind Verhütung und Schutz. Ohne Verhütung kann es zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Zudem können beim Sex HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) übertragen werden. Wie du dich schützen kannst, erfährst du im Kapitel Schutz vor HIV und STI.


Rechtslage zu Sexualität und Pornografie

Was ist in der Schweiz erlaubt, was verboten? Hier findest du die wichtigsten Informationen zur Rechtslage zu Sexualität und Pornografie.

In der Schweiz ist Folgendes erlaubt: 

  • Sex ab 16 Jahren (Schutzalter) 
  • Sex zwischen Jugendlichen unter 16 Jahren, wenn beide urteilsfähig sind, ihre Rechte geschützt werden und der Altersunterschied höchstens drei Jahre beträgt 
  • Sex zwischen Menschen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts 
  • Freiwillige Sexarbeit (Prostitution) ab 18 Jahren 
  • Freiwilliges Mitwirken in pornografischen Fotos, Filmen oder anderen sexuellen Darstellungen ab 18 Jahren 
  • Ab 16 Jahren: legale Pornografie ansehen, besitzen und weitergeben* 

* Legale Pornografie zeigt nur Personen ab 18 Jahren, die freiwillig mitwirken. 

Folgendes ist verboten und strafbar: 

* Wichtig: Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, dass auch selbst erstellte Nackt- oder Sexbilder strafbar sein können. Das gilt zum Beispiel, wenn Bilder oder Videos von Personen unter 18 Jahren aufgenommen, verschickt, gespeichert oder weitergegeben werden. Solche Inhalte gelten grundsätzlich als illegale Pornografie. Es gibt Ausnahmen. Diese sind im Strafgesetzbuch (Art. 197 Abs. 8 und 8bis) geregelt. 

Mehr über Pornografie und die rechtliche Situation in der Schweiz erfahren


Beziehungen und Gefühle

Beziehungen und Gefühle sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Deshalb leben Menschen ihre Beziehungen unterschiedlich. Wichtig dabei: Jede Beziehungsform beruht auf gegenseitigem Einverständnis.

Menschen leben ihre Beziehungen unterschiedlich. Zum Beispiel:

  • in einer festen Partnerschaft – mit oder ohne Heirat 
  • mit oder ohne Kinder 
  • zusammen oder getrennt 
  • ohne feste Beziehung 
  • mit gelegentlichen Sexualpartner*innen  
  • mit einer Person, egal welches Geschlecht sie hat 
  • mit mehreren Partner*innen, wenn alle damit einverstanden sind 

Mehr über verschiedene Beziehungsformen 

In der Schweiz entscheidest du selbst, 

  • mit wem du eine Beziehung führst, 
  • mit wem du Sex hast, 
  • und wen du heiraten möchtest. 

Niemand darf dich dazu zwingen. Das gilt auch für Eltern, Geschwister oder andere Familienmitglieder. 

Niemand darf dich zwingen, 

  • zu heiraten, 
  • eine Beziehung zu führen, 
  • oder Sex zu haben. 

Wer dich dazu zwingt, macht sich strafbar. 

Wenn du bedroht oder gezwungen wirst, hole dir Hilfe. Ruf im Notfall die Polizei (112) an. Auch diese Beratungsstellen unterstützen dich dabei: 

In einer guten Beziehung sprechen beide Menschen offen miteinander. Sprich über deine Gedanken, Gefühle, Wünsche und Grenzen. Offene Gespräche schaffen Vertrauen und helfen, Missverständnisse zu vermeiden. 

Tipps für gute Gespräche in der Beziehung

Nicht jede Beziehung verläuft ohne Schwierigkeiten. Manchmal gibt es Probleme beim Sex, Streit oder Gewalt. 

Du musst damit nicht allein bleiben. Fachpersonen beraten dich vertraulich. Sie unterstehen der Schweigepflicht. 

Je nach Situation helfen dir verschiedene Fachpersonen und Fachstellen: 

In der Schweiz sind alle Menschen gleichberechtigt. Niemand darf wegen des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung benachteiligt werden. 

Das gilt zum Beispiel für: 

  • heterosexuelle Menschen 
  • lesbische und schwule Menschen 
  • bisexuelle Menschen 
  • trans Menschen 
  • intergeschlechtliche Menschen 
  • queere Menschen 
  • asexuelle Menschen 

Du entscheidest selbst, ob du anderen von deiner sexuellen Orientierung oder deiner Geschlechtsidentität erzählen möchtest. 

Wenn du wegen deiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bedroht oder diskriminiert wirst, bekommst du Unterstützung bei der LGBT-Helpline. 

Manche Familien oder Gemeinschaften stellen bestimmte Regeln auf. Zum Beispiel: 

  • kein Sex vor der Ehe 
  • nur Beziehungen zwischen Frau und Mann 
  • Heirat mit einer von der Familie ausgewählten Person 

Wer diese Regeln nicht befolgt, wird manchmal bedroht oder mit Gewalt bestraft. Das nennt man ehrbezogene Gewalt. 

Ehrbezogene Gewalt ist in der Schweiz verboten.  

Dazu zählen: 

  • Kontrolle und Überwachung von Mädchen und Frauen seitens der Familienmitglieder bezüglich Kleidung, Sport und Kontakt zu Menschen ausserhalb der Familie 
  • Zwangsheirat 
  • Psychische Gewalt in Form von Drohungen, Beleidigungen oder durch Verachtung 
  • Körperliche Bestrafung durch Schläge und Tritte 
  • Anstiftung zum Selbstmord oder Mord 
  • Häusliche Gewalt und Unterdrückung in der Ehe oder Partnerschaft 

In der Schweiz darfst du: 

  • Sex und/oder Beziehungen vor der Ehe/Heirat haben 
  • Schwangerschaften abbrechen 
  • dich scheiden lassen 
  • gleichgeschlechtlichen Sex und/oder gleichgeschlechtliche Beziehungen haben (Homo- und Bisexualität ist erlaubt) 
  • Kleidung, Frisuren und Köperschmuck wie Piercings und Tattoos tragen, die dir gefallen 

Bei ehrbezogener Gewalt helfen dir diese Fachstellen: 

Vergewaltigungen sind in der Schweiz gesetzlich verboten. Sie sind keine Ehrverletzung: Denn das Opfer hat sich nichts zuschulden kommen lassen und damit niemanden entehrt. Die Schuld liegt allein bei den Tatpersonen, die dafür strafrechtlich verfolgt werden. 

Ebenfalls verboten ist die Zwangsverheiratung – sowohl bei minder- als auch bei volljährigen Personen: In der Schweiz dürfen ausschliesslich Personen ab 18 Jahren heiraten und das nur, wenn sie dies selbst bestimmen. Personen dürfen sich in der Schweiz gegen eine arrangierte Ehe wehren. Du darfst somit die Person ablehnen, die dir die Familie als Ehepartner*in vorschlägt.  

Wenn eines oder mehrere Familienmitglieder eine Zwangsheirat dennoch durchsetzen, droht diesen Personen eine Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren. Zudem wird eine solche Ehe sofort annulliert, auch wenn sie im Heimatland erfolgt ist. 

Wurdest du oder wirst du gezwungen, eine Zwangsheirat einzugehen, und suchst nun Hilfe, um dem zu entkommen?

Bei der Fachstelle Zwangsheirat findest du eine Helpline sowie eine vertrauliche Beratungsmöglichkeit:
0800 800 007 / www.zwangsheirat.ch

Weitere Informationen zu rechtlichen Fragen in Bezug auf die Zwangsheirat findest du in diesem Dossier.


Familienplanung und Schwangerschaft

Möchtest du eine Familie gründen? Hast du Fragen zu einer Schwangerschaft, zur Geburt oder zur Verhütung? Oder möchtest du dich über einen Schwangerschaftsabbruch informieren? 

Ein Schwangerschaftsabbruch in der Schweiz ist in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft gesetzlich erlaubt.

Die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch sind persönlich wie zum Beispiel: 

  • eine Frau ist ungewollt schwanger geworden 
  • durch das Austragen der Schwangerschaft ist das Leben der Mutter bedroht 

Weitere Informationen zum Schwangerschaftsabbruch findest du hier: 

Beratungsstelle für die LGBTIQA+-Community

Lesbisch, schwul, bi, trans*, inter*, queer, asexuell …? Bei uns findest du Beratung und Informationen zu LGBTIQA+-Themen.

Wir hören dir zu und informieren dich. Wir beraten dich persönlich, vertraulich und respektvoll. Themen sind sexuelle Gesundheit und Leben in der Community.

Uns ist eine Haltung wichtig, die Vielfalt zeigt. Deshalb setzen wir uns ein für mehr Akzeptanz: am Arbeitsplatz, in Schulen, in Familien, in Kirchen. Wir wollen mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung in Gesellschaft und Politik. Und wir wollen deine Lebensqualität stärken – mit guter, ganzheitlicher Gesundheit.

Sexuelle Gesundheit

Beratung und Informationen für die LGBTIQA+-Community


LGBTIQA+: Beratung zum Coming-out

Du fragst dich, ob du lesbisch, bisexuell, schwul, asexuell, pansexuell oder queer bist? Hast du Fragen zu deiner Geschlechtsidentität? Oder möchtest du dich outen und weisst noch nicht, wie?

Auf unserer Fachstelle sind Menschen aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten willkommen. Dazu gehören auch queere, trans, gendervariante und gendernonkonforme Menschen sowie alle, die sich nicht oder nur teilweise mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Unser Team ist mit queer- und transfreundlichen Fachpersonen und Endokrinolog*innen vernetzt. Bei Bedarf vermitteln wir geeignete Fachstellen und Fachpersonen.

Darüber hinaus arbeiten wir mit anderen Fachstellen aus der Region zusammen – zum Beispiel in diesen Bereichen:

Wir beraten auch Angehörige, Freund*innen und andere Bezugspersonen, die einen Menschen beim Coming-out begleiten und unterstützen möchten.

Du erreichst uns wie folgt:

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir dir individuelle Alternativen an – nimm einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08. Gemeinsam finden wir eine für dich passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermittle in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu deiner Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur dein Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls du eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschst, darfst du uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.

Bei Diskriminierung sowie homo- und transfeindlicher Gewalt
In Fällen von Diskriminierungen sowie homo- und transfeindlicher Gewalt – unabhängig vom Kontext – wende dich an die LGBTIQ-Helpline: 0800 133 133hello@lgbtiq-helpline.ch.


Queeres Leben: Beratungsstellen, Events, Organisationen, Literatur und Filme

Hier findest du weitere Informationen zu «Safer Sex», «HIV-/STI-Testing» sowie «Sex und Drogen». Ausserdem haben wir Veranstaltungen, Organisationen und Möglichkeiten zur Vernetzung innerhalb der Community für dich zusammengestellt.

Allgemeine Informationen zu Safer Sex, HIV-/STI-Testing und Safer Drug Use

 

Sexuelle Gesundheit für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

 

Sexuelle Gesundheit für Lesben, Bisexuelle und Queers mit Vulva

 

Beratungsstellen und Informationen zu geschlechtlicher Vielfalt

  • Dawson, J. (2015). How tob e gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe. Frankfurt: Fischer.
  • Diverse Autor*innen (2020). QUEER SEX – whatever the fuck you want!
  • Downs, A. (2012). The Velvet Rage: Overcoming the Pain of Growing Up Gay in a Straight Man’s World (Englisch). USA, Little, Brown and Company.
  • Mildenberger, F. (2014). Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven. Hamburg: Männerschwarm Verlag.
  • Pommerenke, S. (2008). Küsse in Pink. Das lesbische Coming-Out-Buch. Berlin: Krug & Schadenberg.
  • Rauchfleisch, U. (2012). Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos.
  • Thorens-Gaud, E. (2012). Lesbische und schwule Jugendliche. Ratschläge für Lehrpersonen. Hilfe für Eltern. Zug, Klett & Balmer.
  • Voss, H.J. (2013). Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster: Unrast.
  • Aimée & Jaguar (D, 2008)
  • Blau ist eine warme Farbe (La vie d’adèle) (F, 2013)
  • Call me by your name (USA, 2017)
  • Carol (USA, 2015)
  • Der Kreis (CH, 2014)
  • Die verborgene Welt (SA, 2008)
  • Freeheld (USA, 2015)
  • Jongens (NL, 2015)
  • Love, Simon (USA, 2018)
  • Milk (USA, 2008)
  • Mario (CH, 2018)
  • Prayers for Bobby (USA, 2008)
  • Pride (GB, 2014)
  • Women love Women (USA, 2000)

LGBTIQA+: Definition, Geschichte und Hilfe bei Diskriminierung

Die Vielfalt an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten ist grösser als generell angenommen. Diese Vielfalt wird mit Kürzeln wie «LGBT», «LGBTI» oder «LGBTIQA+» beschrieben.

LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Es geht also einerseits um die sexuelle Orientierung (LGB), anderseits um die Geschlechtsidentität (T).

Heute wird der Term häufig durch IQA+ erweitert, was für «inter», «queer» und «asexual» steht. Durch das Plus sind alle geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen inkludiert.

Bei Transgender und auch Intergeschlechtlichkeit handelt es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht um eine sexuelle Orientierung.

Trans und intergeschlechtliche Menschen können sowohl eine heterosexuelle als auch eine bi- oder homosexuelle Orientierung haben.

In jüngerer Zeit wird auch das aus dem englischen Sprachraum stammende «queer» (dt. «seltsam» oder «sonderbar») als positives Synonym für LGBTIQA+ verwendet.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Begriff «Drittes Geschlecht» als Sammelbegriff für Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er Jahre unterschied die Wissenschaft immer mehr zwischen Homosexualität und Transidentität. Der Begriff «Drittes Geschlecht» verschwand somit wieder.

Besonders seit Stonewall* verwenden progressivere Kreise die ursprünglich negativ gemeinten Begriffe gay oder schwul mit verstärktem Selbstbewusstsein.

*Stonewall, auch Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen genannt, waren gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und schwulen, lesbischen sowie trans Menschen in New York im Jahr 1969.

«Die Strategie ‹Gesundheit2020› des Bundesrates hält fest, dass grundsätzlich alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben und auf eine optimale Lebenserwartung haben sollen (EDI, 2013). Welche Menschen sind gemeint? Menschen sind im Verlauf ihrer Kindheit und Jugend durch Stigmatisierung ihrer Geschlechtsidentität beziehungsweise sexuellen Orientierung von gewissen Suchterkrankungen, Depressionen und Suizidversuchen deutlich mehr betroffen als gleichaltrige heterosexuelle cis Menschen.» (Gesundheitsförderung Schweiz, Faktenblatt 19).

Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen setzt sich deshalb dafür ein, geschlechtliche und sexuelle Minderheiten und die damit verbundene Vielfalt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Durch diese Sensibilisierung der Gesellschaft sollen Menschen aus der LGBTIQA+-Community mehr Akzeptanz erfahren.

Der Ausdruck «Diskriminierung» beziehungsweise «Diskriminieren» stammt vom lateinischen Verb «discriminare» ab und steht für «trennen», «Unterscheidungen treffen», «aussondern».

Soziale Diskriminierung umfasst die Benachteiligung von Menschen aufgrund gruppenspezifischer Merkmale wie:

  • ethnische und/oder nationale Herkunft
  • Hautfarbe und/oder Sprache
  • politische und/oder religiöse Überzeugungen
  • sexuelle Orientierung und/oder Geschlecht
  • Alter
  • Behinderung

Die Basis jeder sozialen Diskriminierung bildet das Konstruieren von Unterschieden: Eine gesellschaftliche Mehrheit definiert, wie ein Mensch zu sein hat und legt damit die gesellschaftliche Norm fest – zum Beispiel «weiss, männlich, heterosexuell, christlich etc.». Gruppen, die nicht den dominanten Normen entsprechen, werden somit diskriminiert.

Es wird unterschieden zwischen rechtlicher Diskriminierung (de jure) und tatsächlicher, alltäglicher Diskriminierung (de fakto). Die rechtliche Diskriminierung beschreibt die Ungleichbehandlung durch den Staat aufgrund von geltenden Gesetzen.

Abseits der Ungleichstellung vor dem Gesetz führen gesellschaftliche Zustände zur Stigmatisierung und Diskriminierung von LGBTIQA+-Menschen. Insbesondere diese im Alltag erlebte Diskriminierung kann emotional belastend sein. LGBTIQA+-Menschen sind dieser Situation nicht durch bestimmte Handlungen ausgesetzt, sondern bereits durch das blosse Bestehen ihrer Persönlichkeit.

Erlebte Diskriminierung in Form von Ablehnung, Anfeindung, Mobbing, Bedrohung und Gewalt sind Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von LGBTIQA+-Menschen.

Diskriminierungen von LGBITQA+-Personen können unterschiedliche Folgen für die gesamte Gesundheit nach sich ziehen:

  • Verunsicherung und Ängste
  • Scham- und Minderwertigkeitsgefühle
  • Depressionen und Schlafstörungen
  • Erhöhung der Sucht- und Suizidgefahr

Massive körperliche Übergriffe wie eine Vergewaltigung oder eine schwerwiegende Prügelattacke können neben schweren körperlichen Verletzungen auch Traumata und Todesängste auslösen. Oftmals führt dies zu langjährigen Trauma-Behandlungen. Auch andauernde psychische Ausgrenzung und Gewalt über einen längeren Zeitraum können Angstzustände und Depressionen auslösen.

Bei einem körperlichen Übergriff ist es wichtig, Hilfe zu holen und Hilfe anzunehmen:

Weitere Anlaufstellen bei körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt findest du auf unserer Notfall-Seite.

Unterstützung für HIV-Betroffene: Fachstelle für Aids- und Sexualfragen.

Ich habe HIV. Was muss ich darüber wissen?

Nach der Diagnose «HIV-positiv» ist eine ärztliche Betreuung wichtig. Bei rechtzeitiger Behandlung und erfolgreicher Therapie haben Menschen mit HIV eine normale Lebenserwartung. Denn die HIV-Therapie fördert sowohl die Gesundheit als auch die Lebensqualität. Ferner verhindert die wirksame Therapie die Übertragung von HIV auf andere Sexualpartner*innen.

Trotz medizinischer Fortschritte bringt ein Leben mit HIV auch Ablehnung und Diskriminierung mit sich. Darum ist es wichtig, ein Augenmerk auf die psychische Gesundheit von Menschen mit HIV zu legen.

Darüber hinaus gilt es, der Gesellschaft aktuelles Wissen zu HIV und zur HIV-Therapie zu vermitteln. Durch dieses erweiterte Wissen und durch den persönlichen Kontakt zu Menschen mit HIV lassen sich Vorurteile abbauen, sodass HIV im gemeinsamen Alltag keine Rolle mehr spielt.

Unterstützung für Menschen mit HIV bietet die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in Kooperation mit einem Netzwerk aus Fachleuten und Anlaufstellen.

HIV-positiv: Medizinische Aspekte

HIV im Alltag

Unsere Unterstützung für Menschen mit HIV


Diagnose «HIV-positiv»

Abgekürzt steht HIV für «Human Immunodeficiency Virus» – auf Deutsch: menschliches Immunschwäche-Virus. Das HI-Virus greift das menschliche Immunsystem an und schwächt es. Erst nach einem HIV-Bestätigungstest ist die Diagnose «HIV-positiv» zuverlässig.

Ohne Behandlung breitet sich das Virus unbeschränkt im Körper aus. Es zerstört dabei das Immunsystem so stark, dass sich dieses nicht mehr sicher gegen Krankheitserreger wehren kann. Das führt letztlich zu Aids und später zum Tod. Verhindern lässt sich das mit einer HIV-Therapie, bei der die Medikamente das Virus kontrollieren.

Obwohl HIV bis heute nicht heilbar ist, erholt sich das Immunsystem dank der HIV-Therapie relativ gut. Die Gesundheit bleibt somit geschützt. Die Krankheit Aids bricht nicht mehr aus. Menschen mit HIV haben dank ihrer HIV-Therapie eine normale Lebenserwartung. Ausserdem übertragen Menschen mit HIV unter erfolgreicher Behandlung das Virus beim Sex nicht mehr weiter.


Verlauf einer HIV-Übertragung

Das HI-Virus schwächt das Immunsystem. Geschieht dies über einen langen Zeitraum, kann das Immunsystem Krankheitserreger nicht mehr richtig bekämpfen. Es wird anfällig. Dies kann zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. In diesem Fall ist die Rede von Aids. Aids ist die Abkürzung für acquired immune deficiency syndrome (= erworbenes Abwehrschwächesyndrom).

Phasen der HIV-Übertragung

Wer sich nach einer HIV-Übertragung nicht behandeln lässt, durchläuft von der Ansteckung mit dem HI-Virus bis zum Ausbruch von Aids drei Phasen. Die Dauer der einzelnen Phasen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Grundkonstitution ab. Demnach können zwischen der HIV-Übertragung und dem Auftreten erster Symptome wenige Monate bis fünfzehn Jahre vergehen. In dieser Zeitspanne – auch Inkubationszeit genannt – leben Menschen mit HIV ganz ohne Beschwerden.

 

Stadium 1: Primo-Infektion (= akute HIV-Phase)

In den ersten Wochen nach der HIV-Übertragung erhöht sich die Virenzahl rasant. Dabei treten oft Symptome wie bei einer Erkältung oder einer leichten Grippe auf: Fieber, Hautausschlag, Müdigkeit, Kopfschmerzen. Viele Betroffene und auch viele Ärzt*innen bemerken diese Symptome gar nicht oder bringen sie nicht mit einer HIV-Übertragung in Zusammenhang. Während der Primo-Infektion ist das Potenzial für eine HIV-Übertragung wegen der hohen Virenlast besonders gross.

Nach einigen Wochen verschwinden die Krankheitszeichen spontan, weil das Immunsystem auf den Angriff der HI-Viren reagiert hat. Danach ist der Verlauf zunächst nicht weiter auffällig.

 

Stadium 2: Latenzphase (ohne oder nur mit allgemeinen Symptomen)

Menschen mit HIV leben über Jahre hinweg überwiegend beschwerdefrei. Dennoch vermehrt sich das HI-Virus unbemerkt und belastet das Immunsystem dauerhaft. Dies führt zu einer chronischen Schwächung des Immunsystems. Ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr in der Lage, sich ausreichend gegen Krankheitserreger zu wehren. Nun zeigen sich häufiger Anzeichen einer Immunschwäche – von Hauterkrankungen über andauernde Lymphknotenschwellungen bis hin zum starken Nachtschweiss sowie weiteren Symptomen.

 

Stadium 3: Aids

Aids ist nicht gleich HIV. Aids steht als Abkürzung für «acquired immune deficiency syndrome» – übersetzt ist Aids eine erworbene Schwäche des Immunsystems. Treten im Verlauf einer HIV-Übertragung bestimmte Kombinationen von Krankheiten auf, spricht man von Aids. Im Stadium von Aids ist das Immunsystem stark beeinträchtigt. Es kann schwere, lebensbedrohliche Krankheiten nicht mehr verhindern.

Das Spektrum dieser Krankheiten ist gross: Krebserkrankungen, Lungenentzündungen oder Infektion der Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans. Nach dem Ausbruch von Aids sinkt die Lebenserwartung ohne Behandlung auf wenige Monate bis drei Jahre. Wird eine HIV-Übertragung rechtzeitig erkannt, lässt sich Aids heutzutage mit Medikamenten oft verhindern.


HIV-Therapie

Auch wenn HIV noch nicht heilbar ist, so gibt es wirksame Medikamente in der Therapie. Mit ihnen führen Menschen mit HIV ein normales Leben. Auch ihre (Sex-)Partner*innen sind vor einer HIV-Übertragung geschützt: Menschen mit HIV unter wirksamer Behandlung übertragen das Virus nicht.

Eine erfolgreich behandelte HIV-Erkrankung gilt heute als chronische Krankheit. Um die Gesundheit zu erhalten und die Lebensqualität zu fördern, ist es wichtig, möglichst rasch nach der Diagnose mit der HIV-Therapie zu starten.

Eine HIV-Therapie – auch antiretrovirale Therapie (ART) genannt – besteht in der Regel aus mindestens drei verschiedenen Wirkstoffen. Erst die Kombination verschiedener HIV-Medikamente wirkt ausreichend, da das HI-Virus schnell Resistenzen entwickeln kann. Diese Kombinationstherapie muss ein Leben lang erfolgen. Die aktuell verfügbaren HIV-Medikamente stoppen die Virusvermehrung in den Zellen des Immunsystems wirksam und senken die Viruslast. Allerdings ist bis heute keine vollständige Heilung möglich.

Vorteile der HIV-Therapie

Die HIV-Therapie verbessert den Gesundheitszustand, die Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit HIV markant. Eine wirksame Therapie verhindert die Übertragung von HIV. Das heisst: Erfolgreich behandelte Menschen mit HIV geben das Virus beim Sex nicht weiter. Auch können sie ganz natürlich Kinder zeugen und gebären.

 

Nebenwirkungen der HIV-Therapie

Wie bei allen Medikamenten können auch bei der HIV-Therapie Nebenwirkungen auftreten – wie zum Beispiel Übelkeit, Durchfall oder Schlafstörungen. In den meisten Fällen geschieht dies während der ersten Wochen nach dem Therapiestart. Danach klingen die Nebenwirkungen meistens wieder ab. Manchmal muss ein HIV-Medikament durch ein anderes, verträglicheres ersetzt werden.

In der Arzneimitteltabelle für antiretrovirale Substanzen (HIV-Medikamente) finden Sie alle derzeit in der Schweiz zugelassene HIV-Medikamente, inkl. Dosierungsempfehlungen sowie relevanter Nebenwirkungen.

 

Compliance: Regelmässige Medikamenteneinnahme bzw. Einhalten der Therapievorgaben

Damit die HIV-Therapie erfolgreich und wirksam ist, müssen die Medikamente regelmässig eingenommen werden. Man spricht hier von der sogenannten Compliance: Die Einnahme der HIV-Medikamente muss konsequent und gemäss ärztlicher Verordnung ein Leben lang erfolgen. Für manche Personen ist es nicht einfach, die Therapieanforderungen zu erfüllen. Werden die Medikamente nicht regelmässig eingenommen, beeinträchtigt dies die Wirksamkeit stark und begünstigt die Entwicklung von HIV-Resistenzen gegen die eingesetzten Medikamente.

Manchmal gibt es Umstände, die es erschweren, die Medikamente über eine längere Zeit richtig einzunehmen. Ist das der Fall, können behandelnde Ärzt*innen bei Schwierigkeiten hilfreiche Tipps geben. Auch können sie die Therapie so verändern, dass sie sich besser in den Alltag integrieren lässt. Voraussetzung dafür ist, Schwierigkeiten im Umgang mit der Therapie zu kommunizieren.


Co-Infektion: leichtere HIV-Übertragung durch andere STI

HIV lässt sich bei ungeschütztem Sex leichter übertragen, wenn bereits eine sexuell übertragbare Infektion (STI) vorliegt. Grund dafür sind Entzündungen und kleine Verletzungen, insbesondere auf den Schleimhäuten, die durch die STI verursacht werden können. Diese bleiben oft unbemerkt und bilden einen Weg, über den HIV leichter in den Körper eindringen kann. Wegen der Reizungen wandern zudem verstärkt Immunzellen in die betroffenen Schleimhäute. Weil das HI-Virus die körpereigenen Abwehrkräfte befällt, wird dadurch eine Aufnahme von HIV wahrscheinlicher.

Leichtere HIV-Übertragung bei vorhandenen STI

Wer mit HIV lebt und noch nicht in Behandlung ist, überträgt das HI-Virus leichter auf andere Menschen. Ebenso bei einer zusätzlich vorhandenen sexuell übertragbaren Infektion: Viele STI können Schleimhäute im Genitalbereich entzünden. Damit entstehen ideale Ein- und Austrittspforten für HIV.

Bei einem akuten Genitalherpes beispielsweise ist das Potenzial für eine HIV-Übertragung bis zu 16-mal, bei einer Syphilis-Infektion 3- bis 5-mal höher. Liegt also eine zusätzliche sexuell übertragbare Infektion vor, können Menschen mit HIV ohne Behandlung HIV leichter übertragen. Ferner sind Menschen mit HIV wegen ihres geschwächten Immunsystems anfälliger für weitere sexuell übertragbare Infektionen.

 

Behandlung von STI

Wer mit HIV lebt und zusätzlich eine sexuell übertragbare Infektion hat, erlebt manchmal einen komplizierteren Verlauf. Auch lässt sich die Infektion teilweise schwieriger behandeln als bei Personen, die nicht mit HIV leben. Spezielle Herausforderungen ergeben sich bei den Therapien der sexuell übertragbaren Infektionen: Die STI-Therapien müssen wegen möglicher Wechselwirkungen auf die HIV-Therapie abgestimmt werden. Sexuell übertragbare Infektionen können bei Menschen mit HIV zudem einen anderen Verlauf nehmen als bei Personen, die nicht mit HIV leben. Einige STI (wie etwa Chlamydien) erfordern zudem oft eine längere Behandlungsdauer.


u = u (undetectable = untransmittable)

Undetectable = untransmittable, zu Deutsch: nicht nachweisbar = nicht übertragbar.

Befolgen Menschen mit HIV ihre HIV-Therapie nach Plan und ist ihre Virenlast nicht mehr nachweisbar, übertragen sie HIV nicht mehr. Sie können also Sex ohne Kondom und ohne PrEP praktizieren, ohne zu befürchten, das Virus an ihre*n Partner*in zu übertragen.

Therapie als Schutz

Dass Kondome eine HIV-Übertragung verhindern, ist längst bekannt. Seit einigen Jahren ist auch die Schutzmöglichkeit durch HIV-Medikamente medizinisch anerkannt. Wie Studien nachgewiesen haben, senkt eine konsequent eingehaltene HIV-Therapie die Virusmenge im Körper so stark, dass sich das Virus beim Sex nicht mehr übertragen lässt.

Dazu müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Menschen mit HIV nehmen ihre HIV-Medikamente regelmässig ein.
  • Eine Ärztin oder ein Arzt kontrolliert regelmässig die Blutwerte.
  • Die Virusmenge im Blut liegt unter der Nachweisgrenze.

Unter diesen Voraussetzungen kann beim Sex auf das Kondom verzichtet werden. Allerdings schützen die HIV-Medikamente nicht vor der Übertragung anderer sexuell übertragbaren Infektion (STI).


Psychische Gesundheit

Die körperliche und die psychische Gesundheit gehen Hand in Hand. Sie tragen zum ganzheitlichen Wohlbefinden von Menschen bei. Für eine erfolgreiche HIV-Therapie ist die psychische Gesundheit ein zentraler Faktor. Darum ist es wichtig, sich nicht nur um die körperliche Gesundheit zu kümmern, sondern auch Strategien zu haben, die die eigene psychische Gesundheit unterstützen. Aufgrund der heutigen Kenntnisse ist bekannt, dass die Balance zwischen körperlichem und seelischem Wohlbefinden den ganzen Menschen in seinem Wesen positiv beeinflusst.

HIV und Depression

Jede fünfte Person in der Schweiz leidet im Verlauf ihres Lebens an einer Depression. Chronisch kranke Menschen – so auch Menschen mit HIV – sind dabei besonders gefährdet.

Depressionen betreffen meistens den ganzen Menschen. Sie bestehen nicht bloss aus Stimmungstiefs. Sie dauern länger und wirken sich auf den beruflichen Alltag oder auf das Privatleben negativ aus. Demgegenüber existieren heute gute Behandlungsmöglichkeiten. Der wichtigste Schritt aus einer Depression heraus ist es, eine solche überhaupt zu erkennen und professionell behandeln zu lassen.

Faktoren, die bei Menschen mit HIV zu einer seelischen Krise führen können, sind beispielsweise medizinische Aspekte wie:

  • der Erhalt des positiven Testergebnisses
  • der Einstieg in die antiretrovirale Therapie
  • die Nebenwirkungen der Therapie

Die Angst vor Ausgrenzung, Stigma und Zurückweisung kann einen zusehends verunsichern und existentielle Ängste hervorrufen. Das wiederum vermindert die Widerstandsfähigkeit (= Resilienz).

 

Wenn Angst den Alltag dominiert

Menschen mit HIV können Ängste entwickeln, die ihren Alltag so beeinflussen, dass sie sich gehindert fühlen. Die Ängste können dabei unterschiedlich sein:

  • Angst vor dem sozialen oder beruflichen Ausschluss
  • Angst vor den Langzeitfolgen der Medikamente oder vor einer Ansteckung mit weiteren Krankheiten
  • Angst, HIV an den*die Partner*in zu übertragen

Es ist wichtig, achtsam mit sich und den eigenen Gefühlen umzugehen. Nach einer HIV-Diagnose braucht es Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

In der Partnerschaft gilt es, eine Kommunikation zu entwickeln, die einem zwei Dinge erlaubt: Zum einen, über Ängste und Unsicherheiten zu sprechen; zum anderen aber auch über den vielleicht anderen Umgang mit der eigenen Sexualität.

In solchen Situationen kann es entlastend sein, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sei dies in Form einer Begleitung durch eine Ärztin oder einen Arzt oder in Form eines therapeutischen Settings.


Reden über HIV

Je nachdem, wie sich eine Person mit ihrer HIV-Diagnose auseinandergesetzt hat, kann sie entscheiden, wem sie erzählt, dass sie mit HIV lebt, und wem nicht. Wichtig dabei ist es, auf das innere Gefühl zu hören. Auch kann Ihnen der Leitfaden zur Partnerinformation helfen.

Safer-Sex-Regeln sind zentral

Wer unter wirksamer Therapie ist, wer geschützten Sex praktiziert oder wer seine Sexualpartner*innen darüber informiert, dass er oder sie mit HIV lebt, kann heute nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Wer zum Zeitpunkt des ungeschützten Sexualverkehrs keine nachweisbare Viruslast mehr hat, wird strafrechtlich in der Regel nicht mehr belangt. Auch dann nicht, wenn Sie den*die Partner*in vor dem Sexualverkehr nicht darüber informieren, dass Sie mit HIV leben.

Wichtig ist, dass Sie die Safer-Sex-Regeln einhalten. Dies kann auch eine wirksame Therapie sein. Versagt das Kondom und steht eine*r der Partner*in nicht unter wirksamer Therapie, so ist die andere Person über das Potenzial für eine HIV-Übertragung zu informieren. So kann diese innert 48 Stunden eine ärztlich begleitete Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) in Anspruch nehmen.

 

Rechtzeitig kommunizieren

Oft erfolgt eine HIV-Übertragung in festen Partnerschaften. Wer nichts von seinem HIV-Status weiss, kann HIV unwissentlich übertragen. Darum ist es bei einer HIV-Diagnose zentral, den*die Sexualpartner*in früh zu informieren und weitere HIV-Übertragungen zu verhindern. Im Leitfaden zur Partnerinformation finden Sie hilfreiche Tipps.

Auch wenn ein*e Partner*in keine Krankheitszeichen hat, sollte er*sie sich unbedingt so früh als möglich testen und behandeln lassen. Im Falle einer HIV-Übertragung tragen eine frühe Diagnose sowie ein rechtzeitiger Therapiestart entscheidend zu einer erfolgreichen Behandlung bei.

 

Chancen und Risiken

Gerade in der ersten akuten Krise nach der Diagnose und im Verlauf einer Therapie kann eine Vertrauensperson eine grosse Stütze sein. Das Kommunizieren einer HIV-Diagnose unterliegt dem Datenschutz. Ohne Einverständnis der Person, die mit HIV lebt, darf diese Information nicht weitergegeben werden. Partner*innen sind darauf hinzuweisen, dass eine Verletzung des Datenschutzes rechtliche Folgen haben kann.

Ob jemand den*die Partner*in informieren will, ist zunächst eine ganz persönliche Entscheidung. Dennoch sind vorher auch mögliche Konsequenzen abzuwägen: Nicht alle Menschen können mit der Nachricht gleich gut umgehen. Manche sind möglicherweise überfordert, manche ziehen sich zurück. Wer mehr über das Leben mit HIV Bescheid weiss, baut Vorurteile und Ängste ab. Darum kann eine professionelle Partnerschaftsberatung unterstützend sein.

 

HIV-Coming-out: Wie sage ich es den anderen?

Wer sich überlegt, andere Menschen über die eigene HIV-Diagnose zu informieren, sollte sich davor selber mit der Situation gut auseinandergesetzt haben. Dies ermöglicht eine selbstbewusstere Haltung im Umgang damit, mit HIV zu leben.

Ob in der Partnerschaft, im Familien- und Freundeskreis oder im Job: Wer um die eigene HIV-Diagnose kein Geheimnis machen muss, geht selbstbewusster und freier damit um. In jedem Fall gilt es auch dort, gut zu prüfen, wie die anderen Personen mit der Information umgehen können. Ebenso am Arbeitsplatz: Denn genau dort geschehen häufig Datenschutzverletzungen, die weitreichende Folgen haben können – sogar bis zur Entlassung. Allerdings ist der Arbeitgeber nicht befugt, nach dem HIV-Status zu fragen oder diese Information weiterzugeben.

Lesen Sie dazu auch die Broschüre «Job und HIV» mit nützlichen Tipps und Anlaufstellen.

Oft jedoch sind beim Antritt einer neuen Stelle Gesundheitsformulare der Versicherungen auszufüllen (Pensionskasse und Krankentaggeldversicherung), sodass eine HIV-Diagnose darin enthalten sein kann. Weil diese Gesundheitsformulare wahrheitsgemäss ausgefüllt werden müssen, lohnt es sich, vorher Abklärungen zu treffen, inwieweit man sich als als Mensch mit HIV vor Diskriminierungen schützen kann.

Hierzu gibt es Rechtsberatungen, die Sie in Anspruch nehmen dürfen:

Aids-Hilfe Schweiz (Rechtsberatung und Diskriminierungsmeldung)

Rechtsratgeber für Menschen mit HIV


Beziehung, Sexualität und Kinderwunsch

Die Diagnose «HIV-positiv» bedeutet nicht, auf Beziehungen und Sex verzichten zu müssen.

Safer-Sex und Therapie

Menschen mit HIV, die unter wirksamer Behandlung leben (Virenlast unter der Nachweisgrenze), übertragen das Virus nicht. Damit können sie ungeschützten Sex haben, ohne zu befürchten, HIV zu übertragen. Die Therapie ist eine von verschiedenen Strategien zu Safer Sex .

Der Schutz vor einer möglichen HIV-Übertragung liegt in der gemeinsamen Verantwortung beider Partner*innen: Sie entscheiden gemeinsam, wie Sie sich schützen – ob mit Kondomen oder mit der wirksamen HIV-Therapie.

 

Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI)

Leider schützen die HIV-Medikamente nicht vor der Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Darum tragen Menschen mit HIV besondere Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit sexuell übertragbaren Infektionen. Mehr zur Co-Infektion.

 

Kinderwunsch

Wer sich Kinder wünscht, muss wegen HIV nicht auf sie verzichten. Mit der antiretroviralen Therapie sind einerseits die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Menschen mit HIV stark gestiegen. Andererseits ist das Risiko einer HIV-Übertragung auf den*die Partner*in sowie auf das Baby heute sehr gering.

Mehr dazu


Rechtsberatung

Recht haben – Recht bekommen: Vertrauliche Rechtsberatung für Menschen mit HIV.

Kostenlose Rechtsberatung der Aids-Hilfe Schweiz

Menschen mit HIV stehen im Alltag immer wieder vor rechtlichen Herausforderungen – etwa am Arbeitsplatz, bei Versicherungen, bei Reisen ins Ausland oder im Umgang mit Diskriminierung. Sie müssen das nicht allein klären: Die Aids-Hilfe Schweiz bietet kompetente und vertrauliche Unterstützung – kostenlos. Informieren Sie sich und holen Sie sich die Hilfe, die Ihnen zusteht.

Das Beratungsteam ist wie folgt für Sie da:

Dienstag: 9–12 Uhr und 14–16 Uhr
Donnerstag: 9–12 Uhr und 14–16 Uhr

Telefon: 044 447 11 44

E-Mail1: recht@aids.ch

Postadresse: Aids-Hilfe Schweiz, Freilagerstrasse 32, 8047 Zürich

1Die Aids-Hilfe Schweiz unterstützt gesicherten Mailverkehr über die Protokolle TLS 1.0, TLS 1.1 sowie TLS 1.2. Sollte Ihr Anbieter keine oder nur eine veraltete Verschlüsselung (SSLv1, SSLv2) erlauben, wird Ihre Nachricht unverschlüsselt an das Beratungsteam übermittelt (Datenschutzerklärung).

Meldestelle für Diskriminierungen

Informieren Sie die Aids-Hilfe Schweiz, wenn Ihnen Unrecht widerfahren ist oder wenn eine Person mit HIV in Ihrem Umfeld diskriminiert wurde. Wenden Sie sich dazu an die eidgenössische Meldestelle für Diskriminierungen und Persönlichkeitsverletzungen im Bereich HIV.


Finanzielle Unterstützung

Schnelle Hilfe in finanziellen Notlagen: Hilfe für Menschen mit HIV in der Region St. Gallen und Appenzell.

Solidaritätsfonds der Aids-Hilfe Schweiz

Sind Sie in eine finanzielle Notlage geraten? Sie müssen das nicht allein bewältigen: Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen unterstützt Menschen mit HIV aus der Region St. Gallen sowie Appenzell Inner- und Ausserrhoden beim Stellen von Unterstützungsanträgen – vertraulich und unkompliziert.

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

Telefonzeiten
Montag
9–12 Uhr und 14–17 Uhr

Dienstag bis Donnerstag
9–12 Uhr

Freitag 
geschlossen

info@ahsga.ch 071 223 68 08WhatsApp

Barrierefreiheit
Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen (AHSGA) ist nicht barrierefrei zugänglich. Gerne bieten wir Ihnen individuelle Alternativen an – nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf: info@ahsga.ch 071 223 68 08.
Gemeinsam finden wir eine für Sie passende Lösung.

Hinweis zur WhatsApp-Beratung
WhatsApp ist keine sichere Verbindung. Übermitteln Sie in der WhatsApp-Beratung deshalb keine Angaben zu Ihrer Person wie Namen, Alter, Adresse, Wohnort, Geburtsdatum etc., sondern nur Ihr Pronomen. Nach einer WhatsApp-Beratung löscht die jeweils beratende Fachperson den gesamten Chatverlauf. Falls Sie eine Beratung über eine sichere Verbindung wünschen, dürfen Sie uns während der Bürozeiten gerne unter 071 223 68 08 anrufen oder eine E-Mail senden.


Psychosoziale Beratung für Menschen mit HIV

Sie sind nicht allein mit Ihren Sorgen – bei uns finden Sie ein offenes Ohr für Ihre Anliegen.

Unterstützung nach einer HIV-Diagnose

Eine HIV-Diagnose kann viele Fragen, Ängste oder Belastungen mit sich bringen – im Alltag, in Beziehungen oder im Umgang mit sich selbst. In der psychosozialen Beratung finden Sie Raum für Ihre Fragen, ein offenes Ohr und individuelle Unterstützung. Sprechen Sie darüber – wir sind für Sie da.

Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

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Alles zum Safer Sex: Mach den Safer-Sex-Check!

Alles zu Safer Sex

Sex ist eine der schönsten Begegnungs- und Kommunikationsformen zwischen Menschen. Und weil wir Menschen so unterschiedlich sind, gibt es auch unterschiedliche Spielarten der Sexualität und somit auch unterschiedliche Schutzmöglichkeiten.

Wichtig dabei: Mach nur das, was du auch möchtest. Respektiere die Bedürfnisse und Grenzen deiner Sexualpartner*innen: Erlaubt ist, was gefällt – solange alle Beteiligten ausdrücklich einverstanden sind und keine rechtlichen Grenzen überschreiten. Und informiere dich über sexuell übertragbare Infektionen (STI; sexually transmitted infections): Im Safer-Sex-Check erfährst du in wenigen Minuten, was der passende Schutz für dich ist!

 

Alles zum Safer Sex: Mach den Safer-Sex-Check!
Mach den Safer-Sex-Check und lerne deine individuelle Schutzstrategie kennen!

Safer Sex: Was möchtest du genau wissen?

Wer Sex hat, kann sich mit HIV oder einer anderen sexuell übertragbaren Infektion (STI) anstecken. Auslöser solcher STI sind verschiedene Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten.

STI können mit oder ohne Symptome verlaufen. Ausserdem schützen Kondome nur zuverlässig vor HIV, nicht jedoch vor anderen STI. Diese lassen sich auch über Küssen, Oralsex, Petting, Fingern etc. übertragen.

Darum bietet dir nur ein HIV-/STI-Test Klarheit über eine vorliegende STI. Bei Veränderungen oder Schmerzen im Anal- und Genitalbereich besuche eine ärztliche Fachperson deines Vertrauens. Die meisten STI sind heilbar oder gut behandelbar.

Zu den häufigen STI zählen:

(für Symptome, Übertragungswege, Behandlung und Schutz auf jeweiligen Link klicken)

Beim Testen der STI ist es wichtig, den korrekten Test zu verwenden. Die richtigen STI-Testmethoden findest du auf dieser Seite. Lass dich von spezialisierten Fachpersonen beraten, zum Beispiel in der STI-Sprechstunde des Kantonsspitals St.Gallen.

Hier findest du weitere Test- und Beratungsstellen.

Je nach Situation sind die Risiken für eine HIV- oder STI-Infektion unterschiedlich. Die drei wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • wechselnde sexuelle Kontakte
  • Sex mit Personen aus Gruppen, in denen HIV und andere STI überdurchschnittlich verbreitet sind
  • bestimmte sexuelle Praktiken

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risikofaktoren erfährst du hier.

Du kannst dich vor HIV- und STI-Risiken mit Impfungen, Tests und weiteren Schutzmöglichkeiten schützen.

 

Was tun nach einer HIV-Risikosituation?

Nach einer HIV-Risikosituation solltest du die Notfallstation eines Spitals aufsuchen und erfahren, ob die HIV-Notfallbehandlung PEP angezeigt ist. Die PEP (Post-Expositions-Prophylaxe) ist ein Notfallmedikament, deren Einnahme du innerhalb von 48 Stunden nach der HIV-Risiko starten solltest. Am besten also so schnell wie möglich, da die Wirksamkeit bereits nach 6 bis 8 Stunden abnimmt.

Hattest du eine HIV-Risikosituation? Dann wende dich an die Zentrale Notfallaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen (Nummer 071 494 11 11). Dort kannst du jederzeit vorbeigehen und dich beraten lassen. Auch bekommst du dort die PEP, wenn dies angezeigt ist.

Hier findest du weitere Test- und Beratungsstellen.

 

Das sind HIV-Risiken
  • jede Vergewaltigung
  • Analsex unter Männern ohne Kondom oder PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe = medikamentöser Schutz vor einer HIV-Infektion)
  • Anal- und Vaginalsex ohne Kondom oder PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe = medikamentöser Schutz vor einer HIV-Infektion) mit Menschen aus oder in Ländern, in denen HIV besonders häufig ist
  • gemeinsames Benutzen von Sexspielzeug ohne Kondom und Desinfektion

Ausnahme: HIV-positive Menschen mit wirksamer Therapie (TasP: Therapie als Prävention) übertragen das HI-Virus nicht mehr, auch nicht beim Anal- oder Vaginalsex.

Wie du Sex hast, entscheidest du. Wichtig ist, dass du dabei die Grenzen deines Gegenübers respektierst und auf deine sexuelle Gesundheit achtest.

Weil du deine Sexualität individuell gestaltest und sich diese im Laufe des Lebens immer wieder ändern kann, gibt es dafür individuelle Schutzmöglichkeiten. Im Safer-Sex-Check erfährst du, welcher Schutz zu dir passt.

 

Verschiedene Schutzstrategien im Überblick

Je nach Risiken hast du verschiedene Schutzmöglichkeiten zur Auswahl. Informiere dich über mögliche Risiken und passende Schutzstrategien. Denk daran: Gewisse Schutzstrategien brauchen Zeit, bis sie wirken – wie Impfungen oder die PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe = medikamentöser Schutz vor einer HIV-Infektion).

Zu den Schutzstrategien zählen:

Du weisst nicht, welche Schutzstrategie für dich infrage kommt? Finde es heraus im Safer-Sex-Check.

Die Symptome für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) können ganz unterschiedlich sein. Wenn du einige Tage oder mehrere Wochen nach dem Sex Symptome hast, lohnen sich eine Beratung und ein Test. Oft verlaufen STI auch symptomlos, weshalb dir im Zweifelsfall nur ein Test Klarheit gibt.

 

Häufige Symptome bei einer HIV-Infektion
  • Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Nachtschweiss
  • Stark geschwollene Lymphknoten auch ausserhalb des Halsbereichs
  • Halsschmerzen
  • Hautausschlag

Seltener auch:

  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
  • Schleimhautdefekte im Mund und am Sexualorgan

 

Häufige Symptome bei einer STI-Infektion
  • Juckreiz und Reizung am Sexualorgan oder Anus
  • Schmerzen am Sexualorgan oder Anus
  • Schmerzen beim Sex oder beim Wasserlassen
  • eitriger Ausfluss aus Sexualorgan oder Anus
  • Hautausschlag, Knoten und Geschwüre sowie Verletzungen an/auf der Schleimhaut
  • Schwellungen der Lymphknoten
  • unregelmässige Blutungen ausserhalb der Menstruation

 

Lass dich beraten und testen

Allgemein gilt: Beim Sex kannst du dich mit HIV oder einer anderen STI anstecken. Du kannst dabei Symptome haben oder auch nicht. Lass dich deshalb beraten und bei Bedarf testen, wenn du nach Sex mit erhöhten Risiken keine Symptome hast. Bei Symptomen gehe zu einer ärztlichen Fachperson. Bist du dir unsicher, ob du eine STI haben könntest, lass dich in der STI-Sprechstunde des Kantonsspitals St.Gallen beraten.

Beim Sex kannst du nicht alle Infektionsrisiken vermeiden. Deshalb ist das Testen auf HIV und STI nach Risikosituationen wichtig, aber auch für Personen aus Gruppen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko. Mit einem Test lassen sich Infektionen frühzeitig erkennen und behandeln und so Folgeschäden vermeiden.

 

Wann testen?

Mach deinen persönlichen Safer-Sex-Check und erfahre, ob und wann ein Test für dich sinnvoll ist. Dort erfährst du auch, welche Schutzmöglichkeiten für dich infrage kommen. Lasse dich ausserdem bei einer ärztlichen Fachperson oder einer Beratungs- und Teststelle beraten.

Beim Testen der STI ist es wichtig, den korrekten Test zu verwenden. Die richtigen STI-Testmethoden findest du auf dieser Seite. Lass dich von spezialisierten Fachpersonen beraten, zum Beispiel in der STI-Sprechstunde des Kantonsspitals St.Gallen.

Bist du unsicher, ob du dich mit HIV oder einer anderen sexuell übertragbaren Infektion (STI) angesteckt hast? Willst du wissen, wie du dich vor einer Ansteckung schützen kannst? Dann lass dich von einer Fachperson beraten. Diese kann einschätzen, ob und welche Tests in deiner Situation nötig sind.

In der Region St.Gallen-Appenzell darfst du dich an die STI-Sprechstunde des Kantonsspitals St.Gallen wenden. Weitere Test- und Beratungsstellen in der Schweiz findest du hier.

Beratung zu anderen Themen findest du auf der Plattform findhelp.ch.


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Beratung über E-Mail, Telefon oder Chat

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Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

Frauenpower im AHSGA-Vorstand

Mehr Frauenpower im AHSGA-Vorstand

13. Juni 2017

Der AHSGA-Vorstand bekommt Unterstützung durch Frauenpower: Colette Künzle, Kerstin Wissel und Jacqueline Schneider berichten im Interview über die neue Frauenpower im AHSGA-Vorstand, die HIV-Sprechstunden von HOCH Health Ostschweiz sowie die Arbeit mit migrantischen Jugendlichen.

Interview: Corinne Riedener
Beitragsbild: Fachstelle für Aids- und Sexualfragen

Frauenpower im AHSGA-Vorstand

Im Bild von links nach rechts:

Colette Künzle unterrichtet bei den Brückenangeboten der GBS St.Gallen hauptsächlich jugendliche Flüchtlinge. Sie ist seit Mai 2017 im AHSGA-Vorstand und zuständig für das Ressort Schule.

Kerstin Wissel ist Fachassistentin an der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz. Sie ist seit Mai 2017 im AHSGA-Vorstand und zuständig für das Ressort Medizin.

Jacqueline Schneider ist seit Mai 2016 im Vorstand und verantwortlich für das Ressort Politik. Sie ist SP-Kantonsrätin und Geschäftsführerin der Frauenzentrale St.Gallen.

Wie kamt ihr zum AHSGA-Vorstand und was wollt ihr mit eurem Mandat bewirken?
Jacqueline Schneider: Ich wurde von meiner Vorgängerin angefragt. Sie suchte jemanden mit einem guten Netzwerk, NGO-Kenntnissen und einem Schwerpunkt bei Frauenanliegen. Ich ging also an eine erste Sitzung, mehr um zu «schnuppern», denn ich wusste gar nicht recht, was mich erwartet, und danach war für mich klar: Das will ich machen. Mir geht es primär darum, für die Themen der AHSGA eine Öffentlichkeit zu schaffen und den Verein noch weiter bekannt zu machen. Und natürlich sollen dabei auch Frauenthemen vermehrt eine Rolle spielen.

Kerstin Wissel: Bei mir dasselbe: Ich wurde von meinem Vorgänger, Dr. Pietro Vernazza, angeworben. Er ist mein Chef an der Infektiologie von HOCH Health Ostschweiz. Beruflich habe ich sehr viele Überschneidungspunkte mit den Themen der Fachstelle, deshalb war es für mich keine Frage, dass ich das Vorstandsmandat übernehmen will. Ich werde für die medizinischen Fragen zuständig sein. Wie mein Beitrag konkret aussehen wird, kann ich noch nicht sagen, da wir in dieser Zusammensetzung noch ein sehr junger Vorstand sind. Demnächst soll es aber eine Standortbestimmung geben.

Colette Künzle: Ich kam ebenfalls durch meinen Vorgänger in den Vorstand. Die Themen Aids und Sexualität sind eine spannende Abwechslung zu meiner Arbeit in der Schule und haben gleichzeitig einen starken Bezug zu den Jugendlichen, die ich unterrichte. Der Sexualpädagogik-Unterricht bei uns beispielsweise, den Profis der Fachstelle leiten, kommt immer sehr gut an. Ich finde es – als Lehrerin und als Mutter – wichtig, dass es solche Angebote gibt und dass sie weiter ausgebaut werden. Deshalb engagiere ich mich im Vorstand.

Gibt es schon Themen, Projekte oder Ideen für die nächste Zeit, die der Vorstand als Ganzes ins Auge gefasst hat?
Jacqueline: Noch nicht, aber bald. Vorderhand geht es darum, dass wir uns neu formieren können und alle ihren Platz finden. Dann wissen wir, wer wir sind und wohin wir wollen – als Verein, aber auch als Arbeitgeber.

Kerstin: Eines meiner Ziele wäre, wie auch Jacqueline gesagt hat, dass die Fachstelle bekannter wird. Bei unserer anonymen Sprechstunde im Spital beispielsweise merken wir tagtäglich, wie enorm der Rede- und Informationsbedarf ist. Viele trauen sich nicht, Fragen zu sexuell übertragbaren Krankheiten zu stellen oder offen über ihre Sexualität zu sprechen. Die AHSGA ist dafür die ideale Anlaufstelle.

Seit Mai seid ihr drei Frauen im Vorstand, vorher war nur eine von neun Personen weiblich. Erhofft ihr euch etwas von dieser neuen «Frauenpower»? Gibt es Themen oder Diskussion, die aus eurer Sicht dringend angegangen werden müssten?
Jacqueline: Bei meinen ersten Sitzungen sind die schwulen Männer immer sehr im Vordergrund gestanden. Ich würde da gerne einen Ausgleich schaffen und die gleichgeschlechtliche Liebe bei Frauen wie Männern gleich stark gewichten. Mir ist natürlich klar, dass dieser männliche Überhang auch historisch bedingt ist: Der Verein wurde einst vorwiegend von schwulen Männern gegründet, aber nun ist es an der Zeit, auch den Frauen Gewicht zu geben.

Colette: Hat diese männliche Prägung nicht auch damit zu tun, dass Schwule einfach einem grösseren Risiko ausgesetzt sind, wenn es um Aids und HIV geht?

Kerstin: Aus fachlicher Sicht kann ich das nur bestätigen. Ein Grossteil derer, die zu uns in die Sprechstunde kommen, Fragen haben oder sich testen lassen wollen, sind Männer.

Könnte es auch damit zu tun haben, dass die schwulen Männer im Kampf für die Homosexualität früher einfach sichtbarer und präsenter waren? Lesbische oder bisexuelle Frauen stehen bis heute eher im Abseits, habe ich den Eindruck …
Jacqueline: Das sehe ich auch so. Lesbisch zu sein ist eher noch ein gesellschaftliches Tabu. Erst kürzlich habe ich in einer Studie gelesen, dass Frauen viel länger warten, bis sie den Schritt an die Öffentlichkeit wagen. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Männer sich weniger scheuen oder diskriminiert fühlen.

Kerstin: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich erlebe Männer, die sich nicht richtig trauen, alles zu erzählen – was wichtig wäre für die Beratung bei uns. Ich glaube, manche kommen erst, wenn sie gewisse Beschwerden und Ängste nicht länger ignorieren können. Dass wir vergleichsweise wenig Frauen sehen, könnte auch daran liegen, dass sie bereits von einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin betreut werden.

Colette, du arbeitest mit migrantischen Jugendlichen. Jürg Bläuer von der Fachstelle sagte letztes Jahr in einem Saiten-Interview, dass das Thema Homosexualität bei dieser Anspruchsgruppe zunehmend wichtiger wird. Wie sind deine Erfahrungen?
Colette: Bis jetzt ist das bei uns kein Thema – weil Homosexualität nicht wirklich thematisiert wird. Unsere Schülerinnen und Schüler reden von sich aus nicht über solche Dinge. Diese schwer einzuordnende Haltung erlebe ich unabhängig von der Herkunft der Jugendlichen, und das hat auch jüngst eine AHSGA-Studie gezeigt: Viele sagen zwar, sie hätten kein Problem mit Homosexualität, aber nur solange sie selber keine schwulen oder lesbischen Bekannten haben. Wir reden wohl über Rollenbilder in der Schule, aber alles andere ginge bei acht Lektionen Unterricht pro Woche zu weit, denke ich. Und der Aufklärungsunterreicht wird ja ohnehin von den Profis der Fachstelle abgedeckt.

Ist es nie vorgekommen, dass du eine Person in der Klasse hattest, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung flüchten musste?
Colette: Nein. Jedenfalls ist mir kein solcher Fall bekannt. Im Moment haben wir viele Junge aus Eritrea, die haben andere Fluchtgründe. Zwei Jugendliche aus Afghanistan haben mir einmal erzählt, wie in ihrem Herkunftsland Homosexuelle hingerichtet werden, aber konkret auf mich zugekommen ist nie jemand. Ich bezweifle aber, dass sich eine betroffene Person überhaupt an mich als Lehrerin wenden würde … Und – das klingt jetzt vielleicht blöd – leider gibt es noch viel akutere Probleme, die wir zusammen mit den Jugendlichen lösen müssen, sprich Deutsch lernen, Ausbildung organisieren, Wohnverhältnisse klären etc. Die Frage nach der sexuellen Identität stellt sich darum bei vielen erst später.

Jacqueline: Und das Thema Sexualität und Aufklärung soll ja auch nicht allein an der Schule hängen bleiben, sondern mit zu den familiären Aufgaben gehören. Ich finde es enorm wichtig, dass Jugendliche auch mit ihren Eltern offen über diese Dinge reden können.

Colette: Wenn sie denn entsprechend aufgeklärte Eltern und ein liebevolles Zuhause haben …

Kerstin, ihr bietet anonyme Sprechstunden an bei der Infektiologie. Wer kommt zu euch?
Kerstin: Unsere Kundschaft ist bunt gemischt und wie gesagt vorwiegend männlich. Vom Teenager bis zum Greis ist alles dabei. In der Beratung mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die älteren Männer viel weniger Probleme haben und deutlich offener umgehen mit ihrer Sexualität oder einer allfälligen HIV-Erkrankung. Bei den Jungen ist das ganz anders. Viele haben grosse Hemmungen und es braucht teilweise sehr lange Gespräche, damit sich jemand ein kleines bisschen öffnet.

Liegt das am Alter? An der Reife? Oder hat es mit dem vielfach beschworenen Backlash der «Generation Y» zu tun?
Kerstin: Gute Frage … Ich glaube, dass die älteren Männer in ihrem Leben mehr Möglichkeiten hatten, sich mit ihrer Sexualität und möglichen Risiken auseinanderzusetzen. Die Jungen stehen noch am Anfang dieser Entwicklung und haben sich im Gegensatz zu den älteren oft noch nicht geoutet.

Und die Frauen?
Kerstin: Die Quote bei den weiblichen HIV-Neuansteckungen in der Schweiz liegt konstant etwa bei 20 Prozent. Hier finden sich sowohl Migrantinnen, die sich in Herkunftsländern mit starker Prävalenz angesteckt haben, als auch Schweizerinnen, die sich «ganz normal» beim ungeschützten Geschlechtsverkehr angesteckt haben.

Jacqueline, du führst unter anderem auch ein Leben als Politikerin. Wo, denkst du, müsste man noch Pflöcke für eine bunte Zukunft einschlagen und sich zusammentun?
Jacqueline: Die «Ehe für alle» zum Beispiel können wir nicht ohne das Thema Adoption behandeln, finde ich. Wir müssen uns diesen Themen gegenüber aber grundsätzlich öffnen und weniger bünzlig werden. Unsere Gesellschaft gibt sich ja gern wahnsinnig weltoffen, aber wenn man ein wenig nachbohrt, ist es in vielen Fällen gar nicht mehr so weit her mit der Toleranz … Darum braucht es noch mehr Aufklärung und Sensibilisierung – schliesslich leben wir im Jahr 2017 und nicht mehr im 19. Jahrhundert! Wenn wir es schaffen, dass die Leute das Rad nicht mehr zurückdrehen wollen, sondern das, was ist, akzeptieren, haben wir schon wahnsinnig viel erreicht. Und das, ohne einen einzigen Franken auszugeben.

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Update: Neudiagnosen, PrEP und Zukunftsaussichten

6. April 2022

Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Das ist ein historisches Tief. Der abnehmende Trend lässt sich seit 2008 beobachten und hält weiter an.

Text: Predrag Jurisic
Beitragsbild und Grafiken im Text: BAG Bulletin 48 (2021), aidsmap.com, PD Dr. med. Dominique L. Braun

Seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. Im Vergleich dazu waren es in den 1990er-Jahren im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich. Zu diesem erfreulichen Resultat beigetragen haben drei Dinge: vermehrte Tests bei besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende HIV-Therapie sowie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

Historisch tief: Die HIV-Neudiagnosen in der Schweiz sind 2020 erstmals unter die Grenze von 300 Ansteckungen pro Jahr auf 290 gesunken. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Corona-Pandemie: Einfluss auf HIV-/STI-Neudiagnosen?

PD Dr. med. Dominique L. Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich (USZ), sagt dazu anlässlich des HIV-Updates der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Pandemie hatte einen Einfluss, der sich noch nicht genau verorten lässt.» Am Universitätsspital Zürich gab es deutlich weniger HIV-Neudiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren. Beim Checkpoint Zürich sah die Lage wieder anders aus: Dort gab es wöchentlich eine HIV-Neudiagnose.

Bei den STI-Diagnosen lagen die beobachteten Fallzahlen ebenfalls unter den zu erwarteten Fallzahlen (s. Grafik). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die HIV-/STI-Ansteckungen hatte. Die möglichen Gründe dafür:

  • weniger häufige Tests bzw. Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen
  • verschobene Präventionskampagnen wegen der Pandemiemassnahmen
  • allgemein weniger soziale Kontakte und damit weniger sexuelle Risikosituationen als vor der Pandemie
  • temporäre Schliessungen von Bordellen und Clubs

 

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020

HIV-/STI-Neudiagnosen 2020. Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Männer am meisten von HIV betroffen

79 Prozent aller gemeldeten HIV-Fälle in der Schweiz betrafen im Jahr 2020 Männer. Dabei war Sex mit anderen Männern (MSM) der meist genannte Ansteckungsweg mit 50,8 Prozent. An zweiter Stelle standen heterosexuelle Kontakte mit 26,5 Prozent. Bei 2,2 Prozent der HIV-Diagnosen war das Benutzen von kontaminiertem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) der Grund für die Ansteckung. Bei rund 20 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern liess sich der Ansteckungsweg nicht ermitteln.

Die HIV-Infektionen bei den Frauen erfolgten mit 69,6 Prozent hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte. Die anderen 30,4 Prozent liessen sich nicht ergründen.

 

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen

HIV-Neudiagnosen 2020 bei Männern und Frauen. Erklärung zu Abkürzungen: MSM: Männer, die mit Männern Sex haben. IDU: intravenous drug user (= intravenöser Drogenkonsum). Grafik: BAG Bulletin 48 in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

Rückgang der HIV-Infektionen dank HIV-Therapie und PrEP

In der Schweiz sind rund 17’100 Menschen mit HIV infiziert. Davon kennen 93 Prozent ihre Diagnose. 98 Prozent der Personen mit HIV-Diagnose erhalten eine medikamentöse HIV-Therapie. Von denen wiederum haben 96 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Sie geben das Virus also nicht mehr weiter. Die Schweiz liegt damit im weltweiten Vergleich weit vorn und hat das WHO-Ziel 90-90-90* übertroffen.

*WHO-Ziel bis 2020:

  • 90 Prozent aller Infizierten kennen ihre HIV-Diagnose
  • 90 Prozent aller diagnostizierten Personen erhalten eine HIV-Therapie
  • 90 Prozent aller therapierten Personen sind unter der Nachweisgrenze und geben das Virus nicht mehr weiter
HIV-Kaskade. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

HIV-Kaskade: Anzahl infizierter, diagnostizierter und therapierter Personen bzw. Personen unter der der Nachweisgrenze. Grafik: BAG Bulletin 48 (2021).

 

Auch die PrEP (= orale HIV-Chemoprophylaxe) hat zur Abnahme der HIV-Neudiagnosen beigetragen: Ende 2020 nahmen mindestens 3000 Personen, überwiegend MSM, die PrEP als Schutz vor HIV. Der Blick nach London, wo die PrEP länger im Einsatz ist, lässt auf weiter sinkende HIV-Infektionen bei MSM hoffen: Demnach sind dank der PrEP die HIV-Infektionen bei MSM zwischen Oktober 2015 und September 2017 um 90 Prozent zurückgegangen. Und das bei gleichbleibender Anzahl HIV-Tests (s. Grafik). Aufgrund dieser Erfahrungen ist in der Schweiz auch für die kommenden Jahre ein rückläufiger Trend von HIV-Infektionen zu erwarten.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

HIV-Neudiagnosen bei MSM in London: 90%iger Rückgang dank der PrEP. Grafik: aidsmap.com in HIV-Update von PD Dr. med. Dominique L. Braun (USZ) vom 15. März 2022.

 

 

Langzeitinjektion für HIV-Therapie und PrEP in Sicht

Einen weiteren Meilenstein in der HIV-Therapie bedeuten Long-Acting-Medikamente: Das sind Medikamentendepots, die in Kombination von Tabletten und Langzeitinjektionen aufgebaut werden. So müssen HIV-Patient*innen nicht mehr täglich ihre Medikamente einnehmen. Dies könnte die Stigmatisierung in Zusammenhang mit der täglichen Medikamenteneinnahme reduzieren oder in vulnerablen Patientenpopulationen zu einer besseren Therapietreue führen.

Bei der Long-Acting-Therapie nehmen HIV-Patient*innen während eines Monats täglich zwei HIV-Medikamente oral ein. Im zweiten und dritten Monat erfolgt die Medikamentenabgabe der beiden Substanzen mittels Langzeitinjektion intramuskulär in den Gesässmuskel. Dieses Medikamentendepot wird danach alle zwei Monate aufgefrischt und erfordert eine genaue Planung. Denn das Zeitfenster für die Auffrischungsinjektion beträgt plus oder minus sieben Tage: Wer z. B. die letzte Langzeitinjektion am 15. April bekommt, kann die Auffrischung zwei Monate später zwischen dem 8. und 22. Juni vornehmen.

Gute Neuigkeiten betreffend Langzeitinjektionen gibt es auch bei der PrEP: Die Studie «HPTN 083» aus den USA zeigte gegenüber der täglichen Einnahme der PrEP eine signifikant höhere Wirksamkeit zur Risikoreduktion einer neuen HIV-Infektion. Das Risiko einer HIV-Infektion bestand hauptsächlich in der tiefen Therapietreue der Vergleichsgruppe (= unkorrekte PrEP-Einnahme). Somit spricht vieles für eine HIV-PrEP durch Langzeitinjektionen. Die Zulassung hierzu steht noch aus.

 

Warum eine HIV-Impfung-/Heilung noch nicht möglich ist

Im Zuge der raschen Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie hat sich die breite Öffentlichkeit gefragt, ob dies auch im Falle von HIV möglich sei. Leider ist dies nicht der Fall, auch nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn das HI-Virus unterscheidet sich stark vom Coronavirus: Das HI-Virus mutiert sehr rasch und hat dadurch eine hohe genetische Vielfalt. Ausserdem versteckt es sich gut vor den Antikörpern. Zwar ermöglicht die mRNA-Technologie eine rasche Anpassung samt Studien und Produktion von Impfstoffen. Aber die Grundproblematik des komplexen HI-Virus löst sie dennoch nicht. Und: Das menschliche Immunsystem produziert bei HIV breit neutralisierende Antikörper nur sehr selten und wenn, dann erst spät. Ungelöst bleibt auch das ethische Dilemma, dass in HIV-Impfstudien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen werden kann, um die genaue Wirksamkeit der Impfung ermitteln zu können.

Momentan gilt: Je früher eine HIV-Therapie beginnt, steigt mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch die Chance auf eine Heilung. Denn die Forschung bleibt weiterhin am Ball: Neben neuen Substanzklassen beschäftigt sie sich mit Therapieformen von breit neutralisierenden Antikörpern, Stammzelltransplantationen oder Genome Editing (Genscherenprinzip).

Quellen: BAG Bulletin 48 (2021), HIV-Update AHS Academy: Präsentation von PD Dr. med. Dominique L. Braun.

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